ROUNDUPUngarn, Ukrainischer

Ukrainischer Geldtransport unter GeldwÀsche-Verdacht

06.03.2026 - 13:26:04 | dpa.de

Ungarns Behörden haben einen millionenschweren ukrainischen Geldtransport auf dem Weg durch Ungarn beschlagnahmt und sieben Begleiter festgenommen.

Die Maßnahme sei im Rahmen eines Strafverfahrens wegen des Verdachts auf GeldwĂ€sche erfolgt, teilte das ungarische Finanzamt (NAV) am Freitag auf seiner Webseite mit.

In der Nacht zuvor hatte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X von einer "Geiselnahme" der sieben Transportbegleiter und dem "Raub" ukrainischen Eigentums gesprochen. Bei den Festgenommen handelt es sich um Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank. In den Wagen hĂ€tten sich 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und 9 Kilogramm Gold befunden. Das ungarische Finanzamt bestĂ€tigte diese Zahlen.

Anti-Terror-Einheit in Aktion

Das unabhÀngige Nachrichtenportal "telex.hu" berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass Beamte der ungarischen Anti-Terror-Einheit TEK am Donnerstag auf einem Autobahnparkplatz gegen Geldtransporter mit ukrainischen Kennzeichen vorgingen. Demnach hÀtten die Beamten schwarz gekleidete MÀnner aus den Autos gezerrt und zu Boden geworfen. Das ungarische NAV bestÀtigte die Beteiligung der TEK an der Aktion. Die Einheit untersteht informell dem ungarischen MinisterprÀsidenten Viktor Orbån.

Unter den Begleitern sei ein ehemaliger General eines ukrainischen Geheimdienstes gewesen, fĂŒhrte das ungarische NAV weiter aus. "Allein in diesem Jahr hat die Ukraine 900 Millionen US-Dollar, 420 Millionen Euro und 146 Kilogramm Gold durch Ungarn transportiert", hieß es in der NAV-Mitteilung. Das Amt ging nicht darauf ein, warum es diese Lieferungen nicht schon frĂŒher gestoppt hat. Die Wertsachen seien im Rahmen einer Übereinkunft mit der Raiffeisenbank aus Österreich transportiert und entsprechend deklariert worden, verlautete wiederum aus Kiew. Ungarn grenzt im Osten unmittelbar an die Ukraine.

Streit um Öl und EU-Millionen

Hintergrund des Skandals ist der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um Öllieferungen aus Russland. Diese liefen bis zuletzt ĂŒber die Pipeline "Druschba" auch ĂŒber ukrainisches Gebiet. Nach einer BeschĂ€digung der Pipeline infolge russischer Angriffe forderte die kurz vor einer kritischen Parlamentswahl stehende Regierung in Budapest Kiew zur schnellen Reparatur und Wiederaufnahme des Transits auf. Der ukrainischen Darstellung nach ist eine schnelle Reparatur nicht möglich, was in Ungarn - und auch der benachbarten Slowakei - auf Unglauben stĂ¶ĂŸt.

Um den Druck zu erhöhen, hat Ungarn die Vergabe eines Millionenkredits der EU an die Ukraine blockiert, der fĂŒr das von Russland angegriffene Land ĂŒberlebenswichtig ist. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj drohte daraufhin Ungarns Regierungschef Orban sogar mit eigenen Soldaten.

Dieser ging in seinem regelmĂ€ĂŸigen Rundfunk-Interview am Freitag indirekt auf die AffĂ€re um die ukrainischen Geldtransporter ein. Ungarn liefere keine Kfz-Treibstoffe mehr an die Ukraine, sagte er, "aber auch fĂŒr die Ukraine wichtige Dinge, die durch Ungarn transportiert werden, werden wir stoppen".

Ungarn verweist Transportbegleiter des Landes

Wenige Stunden spĂ€ter teilte das Informationsamt der ungarischen Regierung mit, dass die sieben Begleiter des Geldtransports des Landes verwiesen wĂŒrden. Bei der ÜberprĂŒfung ihrer persönlichen UmstĂ€nde habe sich herausgestellt, dass es sich bei ihnen um ehemalige hochrangige MilitĂ€rangehörige der Ukraine handle. "Mit RĂŒcksicht darauf" sei ĂŒber ihre Ausweisung entschieden worden, hieß es weiter. Warum dies bei einem strafrechtlich relevanten Vorwurf wie dem der GeldwĂ€sche eine Rolle spielen sollte, blieb unklar.

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