TransFair Navigator: HR-Startup will Personalfragen algorithmisch lösen
27.01.2026 - 13:43:12Ein deutsches HR-Startup will mit datengetriebener Software die milliardenschweren Fehlerkosten bei Personalentscheidungen eindämmen. Der TransFair Navigator strukturiert schwierige Prozesse wie Kündigungen oder Versetzungen als berechenbare Projekte.
Die 92-Milliarden-Euro-Frage: Bauchgefühl oder Daten?
Die deutsche Wirtschaft steht vor einem gewaltigen Problem: Laut einer Analyse des HR-Startup-Portals Saatkorn kosten fehlerhafte oder verschleppte Personalentscheidungen die Unternehmen hierzulande schätzungsweise 92 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Zahl unterstreicht das enorme finanzielle Risiko, das in rechtlicher Unsicherheit und Untätigkeit bei der Personalplanung steckt.
Genau hier setzt der TransFair Navigator an. „Mittelständische Unternehmen stehen oft vor der Wahl: Bauchgefühl oder teure externe Berater“, erklärt Anke Paulick, Head of Product des Startups, in einem aktuellen Interview. Die Software soll eine dritte, datengetriebene Option bieten. Ihr Kernalgorithmus übersetzt komplexe arbeitsrechtliche Vorgaben – vom Kündigungsschutzgesetz (KSchG) bis zum Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) – in konkrete Handlungsempfehlungen. Der Nutzer wird durch die drei zentralen Phasen Qualifizieren, Versetzen, Trennen geführt.
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Schwergewichtiges Management für die Skalierung
Den strategischen Schub für die Expansion liefert ein neues Führungsmitglied. Die B+H Digital GmbH, hinter der die Software steht, holte zum Jahreswechsel Andreas Schmitz als Sprecher der Geschäftsführung an Bord. Schmitz bringt Erfahrung von SAP, Roche Deutschland und NanoTemper mit.
Sein Auftrag: Die Skalierung des als „sofort einsatzbereit“ beschriebenen Tools vorantreiben. Die Plattform soll kritische Personalentscheidungen wie Stellenstreichungen in kontrollierbare Projekte mit klaren Kosten, Risiken und nächsten Schritten verwandeln. „Technologie war immer unser Erfolgsfaktor“, betont B+H-Gründer Bernhard Bertschat. Mit der Ausgründung von B+H Digital werde der TransFair Navigator nun als eigenständiges Produkt direkt zum Kunden gebracht.
Blitzkalkulator und HR-Appstore als Wachstumsmotor
Technologisch setzt das Startup auf ein modulares SaaS-Modell. Herzstück ist der Blitzkalkulator, der für erste Einschätzungen von Personalszenarien die finanziellen und rechtlichen Konsequenzen in Sekunden berechnet. Ergänzend gibt es spezialisierte Prozessmodule für Versetzungen oder Aufhebungsverträge, die DSGVO- und arbeitsrechtkonform gestaltet sind.
Das ambitionierteste Projekt für 2026 ist jedoch der geplante TransFair Navigator Appstore, der im zweiten Quartal starten soll. Er soll sich zum zentralen Hub für ergänzende HR-Tools und Expertennetzwerke entwickeln – eine Art Betriebssystem für das Personalmanagement im deutschen Mittelstand.
Legal Tech trifft HR Tech: Ein Trend gewinnt an Fahrt
Das Aufkommen solcher Tools spiegelt einen breiteren Markttrend wider: In Deutschland verschmelzen Legal Tech und HR Tech immer stärker. Die strikten hiesigen Arbeitsgesetze machten die Digitalisierung von Entlassungsprozessen lange schwierig. Der wirtschaftliche Druck der mittleren 2020er-Jahre erhöht nun jedoch die Nachfrage nach Lösungen, die Verwaltungsaufwand und Haftungsrisiken senken.
Analysten sehen einen klaren Shift hin zu evidenzbasiertem Personalmanagement. Die Fähigkeit, den Return on Investment (ROI) verschiedener Personalstrategien – etwa die Kosten für Weiterbildung versus Abfindung – zu berechnen, wird vom Luxus zur Notwendigkeit für das Financial Controlling.
Für HR-Verantwortliche zeichnet sich zu Beginn des Jahres 2026 eine klare Botschaft ab: Die Ära, in der bei personalpolitischen Weichenstellungen allein auf Intuition gesetzt wurde, neigt sich dem Ende zu. Die Zukunft gehört der präzisen Navigation mit Daten und eingebetteter Rechtsintelligenz.
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