ROUNDUP, Nobelpreis

Nobelpreis ehrt Forschung zu stetigem Wirtschaftswachstum

13.10.2025 - 14:32:24

STOCKHOLM - Drei in den USA und in Europa tĂ€tige Ökonomen werden fĂŒr ihre Forschungen zum stetigen Wachstum von Volkswirtschaften mit dem Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

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STOCKHOLM (dpa-AFX) - Drei in den USA und in Europa tĂ€tige Ökonomen werden fĂŒr ihre Forschungen zum stetigen Wachstum von Volkswirtschaften mit dem Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Der prestigetrĂ€chtige Preis geht in diesem Jahr zur einen HĂ€lfte an den israelisch-amerikanischen Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr, zur anderen HĂ€lfte an den Franzosen Philippe Aghion und den Kanadier Peter Howitt, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekanntgab. Sie zeichnete das Trio damit fĂŒr ihre ErklĂ€rung von innovationsgetriebenem Wirtschaftswachstum aus.

WĂ€hrend der nahezu gesamten Menschheitsgeschichte habe sich der Lebensstandard der Menschen von Generation zu Generation zunĂ€chst nur unwesentlich verĂ€ndert, sagte der Vorsitzende des zustĂ€ndigen Nobelkomitees, John Hassler, bei der Preisbekanntgabe. Stagnation sei der Normalfall gewesen, und gelegentliches, von großen Entdeckungen wie der Druckerpresse ausgelöstes Wachstum sei letztlich immer wieder verebbt.

Im Zeitalter des Wachstums

In den vergangenen rund 200 Jahren sei dies jedoch ganz anders gewesen, fĂŒhrte der schwedische Ökonom aus: Stetiges Wachstum mit immer neuen technologischen Innovationen wie neuen Medikamenten, sichereren Autos und nicht zuletzt dem Internet habe die lange herrschende Stagnation abgelöst.

"Im Laufe der Zeit hat dieser Prozess unsere Gesellschaften grundlegend verÀndert", sagte Hassler. "VerÀnderung, nicht Stagnation, ist zur neuen NormalitÀt geworden."

An dieser Stelle kommen die diesjĂ€hrigen NobelpreistrĂ€ger ins Spiel: Mokyr (79), Aghion (69) und Howitt (79) hĂ€tten Antworten auf Fragen liefern können, wie sich nachhaltiges Wachstum auf Basis von Innovationen erklĂ€ren lasse und welche Konflikte in einer Gesellschaft entstĂŒnden, wenn neue Dinge die alten ersetzten, erlĂ€uterte Hassler.

"Schöpferische Zerstörung" und was alte Handys damit zu tun haben

Mokyr habe mit seinen Beobachtungen die Faktoren identifiziert, die fĂŒr stetiges Wachstum notwendig seien, Aghion und Howitt hĂ€tten wiederum das mathematische Wachstumsmodell der "schöpferischen Zerstörung" aufgestellt. Dabei geht es um einen endlosen Prozess, bei dem alte Produkte stetig durch neue und bessere ersetzt werden. Alte Telefone und Handys sind somit beispielsweise im Laufe der Zeit von hochmodernen Smartphones abgelöst worden - die in Zukunft wiederum von neuen, besseren GerĂ€ten vom Markt verdrĂ€ngt werden.

"Mit dem VerstĂ€ndnis der Mechanismen der schöpferischen Zerstörung haben wir eine bessere Chance, dafĂŒr zu sorgen, dass das Wachstum anhalten kann und in die Richtung gelenkt wird, die der Menschheit nĂŒtzt", sagte Hassler.

Kritik an Trumps Zollpolitik

Apropos Zerstörung: Dass US-PrĂ€sident Donald Trump mit seiner aktuellen Wirtschaftspolitik erhebliche Handelsbarrieren fĂŒr die Weltwirtschaft schafft, zog indirekte Kritik von PreistrĂ€ger Aghion nach sich.

"Es gibt momentane Trends zu Deglobalisierung und Zollbarrieren. Diese Dinge sind Hindernisse fĂŒr das Wachstum, weil man einen großen Markt benötigt, um weiter zu wachsen", sagte der Franzose, als er telefonisch zur Preisbekanntgabe zugeschaltet wurde. "Offenheit ist ein Wachstumstreiber. Und alles, was der Offenheit im Weg steht, ist ein Wachstumshemmnis."

Aghion erwĂ€hnte Trump dabei zwar nicht namentlich, stellte aber auf RĂŒckfrage klar: "Ich heiße die protektionistische Welle in den USA nicht willkommen - sie ist nicht gut fĂŒr das Wachstum und die Innovation."

Zugleich mĂŒsse man in Europa erkennen, dass man den USA und China nicht lĂ€nger die technologische FĂŒhrung ĂŒberlassen dĂŒrfe. "Wir haben fantastische Grundlagenforschung in Europa", sagte Aghion. Es gehe aber darum, diese Arbeit auch in bahnbrechende Innovationen umzuwandeln. Das werde bislang versĂ€umt, auch wenn das Potenzial da sei.

Alle NobelpreistrÀger stehen fest

Mit den AuserwĂ€hlten in der Wirtschaftskategorie stehen nun alle NobelpreistrĂ€ger dieses Jahres fest. In der vergangenen Woche waren bereits alle weiteren PreistrĂ€ger verkĂŒndet worden, darunter ebenfalls jeweils drei in den anderen wissenschaftlichen Kategorien Medizin, Physik und Chemie. Der Literaturnobelpreis geht diesmal an den ungarischen Schriftsteller LĂĄszlĂł Krasznahorkai, der Friedensnobelpreis an die venezolanische OppositionsfĂŒhrerin MarĂ­a Corina Machado.

All diese Preiskategorien gehen auf das Testament des schwedischen Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) zurĂŒck. Ende der 1960er Jahre hatte die schwedische Zentralbank dann einen weiteren Preis in Gedenken an Nobel ins Leben gerufen, den Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften.

Bislang erst ein deutscher WirtschaftsnobelpreistrÀger

Der Wirtschaftsnobelpreis ging in seiner Geschichte ĂŒberaus hĂ€ufig an Ökonomen in den USA, so auch im Vorjahr: Damals erhielten ihn Daron Acemoglu, Simon Johnson und James A. Robinson fĂŒr ihre Forschungen zum WohlstandsgefĂ€lle zwischen Nationen.

Erst ein Deutscher ist bislang unter den WirtschaftsnobelpreistrĂ€gern gewesen, nĂ€mlich der Bonner Wissenschaftler Reinhard Selten (1930-2016). Er war im Jahr 1994 gemeinsam mit John Nash und John Harsanyi fĂŒr ihre wegweisenden BeitrĂ€ge zur nichtkooperativen Spieltheorie ausgezeichnet worden.

Eine Million Euro Preisgeld

Wie alle weiteren NobelpreistrĂ€ger erhalten Mokyr, Aghion und Howitt ihre Auszeichnung traditionsgemĂ€ĂŸ und hochfeierlich am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel. Auch das ĂŒppige Preisgeld betrĂ€gt dieselbe Summe wie bei den anderen Nobelpreisen: Es belĂ€uft sich in diesem Jahr erneut auf elf Millionen schwedische Kronen pro Kategorie - umgerechnet entspricht das rund einer Million Euro, die nun zur HĂ€lfte an Mokyr fließt und zu je einem Viertel an Aghion und Howitt.

@ dpa.de