ROUNDUP, Angespannte

Angespannte Lage trotz Waffenruhe

09.04.2026 - 18:49:10 | dpa.de

TEHERAN/BEIRUT/TEL AVIV - Nach der Verkündung der Waffenruhe im Iran-Krieg richtet sich der Blick gespannt auf die anstehenden Friedensgespräche.

(neu: 1. Absatz neu, Israels Verhandlungen mit Israel und Trump zur Nato eingefügt.)

TEHERAN/BEIRUT/TEL AVIV (dpa-AFX) - Nach der Verkündung der Waffenruhe im Iran-Krieg richtet sich der Blick gespannt auf die anstehenden Friedensgespräche. Israel ging zunächst weiterhin militärisch gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon vor, bevor es am Donnerstagabend überraschend die Aufnahme direkter Verhandlungen mit dem verfeindeten Nachbarland ankündigte. Der Iran will die Urananreicherung fortsetzen, was den Interessen Israels und der USA zuwiderläuft. Kontroversen gibt es nach wie vor auch um die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr.

Diese Konfliktpunkte legen einen Schatten über die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran, die ab Freitag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad geplant sind. Zunächst seien Vorgespräche auf Expertenebene vorgesehen, hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen. Am Samstagmorgen sei ein Treffen der Verhandlungsführer angedacht. Die Gespräche könnten bei Bedarf bis Sonntag andauern.

Die Bundesregierung sucht jetzt nach langer Funkstille wieder das direkte Gespräch mit Teheran, wie Kanzler Friedrich Merz ankündigte. "Unser Ziel ist, auf diesem Weg auch einen eigenen Beitrag zum Erfolg der anstehenden Verhandlungen zu leisten", sagte er mit Blick auf die Friedensgespräche.

Gegenseitige Drohungen trotz Waffenruhe

Nach Israels verheerenden Luftangriffen im Libanon drohte der Iran, die Waffenruhe platzen zu lassen. Die USA müssten sich entscheiden - "entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben", schrieb Außenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation.

Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er in der Nacht zum Donnerstag (US-Ortszeit), die Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden rund um den Iran stationiert bleiben, bis das "erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird". Es werde alles bereitgehalten, was für die "tödliche Verfolgung und Vernichtung" eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei.

Israel hatte in einem überraschenden Großangriff am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Nach libanesischen Angaben wurden mehr als 200 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten. Als Reaktion beschoss die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz nach eigenen Angaben in der Nacht einen Kibbuz im Norden Israels.

Netanjahu kündigt direkte Verhandlungen mit dem Libanon an

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte dann am Donnerstagabend mit, Netanjahu habe das Kabinett am Mittwoch angewiesen, Gespräche mit dem Libanon "so bald wie möglich" zu beginnen. Sie sollten sich auf die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon konzentrieren. Libanons Präsident Joseph Aoun hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach die Bereitschaft zu Verhandlungen mit Israel signalisiert.

Iran will nicht auf Urananreicherung verzichten

Der Iran besteht nach Angaben seines Atomchefs in Friedensgesprächen mit den USA weiter auf das Recht der Urananreicherung. Atomchef Mohammed Eslami wies die Forderung nach einem Verzicht darauf zurück, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna berichtete. "Das sind ihre Wünsche, und diese Wünsche werden zu Grabe getragen", sagte er mit Blick auf die USA.

US-Präsident Trump will verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann. Teheran weist zurück, solche Pläne zu verfolgen. Über die Jahre hat die Islamische Republik ein nationales Nuklearprogramm aufgebaut und reichert auch Uran selbst an.

Europäer fordern freie Schifffahrt durch Straße von Hormus

Die vom Iran zugesagte Öffnung der Straße von Hormus wird von europäischen Regierungen immer lauter eingefordert. Sie lehnen die von Teheran ins Spiel gebrachten Gebühren für die Passage entschieden ab. "Das ist nicht akzeptabel", sagte Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot.

US-Präsident Trump erwartet nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte laut dessen Sprecherin konkrete Zusagen der Verbündeten für eine Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus. Rutte tausche sich mit den Partnern über seine Gespräche in Washington aus, teilte Nato-Sprecherin Allison Hart der Deutschen Presse-Agentur mit.

Massive Kritik an Israel wegen der Angriffe im Libanon

Israel steht wegen des großen Luftschlags gegen den Libanon massiv in der Kritik. Die EU-Kommission verurteilt den Angriff "aufs Schärfste", wie ein Sprecher sagte. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, nannte das Ausmaß der Tötungen und Zerstörungen im Libanon "schlichtweg entsetzlich".

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad

Unterdessen laufen in Islamabad auf Hochtouren Vorbereitungen für die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran. In der pakistanischen Hauptstadt wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Das Regierungsviertel, Hotels und die diplomatische Zone sind abgeriegelt. Rund 5.000 Soldaten und Sicherheitskräfte wurden stationiert.

Iran zweifelt an Sinn von Verhandlungen mit Washington

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf zog die Sinnhaftigkeit der Verhandlungen in Zweifel. Er warf Washington vor, die Zusagen gebrochen zu haben - dabei verwies er wieder auf den Libanon. Laut US-Vizepräsident JD Vance ist der Libanon jedoch nicht in der vereinbarten Waffenruhe inbegriffen.

Doch auch nach Angaben des Vermittlers Pakistans bezieht die Feuerpause ausdrücklich den Libanon mit ein. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron forderte auf der Plattform X ebenfalls, die Waffenruhe müsse auch im Libanon eingehalten werden.

Verwirrung um Verhandlungsgrundlage

Dem Weißen Haus zufolge entsendet Trump eine Delegation um Vance, den Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner nach Islamabad. Grundlage soll ein von Teheran vorgelegter Zehn-Punkte-Plan sein. Über dessen Inhalt gibt es jedoch Verwirrung.

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