ProSiebenSat.1 dÀmpft Gewinnerwartung - schwacher Werbemarkt
14.11.2024 - 16:23:06(neu: Zitat MFE)
UNTERFĂHRING (dpa-AFX) - Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 DE000PSM7770 hat seine Erwartungen fĂŒr das Gesamtjahr wegen eines RĂŒckgangs der TV-Werbeerlöse zurĂŒckgeschraubt. Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis dĂŒrfte den angepeilten Zielwert von 575 Millionen nicht erreichen, teilt das Unternehmen mit. Finanzvorstand Martin Mildner sagt: "Der fĂŒr unser TV-WerbegeschĂ€ft entscheidende private Konsum hat sich nicht so positiv entwickelt, wie von uns zu Jahresbeginn erwartet." An der Börse konnte die Aktie, die in den vergangenen Monaten krĂ€ftig an Wert verloren hatte, leicht zulegen.
Der Konzernumsatz sank im dritten Quartal um 1 Prozent auf 882 Millionen Euro, das bereinigte Betriebsergebnis (adjusted Ebitda) fiel im Jahresvergleich um 6 Prozent auf 104 Millionen Euro. Wegen der andauernden Wirtschaftsflaute und der KonsumzurĂŒckhaltung der Verbraucher investieren die Unternehmen weniger in TV-Werbung. Dieses margenstarke GeschĂ€ft dĂŒrfte sich auch im laufenden Quartal rĂŒcklĂ€ufig entwickeln, teilte ProSiebenSat.1 mit. Zudem blieb der Umsatz im Segment Dating & Video wegen des "herausfordernden und sehr wettbewerbsintensiven Marktumfelds" auch im dritten Quartal deutlich unter Vorjahr.
Fortgeschrittene GesprĂ€che ĂŒber Flaconi- und Verivox-Verkauf
Weiter gewachsen sind dagegen die digitalen und smarten WerbeumsĂ€tze, vor allem dank der Streamingplattform Joyn. Auch die Online-Shops und Plattformen steigerten ihre UmsĂ€tze deutlich, besonders der Online-ParfĂŒmhĂ€ndler Flaconi. ProSiebenSat1 will Flaconi und die Vergleichsplattform Verivox verkaufen und das Geld in Joyn, ins Programm und in den Abbau seiner Schulden investieren. Das Unternehmen schreitet nach eigenen Angaben "in den GesprĂ€chen mit interessierten Parteien voran".
ProSiebenSat.1 peilt weiter einen im Vergleich zum Vorjahr leicht steigenden Konzernumsatz von rund 3,95 Milliarden Euro an - das wĂ€ren 100 Millionen mehr als im Vorjahr. Aber "aufgrund der sich verstĂ€rkt eintrĂŒbenden Entwicklung des TV-Werbemarkts erwartet ProSiebenSat.1 derzeit ein adjusted Ebitda unter 575 Millionen Euro" und damit ein Ergebnis unter Vorjahr. Die untere Grenze der Zielbandbreite von 525 Millionen Euro bekrĂ€ftigte das im SDax DE0009653386 notierte Unternehmen.
MFE fordert vom Managment schnelleres Vorgehen
Der italienische ProSiebenSat.1-GroĂaktionĂ€r MFE fordert nach Veröffentlichung des Quartalsberichts angesichts des Werbemarkts mehr Tempo beim Umsetzen der PlĂ€ne. MFE-Finanzchef Marco Giordani sagt: "Wir fordern daher den Aufsichtsrat und den Vorstand auf, schneller zu handeln und den Wandel und die EffizienzmaĂnahmen auch durch radikale Entscheidungen zu beschleunigen, ohne weitere Verzögerungen." Der MailĂ€nder Medienkonzern hĂ€lt knapp 30 Prozent der Anteile.
Die im SDax DE0009653386 gelistete Aktie zog am Donnerstagmittag um vier Prozent auf 4,83 Euro an. Allerdings hatte das Papier am Mittwoch wegen der schwachen Zahlen der Konkurrentin RTL Group LU0061462528 fast sieben Prozent an Wert verloren und auf den tiefsten Stand seit 2009 gefallen. Trotz der Erholung nach den am Donnerstag vorgelegten Zahlen gab der Kurs in den vergangenen zwölf Monaten um fast 13 Prozent nach.
Damit entwickelten sich die ProSiebenSat.1-Anteile aber immer noch besser als die RTL-Papiere. Der Börsenwert der Bertelsmann-Tochter sackte seit dem November 2023 um 27 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro ab. Zum Vergleich: ProSiebenSat.1 ist an der Börse nur noch 1,13 Milliarden Euro wert und damit nur noch einen Bruchteil des Rekordwerts von rund elf Milliarden Euro im November 2015. Kurz danach wurden die Aktien in den Dax DE0008469008 aufgenommen - auch diese Zeiten sind lĂ€ngst vorbei. Inzwischen sind die MĂŒnchener nur noch im Kleinwertesegment SDax DE0009653386 gelistet.

