VerbĂ€nde wollen Ăl- und Gasförderverbot in Ostsee erreichen
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 10:05 Uhr | dpa.deDer Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat nach eigenen Angaben zusammen mit internationalen Partnern und der BĂŒrgerinitiative Lebensraum Vorpommern im Rahmen einer Petition bislang 88.000 Unterschriften gesammelt. Diese stammten aus ganz Europa, aber besonders den Ostseeanrainerstaaten. Die Petition soll im September in BrĂŒssel an die EU-Kommission ĂŒbergeben werden.
Nach Probebohrungen in der Ostsee etwa sechs Kilometer von SwinemĂŒnde (Swinoujscie) entfernt hatte das kanadische Unternehmen Central European Petroleum (CEP) vergangenes Jahr mitgeteilt, auf ein groĂes Ălvorkommen gestoĂen zu sein. Sollte sich das Vorkommen bestĂ€tigen, wĂ€re es der gröĂte Fund in Polen mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg, hatte der polnische Chefgeologe Krzysztof Galos der Nachrichtenagentur PAP zufolge gesagt. CEP wollte die Daten weiter auswerten.
Auf deutscher Seite hatten die Erkundungen und der Fund Kritiker auf den Plan gerufen. Die nach der Exploration wieder abgezogene Bohrplattform war etwa vom Urlaubsort Heringsdorf zu sehen.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der BUND in Mecklenburg-Vorpommern, der WWF und die BĂŒrgerinitiative Lebensraum Vorpommern wollten zusammen gegen eine mögliche Förderung vorgehen, hieĂ es nun in einer gemeinsamen Mitteilung. "DafĂŒr behĂ€lt sich das BĂŒndnis auch rechtliche Schritte vor."
Kritik nicht nur an möglicher Ălförderung
"Noch ist aus der Erkundungsbohrung kein genehmigtes Förderprojekt geworden - das muss auch so bleiben", forderte Sascha MĂŒller-Kraenner, BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der DUH. Er sieht Landes- und Bundesregierung sowie die EU-Kommission in die Pflicht.
BUND-LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Corinna Cwielag betonte: "Die Pommersche Bucht ist ein ökologisch besonders wertvoller und zugleich bereits stark belasteter Lebensraum der Ostsee." Nur rund 200 Meter vom bisherigen Bohrstandort entfernt beginnen demnach europĂ€ische Meeresschutzgebiete. "Hier rasten und ĂŒberwintern zahlreiche Seevögel und auch der vom Aussterben bedrohte Ostsee-Schweinswal nutzt diese GewĂ€sser." Cwielag warnte vor UnterwasserlĂ€rm, SchadstoffeintrĂ€gen und dem Risiko eines Ălunfalls.
Schon der Bau des neuen Containerterminals in SwinemĂŒnde inklusive der Zufahrt wirke sich negativ aus. Der Bau des dortigen Tiefwasser-Containerterminals unweit der deutschen SeebĂ€der auf Usedom ist eines der gröĂten Projekte der polnischen Seewirtschaft. Inklusive der dazugehörigen Infrastruktur geht es um Milliarden-Investitionen. Der neue Hafen ist frĂŒheren Angaben zufolge ausgelegt fĂŒr die Abfertigung der gröĂten Transatlantikschiffe mit bis zu 400 Metern LĂ€nge und soll in wenigen Jahren fertig sein.
Förderung im KĂŒstenmeer vor MV bereits ausgeschlossen
UnterstĂŒtzung erhĂ€lt das BĂŒndnis von der Europaabgeordneten Hannah Neumann (GrĂŒne). Die Sorge vor Ort sei groĂ, teilte sie nach einem Treffen mit Heringsdorfs BĂŒrgermeisterin und dem stellvertretenden StadtprĂ€sidenten von SwinemĂŒnde mit. Sie verwies auch auf aus ihrer Sicht vorhandene Risiken etwa fĂŒr den Tourismus. "In Mecklenburg-Vorpommern ist Ostseeschutz die beste Wirtschaftsförderung."
Vor Mecklenburg-Vorpommern ist die Förderung von Erdgas und Erdöl durch Bohrungen im KĂŒstenmeer laut Landesraumentwicklungsprogramm unterdessen ausgeschlossen. CEP hatte in der Vergangenheit in aus DDR-Zeiten bekannten LagerstĂ€tten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg nach Ăl und Gas gesucht, unter anderem auch auf Usedom, und zog sich auch wegen dieses Verbotes aus Mecklenburg-Vorpommern zurĂŒck. Eine Anfrage an CEP zum Stand des jĂŒngsten Projekts vor der polnischen KĂŒste blieb zunĂ€chst unbeantwortet.
