Speed Reading: UniversitÀten setzen wieder auf Schnelllese-Kurse
22.01.2026 - 08:25:12Die Technische Universität Chemnitz und die Universität Freiburg bieten im aktuellen Wintersemester erneut Speed-Reading-Kurse an. Damit reagieren sie auf den wachsenden Bedarf, die tägliche Informationsflut aus E-Mails, Fachartikeln und News-Feeds besser zu bewältigen. Die Techniken versprechen, die Lesegeschwindigkeit von durchschnittlich 200-300 auf über 1000 Wörter pro Minute zu steigern – ohne Verständnisverlust.
So funktionieren die Schnelllese-Methoden
Im Kern zielen die Techniken darauf ab, alte Lesegewohnheiten zu durchbrechen. Eine Hauptherausforderung ist die Subvokalisierung, das stille Mitsprechen im Kopf. Sie bremst das Tempo auf Sprechgeschwindigkeit. Trainiert wird stattdessen das „Chunking“: Das Auge erfasst ganze Wortgruppen auf einmal. Ein Finger oder Stift als Führungsinstrument soll zudem verhindern, dass die Augen im Text zurückspringen und den Fluss stören.
Die Gretchenfrage: Geht Tempo auf Kosten des Verstands?
Die Wissenschaft bleibt skeptisch. Viele Forschende sehen einen unvermeidbaren Kompromiss. Bei komplexen oder wissenschaftlichen Texten sei ein tiefes Verständnis mit extrem hohem Tempo kaum möglich. Das Gehirn brauche einfach Zeit zur Verarbeitung. Kritiker betonen sogar die wichtige Rolle der Subvokalisierung für das Textverständnis. Ihr Rat lautet daher: Nicht blind schnelllesen, sondern die Geschwindigkeit intelligent an Textart und -wichtigkeit anpassen.
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Digitale Helfer und ihre Grenzen
Apps wie Spreeder setzen auf die RSVP-Methode. Dabei werden Wörter nacheinander an derselben Bildschirmstelle eingeblendet, was Augenbewegungen überflüssig macht. Doch der Haken: Der isolierte Wortstrom kann den Gesamtzusammenhang eines Textes schwer erfassbar machen. Dennoch bieten solche Tools einen strukturierten Einstieg, um die eigenen Lesegewohnheiten zu analysieren und zu optimieren.
Mehr als nur Tempo: Vom Speed Reading zum Lesemanagement
Die Kurs-Nachfrage zeigt den großen Bedarf an Produktivitätstechniken. Experten sehen Speed Reading aber nur als ein Werkzeug im Werkzeugkasten. Entscheidend ist die Fähigkeit, die richtige Strategie zu wählen:
* Skimming zum schnellen Überfliegen und Bewerten der Relevanz.
* Speed Reading für das Sichten von Berichten oder Nachrichten.
* Tiefes, langsames Lesen für Fachliteratur oder komplexe Inhalte.
Im KI-Zeitalter könnten Tools Texte künftig vorverarbeiten oder zusammenfassen. Die menschliche Kompetenz, die Lesestrategie bewusst zu steuern, bleibt aber unersetzlich. Es geht nicht mehr nur um schnelleres, sondern um smarteres Lesen.


