Times Aktie: Justizministerium knickt ein
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 06:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-Regierung zieht sich aus einem Konflikt zurück, den sie selbst losgetreten hat. Das Justizministerium hat die Vorladungen gegen Journalisten der New York Times zurückgezogen — mitten in einer Anhörung, die eigentlich klären sollte, ob diese Vorladungen überhaupt rechtmäßig waren.
Der Fall reicht bis auf über die Berichterstattung zu Trumps Flugzeugwahl zurück. Reporter der Times hatten unter Berufung auf anonyme Quellen geschrieben, der Präsident sei aus Sicherheitsgründen mit der alten Air Force One aus der Türkei abgereist, weil dem von Katar gespendeten Ersatzjet Schutzsysteme gegen Raketen fehlten. Die Berichte fielen zeitlich mit dem Zusammenbruch einer Waffenruhe im US-israelischen Konflikt mit Iran zusammen. Der von Trump nominierte Manhattan-Staatsanwalt Jay Clayton sah darin eine Gefährdung nationaler Sicherheitsinteressen und forderte über Vorladungen die Preisgabe der journalistischen Quellen.
Regierung räumt Rechtsverstoß ein
Vor Gericht musste ein Vertreter der Staatsanwaltschaft am Donnerstag einräumen, dass die Behörde es versäumt hatte, die betroffenen Reporter über separat eingeholte Vorladungen zu ihren Telefondaten zu informieren — eine gesetzlich vorgeschriebene Pflicht. Die Times sprach im Anschluss von einem Eingeständnis, dass die Vorladungen rechtswidrig gewesen seien. Die Ermittlungen selbst laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiter, neue Vorladungen bleiben möglich.
Der Rückzug reiht sich in eine längere Kette von Auseinandersetzungen zwischen der Trump-Administration und großen US-Medienhäusern ein, zu denen auch die Washington Post und das Wall Street Journal zählen. Pressefreiheitsorganisationen werten das aggressive Vorgehen mit Vorladungen und Durchsuchungsbeschlüssen als Versuch, kritische Berichterstattung einzuschränken.
Operativ bleibt das Nachrichtenhaus derweil auf Wachstumskurs im Streaming-Bereich: Die Sporttochter The Athletic startet ihre Videoinhalte künftig auch auf der Plattform von Fubo, einem Ableger von Disney. Für Anleger dürfte der juristische Rückzug des Justizministeriums kurzfristig Entlastung bringen — die grundsätzliche Konfrontationslinie zwischen Weißem Haus und Verlagshaus bleibt damit aber bestehen.
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