Lula, Mercosur-Abschluss

Lula setzt weiter auf raschen Mercosur-Abschluss

21.12.2025 - 17:21:29

Trotz der erneuten Verzögerung beim Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der EuropĂ€ischen Union und dem sĂŒdamerikanischen Staatenbund Mercosur hofft Brasiliens PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva weiterhin auf eine rasche Unterzeichnung des Vertrags.

DafĂŒr brauche es allerdings Mut und politischen Willen, sagte er beim Mercosur-Gipfel im brasilianischen Foz do Iguaçu.

"Leider hat sich Europa noch nicht entschieden. Die europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs haben um mehr Zeit fĂŒr zusĂ€tzliche Maßnahmen zum Schutz der Landwirtschaft gebeten", sagte der 80-JĂ€hrige. "Ohne den politischen Willen und den Mut der Staats- und Regierungschefs wird es nicht möglich sein, die seit 26 Jahren andauernden Verhandlungen abzuschließen."

Meloni blockiert Unterzeichnung im letzten Moment

Eigentlich hĂ€tte der Vertrag an diesem Samstag auf dem Gipfel unterzeichnet werden sollen. Zuletzt hatte die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni allerdings mitgeteilt, dass sie noch nicht bereit sei, dem geplanten Abkommen mit den vier Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay zuzustimmen. Damit war klar, dass die fĂŒr eine Unterzeichnung erforderliche EU-Mehrheit nicht zustande kommt.

Lula sagte nun, er habe Meloni telefoniert und sie habe ihm zugesagt, sie sei Anfang Januar bereit zu unterzeichnen. "Das Abkommen wird geschlossen werden, und ich hoffe, dass es vielleicht im ersten Monat der PrĂ€sidentschaft Paraguays von meinem Kollegen Santiago Peña unterzeichnet wird", sagte Lula. Peña ist der PrĂ€sident Paraguays, der zum Jahreswechsel die PrĂ€sidentschaft des Mercosur ĂŒbernimmt.

Lula: Viele LĂ€nder wollen Abkommen mit Mercosur schließen

Am Mittwoch hatte Lula der EU noch ein Ultimatum gestellt: "Wenn wir es jetzt nicht tun, wird Brasilien keinen Deal mehr machen, solange ich PrĂ€sident bin", sagte er auf einem Regierungstreffen. Davon rĂŒckte er nun ab. Allerdings machte er deutlich, dass die Mercosur-Staaten durchaus auch Alternativen haben. "Die Welt ist begierig darauf, Abkommen mit dem Mercosur zu schließen. Es gibt viele LĂ€nder, die ein Abkommen mit dem Mercosur schließen wollen", sagte er.

Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern wĂ€re nach Angaben der EU-Kommission die weltweit grĂ¶ĂŸte dieser Art und soll auch ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump setzen. Geplant ist, Zölle und Handelsbarrieren zwischen der EU und den Mercosur-Staaten weitestgehend abzubauen.

Die Verhandlungen fĂŒr den Deal mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay starteten bereits 1999. Bolivien ist zwar seit Juli 2024 formell Mitglied des Blocks, befindet sich jedoch noch im Prozess der Umsetzung der Mercosur-Normen und ist nicht Vertragspartei des Abkommens mit der EU.

Neue Schutzklauseln fĂŒr Landwirtschaft

Zahlreiche Industriebranchen dringen auf das Abkommen und zeigten sich zuletzt enttĂ€uscht von der Verschiebung. Allerdings gibt es auch Kritik an dem Vertrag - unter anderem von Landwirten, die einen harten Wettbewerb mit den sĂŒdamerikanischen Großfarmern fĂŒrchten. Um die Bedenken zu zerstreuen, einigten sich Vertreter der EU-LĂ€nder und des EuropĂ€ischen Parlaments auf zusĂ€tzliche Schutzklauseln fĂŒr die Landwirtschaft. Im Fall eines schĂ€dlichen Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines ĂŒbermĂ€ĂŸigen Preisverfalls fĂŒr die EU-Erzeuger sollen damit rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden können.

@ dpa.de