StÀdte sind alarmiert: 'Wir pfeifen aus dem letzten Loch'
Veröffentlicht am: 25.06.2026 um 14:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEs gebe zwar das BemĂŒhen, zu guten Lösungen fĂŒr die Kommunen zu kommen, sagte der PrĂ€sident des Deutschen StĂ€dtetages, Leipzigs OberbĂŒrgermeister Burkhard Jung (SPD). Bund und LĂ€nder hĂ€tten sich aber "verhakt", sagte er. "Wir befĂŒrchten deshalb, dass es keinen Durchbruch geben wird fĂŒr die Kommunen."
StÀdte fordern: "Wer bestellt, bezahlt"
Bei der MinisterprĂ€sidentenkonferenz (MPK) in Berlin ringen Bund und LĂ€nder vor allem um die Frage, wie und in welchem MaĂe der Bund die LĂ€nder und die Kommunen finanziell entlasten kann. Die BundeslĂ€nder und StĂ€dte pochen bei neuen Steuer- und Leistungsgesetzen auf den Grundsatz "Wer bestellt, bezahlt".
Im Finanzrecht heiĂt das KonnexitĂ€tsprinzip. Aus Sicht der LĂ€nder und Kommunen muss es einen Mechanismus fĂŒr Kompensationen geben, wenn der Bund mit Gesetzen fĂŒr neue finanzielle Lasten sorgt. Im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot im Bund heiĂt es, man wolle sich am Grundsatz der "VeranlassungskonnexitĂ€t" orientieren.
Deutlich mehr neue Schulden als neue Entlastungen
Jung und der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des StĂ€dtetags, Christian Schuchardt, forderten von Bund und LĂ€ndern einen Fahrplan fĂŒr Reformen. "Bis zum Herbst brauchen wir einen Zukunftspakt von Bund und LĂ€ndern", sagte Schuchardt. Die Zeit drĂ€nge, ergĂ€nzte Jung. "Wir pfeifen aus dem letzten Loch." Die Kommunen mĂŒssten etwa ein Viertel der staatlichen Aufgaben vor Ort lösen und erhielten nur ein Siebtel der Steuereinnahmen.
Im Idealfall brĂ€chten die BeschlĂŒsse der MinisterprĂ€sidentenkonferenz mittelfristig eine Entlastung von bis zu drei Milliarden Euro, rechnete der Leipziger OB vor. "Aber es stehen denen gegenĂŒber jĂ€hrlich 30 Milliarden neue Schulden. Da können wir nicht still sein. Da können wir nicht mehr schweigen."
Kommunen appellierten bei Aktionstag
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte am Sonntag gesagt, die Kommunen sollten durch Kostensenkungen bei bestimmten Sozialgesetzen entlastet werden. Es gehe um vier groĂe Gesetze, sagte der Kanzler, der drei davon konkret benannte: das Unterhaltsvorschussgesetz, das Jugendhilfegesetz und die Eingliederungshilfe. Am Montag hatten bundesweit StĂ€dte und Gemeinden mit einem Aktionstag unter dem Motto "Kommunen am Limit" auf ihre Situation aufmerksam gemacht.
