Airbus schockt mit SoftwareÀrger und mangelhaften Teilen - Kursrutsch
01.12.2025 - 21:25:38(Neu: vierter Absatz zur Anzahl der laut Bloomberg betroffenen Jets)
TOULOUSE/FRANKFURT (dpa-AFX) - Probleme mit Software und Rumpfteilen halten den Flugzeugbauer Airbus NL0000235190 in Atem. Am Wochenende mussten Bordcomputer von rund 6.000 Maschinen der meistgefragten Modellfamilie A320 in aller Welt aus SicherheitsgrĂŒnden zurĂŒck auf eine Ă€ltere Softwareversion gesetzt werden. Am Montag wurde dann bekannt, dass Airbus an Rumpfteilen neuer Flugzeuge nacharbeiten muss - ebenfalls bei den A320-Jets, die praktisch nur noch in der modernisierten Auflage A320neo gebaut werden. Die Probleme scheinen zwar weitgehend gelöst. Doch an der Börse kamen die Neuigkeiten schlecht an.
Die Airbus-Aktie startete bereits mit Kursverlusten in den Tag. Nach Durchsickern der Rumpfteil-MĂ€ngel sackte sie zeitweise sogar um fast elf Prozent in den Keller. Nach der ErklĂ€rung von Airbus, die Ursache sei behoben, dĂ€mmte die Aktie ihre Kursverluste ein. Mit einem Abschlag von knapp sechs Prozent auf 192,58 Euro ging sie dennoch als gröĂter Verlierer im Dax DE0008469008 aus dem Handel. Im Vergleich zum Jahreswechsel hat das Papier aber noch um rund ein Viertel zugelegt.
Die QualitÀtsmÀngel betrÀfen eine begrenzte Zahl von metallenen Rumpfverkleidungen der A320-Reihe, erklÀrte eine Airbus-Sprecherin. Die Ursache sei gefunden und eingegrenzt. Alle seitdem produzierten Teile entsprÀchen wieder den Anforderungen. Der Sprecherin zufolge nimmt der Hersteller nun alle Flugzeuge unter die Lupe, deren Rumpfteile möglicherweise von den QualitÀtsmÀngeln betroffen sind.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montagabend unter Berufung auf eine ihr vorliegende UnternehmensprĂ€sentation berichtetet, sei 168 der betroffenen Flugzeuge im Einsatz. Insgesamt belauft sich die Zahl der Maschinen, die ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssten, demnach auf 628. 460 Jets befĂ€nden sich also ohnehin noch in der Fertigung, wurden also noch nicht an Kunden ausgeliefert.
Am Wochenende mussten sich Betreiber von A320-Jets in aller Welt mit einem Software-Problem herumschlagen. Laut Airbus waren rund 6.000 Maschinen betroffen. Das entspricht mehr als die HĂ€lfte der aktiven Flotte des weltweit meistverkauften Passagierflugzeugs.
Die Mehrzahl der Maschinen ist bereits wieder in der Luft: Bei den allermeisten Jets reichte die RĂŒckkehr auf eine Ă€ltere Software-Version, wĂ€hrend bei weniger als 100 Maschinen voraussichtlich die Bordcomputer ausgetauscht werden mĂŒssen.
Die EinschrĂ€nkungen fĂŒr den Flugverkehr blieben am Wochenende in Europa ĂŒberschaubar. Lufthansa DE0008232125, Easyjet GB00B7KR2P84 und weitere Gesellschaften berichteten von schnellen UmrĂŒstungen und geringen Auswirkungen auf den Betrieb. Air France und die japanische ANA sagten hingegen Dutzende FlĂŒge ab. In den USA wurde der starke Reiseverkehr zum Thanksgiving-Tag beeintrĂ€chtigt.
Airbus-Vorstandschef Guillaume Faury bat in den sozialen Medien Passagiere und Airline-Kunden um Entschuldigung fĂŒr logistische Herausforderungen und VerspĂ€tungen. Die Teams arbeiteten rund um die Uhr, um die Flugzeuge wieder in die Luft zu bringen.
Einige Airlines nahmen schon ab Freitagabend die Software-Umstellung vor, mit der sich das Problem schnell beheben lieĂ. Viele Flugreisende, die auf eine A320-Maschine gebucht waren, bekamen von der kurzfristigen Aktion also kaum etwas mit. Am Montag teilte Airbus mit, dass bei "weniger als 100" Flugzeugen die Rechner ausgetauscht werden mĂŒssten, weil sie nicht mit der vorherigen Software-Version funktionierten. Daran arbeite man gemeinsam mit den Kunden-Airlines.
Wer hĂ€ufiger auf der Kurz- oder Mittelstrecke geflogen ist, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits in einem Flugzeug aus der Airbus-Modellfamilie A320 gesessen. Sie ist mit mehr als 12.000 ausgelieferten Maschinen in den LĂ€ngenvarianten A318 bis A321 die meistverkaufte Flugzeugreihe der Welt. Vor allem mit der Neuauflage A320neo stieg der Hersteller zum MarktfĂŒhrer bei Kurz- und Mittelstreckenjets auf und verdrĂ€ngte den US-Konzern Boeing US0970231058 mit seiner 737-Reihe auf den zweiten Platz. Die beiden Unternehmen beherrschen den globalen Markt fĂŒr gröĂere Passagierjets.
In einer Notfall-Anweisung hatte die europĂ€ische Luftfahrtbehörde EASA am Freitagabend die Airlines angewiesen, auf die letzte sichere Software-Version zurĂŒckzukehren. Demnach hatte ein fehlerhaftes Update der doppelt eingebauten ELAC-Bordcomputer des französischen Herstellers Thales FR0000121329 FR0000121329 die Sicherheitsprobleme ausgelöst.
Airbus und EASA reagierten auf einen Zwischenfall bei einem Flug der US-Gesellschaft Jetblue am 30. Oktober. Die A320 hatte nach einem Problem mit der Flugsteuerung und einem plötzlichen unkontrollierten Höhenverlust in Florida notlanden mĂŒssen. Bei dem Vorfall wurden mehrere Menschen verletzt.
Airbus hat die fehlerhafte Datenverarbeitung auf von der Sonne ausgelöste Partikelströme zurĂŒckgefĂŒhrt. Zwar wĂŒrden die meisten Teilchen von der ErdatmosphĂ€re aufgehalten, erlĂ€uterte die Astronomin Barbara Perri von der UniversitĂ€t Paris-Saclay in der Zeitung "Le Parisien". Einige wĂŒrden jedoch in Form von Strahlung wieder abgegeben, die in die ErdatmosphĂ€re vordringe. Diese Strahlung könne dann von Flugzeugen absorbiert werden, was deren elektronisches System stören könne.

