ROUNDUP, Trump

Trump droht Gegnern seiner Grönland-PlÀne mit Zöllen

16.01.2026 - 18:49:04

US-PrÀsident Donald Trump droht LÀndern, die sich seinem Besitzanspruch auf Grönland entgegenstellen, mit Zöllen.

Er werde möglicherweise Zölle gegen solche LĂ€nder verhĂ€ngen, weil die USA Grönland fĂŒr ihre nationale Sicherheit brĂ€uchten, sagte Trump im Weißen Haus in Washington. Konkreter wurde er zunĂ€chst nicht. Zuvor hatte er darĂŒber gesprochen, wie er europĂ€ischen LĂ€ndern wie Deutschland und Frankreich in anderen ZusammenhĂ€ngen mit Zöllen gedroht hatte, um seine Interessen durchzusetzen.

Mehrere US-Parlamentarier kritisierten indes bei einer Reise nach DĂ€nemark Trumps AnsprĂŒche auf die Arktisinsel. "Grönland sollte als VerbĂŒndeter gesehen werden, nicht als Besitz", sagte die republikanische US-Senatorin Lisa Murkowski bei einer Pressekonferenz im dĂ€nischen ParlamentsgebĂ€ude in Kopenhagen.

Trump sorgt mit seinen Grönland-PlĂ€nen seit Tagen fĂŒr Unruhe in der Nato. Deutschland und weitere europĂ€ische Mitglieder der Verteidigungsallianz wollen nun fĂŒr mehr Sicherheit auf der riesigen Arktisinsel sorgen. Ein Team der Bundeswehr mit 15 Soldatinnen und Soldaten erreichten am Nachmittag (Ortszeit) die Hauptstadt Nuuk.

Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet DĂ€nemarks. Trump hat mehrfach deutlich gemacht, dass die USA sich die grĂ¶ĂŸtenteils von Eis bedeckte Insel einverleiben wollen. Die europĂ€ischen Nato-Partner lehnen dies ab.

KrisengesprÀch ohne greifbares Ergebnis

KrisengesprĂ€che zwischen den USA, DĂ€nemark und Grönland waren ohne greifbare Ergebnisse geendet. Trump argumentiert, Grönland mĂŒsse den USA gehören, damit nicht die Russen und Chinesen zusĂ€tzlich Einfluss in der Region gewinnen.

Am Mittwoch kĂŒndigten Deutschland und andere Nato-Staaten eine Erkundungsmission fĂŒr mögliche MilitĂ€rĂŒbungen auf Grönland an. Die Mission wird von DĂ€nemark angefĂŒhrt. Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Soldaten.

Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Als Optionen nannte er AufklĂ€rungsflĂŒge der Marine, die Entsendung deutscher Fregatten zur Überwachung des Seeraums oder eine Verlegung von Eurofightern.

Die US-Regierung zeigte sich von der Entsendung unbeeindruckt. "Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des PrÀsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben", sagte Trumps Regierungssprecherin Karoline Leavitt am Donnerstag.

Bedrohungen durch Russland und China? "Derzeit nicht"

Die US-Parlamentarier in DĂ€nemark bemĂŒhten sich derweil im GesprĂ€ch mit dĂ€nischen und grönlĂ€ndischen Kollegen um Deeskalation. Man wolle deren Perspektiven mit in die USA nehmen, um "die Temperatur zu senken" in der derzeit aufgeheizten Debatte, sagte der demokratische Senator aus Delaware, Chris Coons. In Anspielung auf einen der GrĂŒnde, den Trump fĂŒr die Notwendigkeit einer Übernahme Grönlands durch die USA nennt, sagte Coons: "Gibt es Bedrohungen fĂŒr die Sicherheit Grönlands durch Russland und China? Nein, derzeit nicht."

Mehrheit der Deutschen sieht Nato in Gefahr

Einer Umfrage zufolge glaubt der Großteil der Deutschen, dass die Politik des US-PrĂ€sidenten den Fortbestand der Nato gefĂ€hrdet. 78 Prozent der Befragten stimmen dieser EinschĂ€tzung zu, 18 Prozent glauben dies nicht. Das geht aus dem aktuellen ZDF-"Politbarometer" hervor. Der Rest der Befragten antwortete mit "weiß nicht".

FĂŒr Beunruhigung sorgen Trumps Äußerungen vor allem, weil er bislang auch militĂ€rischen Zwang nicht ausschließt, um Kontrolle ĂŒber Grönland zu erlangen. Die Insel ist sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.

Das Nato-GrĂŒndungsmitglied Italien will keine Soldaten fĂŒr die Erkundungsmission mit anderen europĂ€ischen Partnerstaaten abstellen. Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach im Zusammenhang damit von einem "Witz". Zugleich stellte die rechte Regierung von MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni eine eigene Arktis-Strategie vor.

Im Fall der FĂ€lle mĂŒssten EU-Staaten DĂ€nemark zu Hilfe kommen

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas stellte klar: Im Fall eines gewaltsamen Konflikts um Grönland könnten Deutschland und die anderen EU-Staaten auf Antrag DĂ€nemarks hin Beistand leisten mĂŒssen.

Grönland sei Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs DĂ€nemark und fiele daher grundsĂ€tzlich unter die gegenseitige SolidaritĂ€tsklausel in Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich sagte sie, dass sich die Frage einer Anwendung derzeit nicht stelle. GrundsĂ€tzlich gilt eine militĂ€rische Konfrontation als sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mĂ€chtigsten MilitĂ€rmacht der Welt anlegen wĂŒrde.

Russischer Botschafter wirft Nato Militarisierung der Arktis vor

Der russische Botschafter in DĂ€nemark wirft der Nato angesichts der US-AnsprĂŒche auf Grönland vor, in der Arktis aufrĂŒsten zu wollen. Nato-Staaten, einschließlich DĂ€nemark, nutzten das Schreckgespenst einer russischen oder chinesischen Bedrohung in großem Stil, um die Arktis zu militarisieren, sagte Wladimir Barbin der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. DĂ€nemark verfolge "durch das Hineinziehen der Nato" in die Arktis einen konfrontativen Ansatz.

Russland mit seiner langen NordkĂŒste am Polarmeer betrachtet die Arktis als seine InteressensphĂ€re. Es nutzt verstĂ€rkt die Seewege in der Region und baut seine militĂ€rische PrĂ€senz aus.

Scherz ĂŒber Island in angespannter diplomatischer Lage

In Island gibt es derweil Ärger nach einer angeblich scherzhaften Äußerung des designierten US-Botschafters Billy Long, die Insel im Nordatlantik könne ein US-Bundesstaat werden. Wie mehrere Medien berichteten, bat das Außenministerium Islands die dortige US-Botschaft um eine Klarstellung.

Zuvor hatte "Politico" berichtet, dass der von Trump als Botschafter nominierte ehemalige republikanische Kongressabgeordnete gewitzelt habe, Island könne der 52. US-Bundesstaat werden - und er dessen Gouverneur. In Island starteten BĂŒrger daraufhin eine Petition, die Außenministerin KatrĂ­n GunnarsdĂłttir dazu auffordert, Long als Botschafter abzulehnen.

@ dpa.de