Trauer, Arbeitsplatz

Trauer am Arbeitsplatz: Warum Unternehmen umdenken müssen

23.01.2026 - 09:02:12

Millionen Beschäftigte sind von Trauer betroffen. Eine offene Unternehmenskultur kann Produktivitätsverluste mindern und stärkt langfristig die Bindung der Mitarbeiter.

Trauer trifft Millionen Berufstätige, doch viele Firmen schweigen. Dabei zahlt sich eine offene Trauerkultur aus – für Mensch und Betrieb. Aktuelle Schätzungen zeigen: Rund 4,7 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind derzeit von einem akuten Trauerfall betroffen. Experten fordern ein Ende des Tabus.

Die hohen Kosten des Wegschauens

Wer Trauer ignoriert, riskiert massive Produktivitätsverluste. Betroffene Mitarbeiter fühlen sich oft isoliert, wenn Kollegen und Chefs aus Unsicherheit schweigen. Die Folgen sind häufig Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Fehlzeiten oder sogar Depressionen. Unternehmen, die ihre Fürsorgepflicht ernst nehmen, profitieren hingegen langfristig von loyaleren und leistungsfähigeren Teams.

Chefs in der Schlüsselrolle

Führungskräfte müssen das Gespräch suchen – doch wie? Eine allgemeingültige Checkliste gibt es nicht, denn jeder Mensch trauert anders. Entscheidend sind Empathie und das Angebot flexibler Unterstützung:
* Angepasste Arbeitszeiten oder Home-Office
* Vorübergehende Umverteilung von Aufgaben
* Vermittlung professioneller Trauerbegleitung
Eine wertschätzende Kommunikation baut Brücken und signalisiert: Du bist nicht allein. Für eine Weile ist „Business as usual“ einfach nicht möglich.

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Was Unternehmen konkret tun können

Neben emotionalem Beistand gibt es praktische Hebel. Dazu gehört der Sonderurlaub. Eine einheitliche gesetzliche Regelung zur Dauer existiert zwar nicht, doch § 616 BGB bildet die Grundlage für eine bezahlte Freistellung. In der Praxis gewähren die meisten Firmen bei Todesfällen naher Angehöriger ein bis drei Tage. Der öffentliche Dienst (TVöD) garantiert zwei Tage. Darüber hinaus erleichtern schrittweise Wiedereingliederung und dauerhaft flexible Modelle die Rückkehr.

Vom Tabu zur gelebten Kultur

Langfristig geht es darum, Trauer als Teil des Lebens zu enttabuisieren. Initiativen wie die Caring Community Köln oder das Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn entwickeln Handlungsempfehlungen für den Arbeitsplatz. Ihr Ziel: Das Bewusstsein schärfen, dass Trauer ein normaler Prozess ist – keine Krankheit. Unternehmen, die proaktiv Leitfäden erstellen und Beratungsangebote vermitteln, zeigen echte Wertschätzung.

Emotionale Intelligenz wird zum Erfolgsfaktor

Die Arbeitswelt wandelt sich – und mit ihr die Anforderungen an Führung. Emotionale Intelligenz rückt als Schlüsselkompetenz in den Fokus. Die Fähigkeit, mit schwierigen Gefühlen umzugehen, ist entscheidend für ein resilientes und sicheres Arbeitsumfeld. Investitionen in diese Kompetenz machen Unternehmen nicht nur menschlicher, sondern auch wirtschaftlich erfolgreicher. Die offene Auseinandersetzung mit Trauer ist ein wichtiger Schritt dorthin.

@ boerse-global.de