GESAMT-ROUNDUP, Kirks

GESAMT-ROUNDUP: Kirks Witwe an Trumps Brust

22.09.2025 - 06:35:15

US-PrĂ€sident Donald Trump erzeugt auf der Gedenkfeier fĂŒr den erschossenen rechten Aktivisten Charlie Kirk den einen Moment.

Er ruft Witwe Erika auf die StadionbĂŒhne und nimmt sie in den Arm. Sie lehnt sich an seine Brust. Das Bild hat Symbolkraft: Es ist nicht nur die trauernde Witwe, die Trump umarmt - sondern die gesamte Bewegung im rechtskonservativen Spektrum, die ihr Ehemann mit aufgebaut hatte.

Diese AnhĂ€nger braucht Trump auch in Zukunft. Der Republikaner ließ schon in den vergangenen Tagen keinen Zweifel daran, dass er den Tod Kirks mit seinen politischen Zielen verknĂŒpfen will. Die Trauerfeier ist dafĂŒr ein Katalysator. Die US-Regierung ist breit vertreten, auch Trumps Vize JD Vance hĂ€lt eine Rede.

Mega-Event im Football-Stadion

Zehntausende hat es schon im Morgengrauen in das Sportstadion im Bundesstaat Arizona gezogen. Sie sind traurig, aber auch wĂŒtend. Der gewaltsame, öffentliche Tod eines Menschen, den sie bewunderten, hat sie tief erschĂŒttert. Die Gedenkfeier ist eine Mischung aus Gottesdienst in einer evangelikalen "Megachurch" und politischer Kundgebung.

Kirk starb vor fast zwei Wochen mit 31 Jahren. Er hatte auf einem Uni-Campus in Utah im Freien gesprochen, als ihn ein Schuss traf. Dem 22 Jahre alten TatverdÀchtigen droht nun die Todesstrafe.

Kirk machte sich als Verfechter der Meinungsfreiheit einen Namen. Mit seiner Organisation Turning Point USA, die er 2012 im Alter von 18 Jahren gegrĂŒndet hatte, besuchte er Hochschulen und forderte Studierende - vor allem solche mit anderer politischer Haltung - zur Debatte heraus. Kritiker warfen ihm rassistische, homophobe, transfeindliche und sexistische Ansichten vor. Im Laufe der Jahre stieg Kirk zu einem der bekanntesten Gesichter der amerikanischen Rechten auf.

Im Wahlkampf half er Trump dabei, unter jungen Menschen populĂ€rer zu werden. Er galt als enger Vertrauter von VizeprĂ€sident Vance; Trumps Ă€ltester Sohn Don Jr. erklĂ€rte nach dem Attentat, Kirk sei fĂŒr ihn wie ein Bruder gewesen. Turning Point - das nun von Erika Kirk geleitet wird - organisierte die Gedenkfeier und rief zu Spenden auf. Die Witwe will die Bewegung weiter fĂŒhren.

Trump setzt Kirk fĂŒr politische Agenda ein: Chicago

Trump, der nach einer stundenlangen Zeremonie ans Rednerpult tritt, nutzt die Rede auch fĂŒr seine politische Agenda - etwa seinen Kampf gegen angeblich ausufernde KriminalitĂ€t in GroßstĂ€dten. Der PrĂ€sident flankiert schon lĂ€nger seinen Plan, in Chicago die Nationalgarde einzusetzen, aber schreckt bislang davor zurĂŒck. Es gibt heftigen Widerstand von der demokratischen Leitung der Stadt und des umliegenden Bundesstaates Illinois. Nun sagt Trump, dass eines der letzten Dinge, die Kirk zu ihm gesagt habe, die Bitte gewesen sei: "Retten Sie Chicago".

Kirk als "MĂ€rtyrer"

Erneut geht der Republikaner auf die "radikale Linke" ein, deren Rhetorik er bereits kurz nach dem Attentat fĂŒr ebendieses verantwortlich gemacht hatte. Kirk, sagt Trump jetzt, sei ein "MĂ€rtyrer fĂŒr die amerikanische Freiheit", der von einem "radikalisierten, kaltblĂŒtigen Monster auf abscheuliche Weise ermordet" worden sei.

Es ist auch diese Art der Rhetorik, die Beobachter zu der EinschĂ€tzung bringt, das Attentat werde zu einem Hebel fĂŒr seine Regierung, um Meinungsfreiheit, die Presse und letztlich unliebsame Opposition einzuschrĂ€nken.

In diesem Zusammenhang erklĂ€rt Trump dann auch, in welcher Frage er mit Kirk nicht ĂŒbereingestimmt habe: Wie mit politisch Andersdenkenden umzugehen sei. Kirk habe seine Gegner nicht gehasst, sondern das Beste fĂŒr sie gewollt, sagt der mĂ€chtigste Mann der Welt. Er fĂŒgt unverblĂŒmt hinzu: "Da war ich anderer Meinung als Charlie. Ich hasse meine Gegner und wĂŒnsche ihnen nicht das Beste."

Erika Kirk vergibt dem Mörder, andere nicht

Dann wendet sich Trump an Erika Kirk, die erst Momente zuvor dem mutmaßlichen Mörder ihres Ehemannes unter TrĂ€nen vergeben und zu Liebe statt Hass aufgerufen hat. "Es tut mir leid, Erika", sagt Trump nun. Vielleicht könne sie ihn ja davon ĂŒberzeugen, dass seine Haltung falsch sei. Er könne seine Gegner aber nun mal einfach nicht leiden.

Immer wieder schwingt es mit bei den religiös stark aufgeladenen Ansprachen: Gut gegen Böse. Das Gute sind wir. Und dann gibt es da noch "die Anderen". Wie mit diesen Anderen verfahren werden soll, da haben verschiedene Redner verschiedene Ansichten. So hört man von manchen Rednern mĂ€ĂŸigende Töne, die zur Einheit aufrufen. Aber es gibt auch Kampfansagen.

"Wir werden ĂŒber die MĂ€chte des Unrechts und des Bösen siegen", sagt etwa Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller. Er erklĂ€rt, die TrĂ€nen ĂŒber Kirks Tod hĂ€tten sich in ein "Feuer" verwandelt, das die "Feinde" nicht verstehen könnten. Er spricht von einer "Armee", die entstanden sei.

Die Rednerliste reicht vom US-PrĂ€sidenten bis zu Aktivisten aus dem ultrarechten Spektrum, die dafĂŒr bekannt sind, in rechtsextremen Kreisen gĂ€ngige VerschwörungserzĂ€hlungen zu verbreiten.

Am Ende kann sich jeder Besucher aussuchen, was er von der Trauerfeier mitnimmt. Ein Fox-News-Reporter fragt einen Besucher, was er davon hÀlt, dass Erika Kirk dem TÀter vergeben habe. "Wie Trump meinte: Ich hÀtte das wahrscheinlich nicht geschafft", antwortet der Mann. "Aber hey, sie ist eine echte Christin - leider mehr als ich."

@ dpa.de