ROUNDUP, Putin

Bitte um gĂŒnstiges Öl - Einladung zu Gipfel

28.11.2025 - 16:11:16

Ungarns MinisterprĂ€sident Viktor Orban hat in einem umstrittenen Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin fĂŒr ein baldiges Ende des Ukrainekrieges geworben.

Zugleich machte er deutlich, dass er auf gĂŒnstige und weiterhin stabile Öl- und Gaslieferungen von der Rohstoffgroßmacht Russland hoffe. Putin lobte Orbans "ausgewogene Haltung" im Konflikt um die Ukraine, der eine eigenstĂ€ndige Politik verfolge. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ging zu Orbans Besuch in Moskau auf scharfe Distanz.

FĂŒr Putin, der seit fast vier Jahren die Ukraine mit Krieg ĂŒberzieht, gilt das Treffen als Erfolg. Ungeachtet westlicher Sanktionen gegen Russland kam Orban auch als Vertreter eines EU- und Nato-Mitgliedsstaates und als Bittsteller nach Moskau.

Orban erneurte seine Einladung an Putin zu einem Gipfeltreffen mit US-PrĂ€sident Donald Trump in Ungarn. Putin zeigte sich dazu bereit, sollten die Verhandlungen ĂŒber ein Kriegsende in der Ukraine zu entsprechenden Ergebnissen fĂŒhren. Trump hatte zuletzt die Idee fĂŒr ein solches Treffen in Budapest gehabt, ließ es aber mangels Erfolgsaussichten platzen. Interessiert ist Orban an einem Gipfel als Gastgeber auch, weil er im kommenden Jahr bei der Parlamentswahl wieder gewinnen will.

Orban lobt neue Friedensinitiative Trumps

Orban begrĂŒĂŸte, dass es nun eine neue Initiative Trumps fĂŒr Friedensverhandlungen gebe. US-Vertreter fĂŒhren dazu kommende Woche nach Kremlangaben in Moskau Verhandlungen mit der russischen Seite. Ungarn hoffe als Nachbar der Ukraine auf einen Erfolg, weil die wirtschaftlichen Folgen des Krieges auch fĂŒr sein Land schwer seien, sagte Orban. "Wir hoffen sehr, dass die vorliegenden VorschlĂ€ge zu einem Waffenstillstand und Frieden fĂŒhren werden."

Orban wollte mit Putin unter anderem ĂŒber Öl- und Gaslieferungen zu gĂŒnstigen Preisen verhandeln. Er ist gegen die Sanktionen der EU in diesem Bereich - und lobte Russland als verlĂ€sslichen Partner, der die Energiesicherheit Ungarns gewĂ€hrleiste.

Merz kritisiert Orban-Besuch bei Putin

Bundeskanzler Merz kritisierte die Reise Orbans. Er erinnerte an verschÀrfte russische Luftangriffe nach dem Besuch des ungarischen MinisterprÀsidenten im Juli vergangenen Jahres. "Dieser Besuch damals war nicht nur erfolglos. Wenige Tage nach diesem Besuch hat es mit die heftigsten Angriffe der russischen Armee auch gegen zivile Infrastruktur und zivile Ziele in der Ukraine gegeben", sagte Merz, der in Berlin den slowenischen MinisterprÀsidenten Robert Golob traf. "Ich hoffe, dass diese Reaktion Russlands diesmal ausbleibt. Aber er fÀhrt ohne europÀisches Mandat und er fÀhrt ohne eine Abstimmung mit uns."

Orbans hat mit dem Kremlchef auch wĂ€hrend des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine immer wieder direkte GesprĂ€che gefĂŒhrt, was in der EU stets Kritik auslöste.

EU befĂŒrchtet antiukrainischen Kurs Orbans

Die EU-Kommission unter der FĂŒhrung von PrĂ€sidentin Ursula von der Leyen wollte sich nicht zu Orbans Besuch bei Putin Ă€ußern. Sprecherin Paula Pinho sagte lediglich, die Botschaft der EuropĂ€ischen Union an Moskau sei sehr klar: Man fordere Putin auf, an den Verhandlungstisch zu kommen, und das sollte auch die Botschaft von allen anderen sein.

GrundsĂ€tzlich werden die guten Beziehungen von Orban zu Putin in BrĂŒssel Ă€ußerst kritisch gesehen. So verzögerte Ungarn in der Vergangenheit mehrfach EU-Russland-Sanktionen und blockierte UnterstĂŒtzungsprojekte fĂŒr die Ukraine. In der aktuellen Situation wird befĂŒrchtet, dass Orban US-Bestrebungen unterstĂŒtzt, die Ukraine zu weiterreichenden ZugestĂ€ndnissen gegenĂŒber Russland zu bewegen, um den Krieg zu beenden.

Putin: Trotz Sanktionen gute Beziehungen zu Ungarn

Kremlchef Putin sagte, dass die Beziehungen zwischen Russland und Ungarn trotz der Sanktionen und Schwierigkeiten gut seien. Der Handel zwischen beiden LĂ€ndern lege nach einem Minus nun wieder zu.

Vor dem Abflug erinnerte Orban daran, dass ihm US-PrĂ€sident Trump eine Ausnahme von den Sanktionen gegen russische Energieunternehmen genehmigt hatte. "Das ist uns gelungen, was großartig ist. Jetzt brauchen wir nur noch Gas und Öl, und die können wir von den Russen kaufen. Deshalb reise ich dorthin, um sicherzustellen, dass Ungarns Energieversorgung fĂŒr den Winter und das kommende Jahr zu einem erschwinglichen Preis gesichert ist", sagte Orban.

Nicht die erste Reise nach Moskau

Orban hatte Putin zuletzt im Juli 2024 im Kreml besucht - wenige Tage nach seiner ersten Reise nach Kiew seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Den Aufenthalt in Russland inszenierte er damals als Friedensmission.

Er pflegt seit etwa zehn Jahren gute Kontakte zum Kremlchef. Ungarn ist neben der Slowakei das einzige EU-Land, das noch Rohöl aus Russland bezieht. Anders als die anderen EU-LĂ€nder, mit Ausnahme der Slowakei, ist Ungarn in hohem Maße von russischen Erdgaslieferungen abhĂ€ngig.

@ dpa.de