Produktion/Absatz, Großbritannien

Der ewige Kampf ums HandgepÀck in der Flugzeugkabine

01.07.2025 - 06:21:42

Unmittelbar vor der grĂ¶ĂŸten Reisewelle des Jahres ist eine Debatte um das zulĂ€ssige HandgepĂ€ck in Passagiermaschinen entbrannt.

Was darf ich mit an Bord nehmen? Die Antwort auf diese einfache Frage fĂ€llt zum Ärger der Passagiere je nach Airline höchst unterschiedlich aus und kann sogar richtig ins Geld gehen.

Das könnte sich demnĂ€chst Ă€ndern: Der europĂ€ische Verbraucherschutz-Verband Beuc hat bei der Kommission eine offizielle Beschwerde gegen sieben Direktfluggesellschaften eingereicht, die aktuell pro Passagier lediglich eine kleine Tasche fĂŒr Dinge des persönlichen Bedarfs kostenfrei zulassen. Und im EU-Parlament setzen sich Abgeordnete fĂŒr großzĂŒgigere Regeln in den Kabinen ein.

Warum gibt es bislang keine festen Regelungen?

Bislang hat die EU die HandgepĂ€ckregeln weitgehend den Airlines selbst ĂŒberlassen. Selbst die Empfehlungen des weltweiten Airline-Verbandes IATA werden nicht einheitlich umgesetzt. Nach einem Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2014 ist nur klar, dass fĂŒr HandgepĂ€ck auch beim gĂŒnstigsten Ticket keine zusĂ€tzliche GebĂŒhr erhoben werden darf. Die vom Gericht verlangten "angemessenen Vorgaben" zu GrĂ¶ĂŸe und Gewicht gibt es in der EU aber bis heute nicht.

Wie ist die derzeitige Situation?

Das ist je nach Gesellschaft unterschiedlich. Die meisten Direktfluggesellschaften wie Ryanair IE00BYTBXV33, Easyjet GB00B7KR2P84 oder auch die Lufthansa DE0008232125-Tochter Eurowings lassen im gĂŒnstigsten Tarif nur eine kleine Tasche zu, die unter den Vordersitz passen muss. Bei Netzanbietern wie Lufthansa oder British Airways ist hingegen auch im billigsten Ticket zusĂ€tzlich ein kleiner Rollkoffer erlaubt. Urlauber sollten daher vor Flugantritt unbedingt die Regelungen ihrer Airline checken, um am Flughafen möglichen Nachforderungen und StrafgebĂŒhren zu entgehen. Gerade bei voll gebuchten FlĂŒgen sind die Crews sehr strikt.

Was spricht dafĂŒr, nur mit HandgepĂ€ck zu reisen?

Wer im Strandurlaub mit Shorts und einigen T-Shirts auskommt, könnte sich das AufgabegepĂ€ck sparen. Passagiere haben ihr HandgepĂ€ck zudem stĂ€ndig in ihrer NĂ€he, was die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes erheblich verringert. Gerade im Sommer-Hochbetrieb gehen aufgegebene und dann verladene GepĂ€ckstĂŒcke hĂ€ufiger verloren oder kommen verspĂ€tet an. Außerdem muss man nach der Landung nicht auf das GepĂ€ck warten und kann schneller den Flughafen verlassen.

Was wollen die VerbraucherschĂŒtzer erreichen?

Die Klage der europĂ€ischen VerbĂ€nde richtet sich gegen die Grundtarife der Gesellschaften Easyjet, Ryanair, Norwegian, Transavia, Voltea, Vueling und Wizz Air. Nach den Untersuchungen von Beuc erheben diese zwischen 6 und 75 Euro fĂŒr ein zusĂ€tzliches GepĂ€ckstĂŒck in der Kabine. Platz genug ist also vorhanden. Derartige Nebeneinnahmen sind wichtig fĂŒr die Airlines. Die italienische "Corriere della Sera" schĂ€tzt die jĂ€hrlichen GepĂ€ck-EinkĂŒnfte von Ryanair auf 3,5 Milliarden Euro und bei Easyjet auf 2,2 Milliarden Euro.

Die kostenfreie Tasche reiche nicht aus, um genĂŒgend Kleidung und persönliche GegenstĂ€nde mitzunehmen, kritisiert Beuc. Dem Verband gehört auch der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) an. Beuc-Generaldirektor AgustĂ­n Reyna setzt sich fĂŒr einen zusĂ€tzlichen Rollkoffer ein: "Ich kann nicht verstehen, wie es angemessen sein soll, fĂŒr eine mindestens zwei bis drei Tage lange Reise alles in eine kleine Tasche zu packen."

Was wird im EU-Parlament diskutiert?

Im Verkehrsausschuss hat eine fraktionsĂŒbergreifende Mehrheit dafĂŒr gestimmt, dass Passagiere kĂŒnftig zwei kleine GepĂ€ckstĂŒcke ohne ZusatzgebĂŒhr an Bord nehmen dĂŒrfen. Neben dem kleinen GepĂ€ckstĂŒck wie Handtasche, Rucksack oder Laptop (Maximalmaße 40x30x15 cm) wĂ€re ein kleiner Koffer möglich. Das vorgeschlagene Mindestmaß liegt allerdings unterhalb der bislang bei Lufthansa und Co. ĂŒblichen Kabinenkoffer.

Ohnehin befindet sich das Verfahren noch in der Abstimmung zwischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten. Mit einer Einigung zu den Fluggastrechten wird frĂŒhestens zur Jahreswende gerechnet. Man werde nicht zulassen, dass Passagierrechte verschlechtert werden, sagt der Europa-Abgeordnete Jan-Christoph Oetjen (FDP).

Wie argumentieren die Fluggesellschaften?

Der Airline-Verband A4E lehnt zusĂ€tzliche Regeln zum KabinengepĂ€ck ab. Millionen Passagiere entschieden sich bewusst fĂŒr den gĂŒnstigsten Tarif ohne Kabinenkoffer und dĂŒrften nicht gezwungen werden, fĂŒr etwas zu bezahlen, was sie nicht benötigen. A4E-Vertreterin Ourania Georgoutsakou zieht einen Vergleich: "Was kommt als NĂ€chstes? Popcorn und Drinks als verpflichtender Teil der Kinokarte?"

Eine strengere Regulierung wĂŒrde schlicht weniger Wahlmöglichkeiten fĂŒr die Passagiere bedeuten, heißt es auch vom deutschen Branchenverband BDL. Einheitliche GepĂ€ckmaße wĂŒrden zudem den unterschiedlichen Flugzeugtypen nicht gerecht.

Was spricht noch gegen viel HandgepÀck in der Kabine?

Wenn die Passagiere zu viele Habseligkeiten mit ins Flugzeug bringen, kann der Platz in den GepĂ€ckfĂ€chern schnell knapp werden. Streit und Stress sind vorprogrammiert. Die Maschinen dĂŒrfen erst zum Start rollen, wenn alle sitzen und das GepĂ€ck komplett verstaut ist. Kommt es zu Verzögerungen etwa durch das Umladen aus der Kabine in den Frachtraum, sind die oft knappen Zeitfenster fĂŒr den Start in Gefahr und es dauert fĂŒr alle lĂ€nger.

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