ProSiebenSat.1 bereitet sich auf BuĂgelder vor
08.08.2024 - 17:16:06(neu: Aktienkurs, Analysten)
UNTERFĂHRING (dpa-AFX) - Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 DE000PSM7770 stellt sich wegen der regulatorischen Unklarheiten bei seinem GutscheingeschĂ€ft auf Strafzahlungen in Millionenhöhe ein. Ende Juni sei eine RĂŒckstellung im unteren einstelligen Millionen-Euro-Bereich gebildet worden, teilte das SDax-Unternehmen DE0009653386 am Donnerstag in Unterföhring bei MĂŒnchen mit. Nach Konzernangaben will die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen I BuĂgelder gegen einzelne Gruppengesellschaften verhĂ€ngen.
Eine Sprecherin der Behörde bestĂ€tigte auf Anfrage, dass sie die VerhĂ€ngung sogenannter UnternehmensgeldbuĂen prĂŒfe. Es werde ein "zeitnaher Verfahrensabschluss" angestrebt, hieĂ es.
Die Unklarheiten im Zusammenhang mit dem GutscheingeschĂ€ft der Jochen Schweizer mydays Group hatten den Konzern schwer belastet. Die Finanzaufsicht BaFin prĂŒfte den Fall. Ende Februar 2023 musste kurzfristig die Vorlage von Jahres- und Konzernabschluss verschoben werden, in der Folge musste auch ein neuer Termin fĂŒr die Hauptversammlung gefunden werden. Der GroĂaktionĂ€r MediaForEurope (MFE) NL0015000N09 zeigte sich verstimmt.
FĂŒr die ProSiebenSat.1-Aktie ging es im Verlauf des Donnerstages nach unten. Zuletzt kostete ein Papier sechs Euro und damit rund drei Prozent weniger als am Mittwoch. Damit war die Aktie einer der schwĂ€chsten Titel im Nebenwerte-Index SDax. AktionĂ€re wie MFE und die tschechische PPF Group haben seit Beginn des Jahres aber immer noch knapp acht Prozent mehr in der Tasche. Wer das Papier bereits lĂ€nger hĂ€lt - etwa seit einem Jahr - der muss sich mit einem Wertverlust von knapp 27 Prozent arrangieren.
Seit dem Rekordhoch von etwas mehr als 50 Euro im November 2015 ging es um fast 90 Prozent nach unten. Ende 2015 war das Unternehmen an der Börse fast 12 Milliarden Euro wert und wurde deshalb im FrĂŒhjahr 2016 in den deutschen Leitindex Dax DE0008469008 aufgenommen. Zwei Jahre spĂ€ter stieg das Papier wieder in den MDax DE0008467416 ab. Inzwischen ist ProSiebenSat.1 nur noch 1,4 Milliarden Euro wert und deshalb lediglich im Nebenwerte-Index SDax gelistet.
Wie ProSiebenSat.1 weiter am Donnerstag mitteilte, kletterte der Umsatz im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent auf 907 Millionen Euro. Neben dem Entertainment-GeschĂ€ft punktete auch das E-Commerce-Segment und kompensierte damit den Schwund im Dating-Bereich. Die TV-WerbeumsĂ€tze blieben vor dem Hintergrund der FuĂball-Europameisterschaft auf Vorjahresniveau, aber der Streamingdienst Joyn legte krĂ€ftig zu.
Vorstandschef Bert Habets sagte, ProSiebenSat.1 biete Werbetreibenden TV- und Digitalreichweite jetzt in Kombination. Durch die Vertriebspartnerschaften mit dem Abosender Sky US20030N1019 und Deutsche Telekom DE0005557508 steige die Reichweite. Der Fokus auf das Entertainment-GeschĂ€ft mit höheren Programminvestitionen bei steigender Kosteneffizienz beginne sich auszuzahlen. Trotz höherer Ausgaben fĂŒr das Programm kletterte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um gut 15 Prozent auf 91 Millionen Euro. Bereinigt um Sonderposten blieb ein Gewinn von 25 Millionen Euro nach 4 Millionen Euro im Jahr zuvor.
In den vergangenen zwölf Monaten hat der Konzern 500 Stellen abgebaut. Mit dem geplanten Verkauf der Anteile am Verbraucherportal Verivox und dem Online-KosmetikhÀndler Flaconi will ProSiebenSat.1 seine Verschuldung weiter reduzieren und mehr in das eigene Programm und Digitalisierung investieren.
Analystin Nizla Naizer von DB Research monierte, die Werbeerlöse des Medienkonzerns hĂ€tten sich unerwartet schwach entwickelt. Diesen Eindruck teilt ihre Kollegin Annick Maas vom US-Analysehaus Bernstein Research ĂŒberhaupt nicht: Der Umsatz habe vom Segment Entertainment profitiert, schrieb sie, und betonte, dass sich die Erholung fortsetze. In dem Bereich sind auch die Fernsehwerbeerlöse verankert.

