Russisches Ăl fĂŒr Ungarn? - Trump kommt Orban entgegen
09.11.2025 - 13:47:30 | dpa.deDas habe Trump dem ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban bei dessen Besuch in Washington zugesagt, berichteten mehrere Medien wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf Vertreter des WeiĂen Hauses. Ăffentlich Ă€uĂerte sich die Regierungszentrale nicht dazu, Orban selbst sprach aber ebenfalls von einer Sonderregelung fĂŒr sein Land.
Die US-Regierung hatte im Oktober neue Sanktionen gegen russische Energiekonzerne verhĂ€ngt, die auch sekundĂ€re StrafmaĂnahmen gegen KĂ€ufer zur Folge haben könnten. Ungarn wiederum ist stark abhĂ€ngig von russischen Energielieferungen und hat Sanktionen der EU gegen Moskau wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine immer wieder behindert.
Orban verweist auf fehlende Alternativen
Orban hatte direkt nach dem Treffen mit Trump im WeiĂen Haus berichtet, der Republikaner habe seinem Land eine Sonderregelung gewĂ€hrt, weil es keine kurzfristigen Alternativen gebe. "In Hinsicht auf die (Erdgas)-Pipeline Turkish Stream und die (Erdöl)-Pipeline Druschba bekommt Ungarn eine vollumfĂ€ngliche Befreiung von Sanktionen", wurde Orban von der staatlichen Nachrichtenagentur MTI zitiert.
Ungarns AbhĂ€ngigkeit von russischem Ăl und Gas hĂ€ngt auch damit zusammen, dass Orbans Regierung - anders als andere EU-LĂ€nder wie Deutschland und Bulgarien - nie ernsthafte BemĂŒhungen unternommen hat, um das Land aus dem Klammergriff Moskaus zu lösen. In der EU erwirkte der Ungar eine Ausnahmeregelung, die russische Ălimporte ĂŒber Pipelines zulĂ€sst. Ăber eine solche Röhre ist Ungarn seit kommunistischen Zeiten mit Russland verbunden.
Im öffentlichen Teil des Treffens hatte sich Trump offen fĂŒr eine mögliche Ausnahmeregelung gezeigt und gesagt, man "prĂŒfe" Ungarns Anliegen, weil das Nachbarland der Ukraine als Binnenstaat keinen Zugang zu SeehĂ€fen habe. Das gilt allerdings auch fĂŒr manch andere EU-Staaten.
EU-Plan sieht Verzicht auf russische Importe vor
Republikanische und demokratische US-Senatoren hatten Ungarn noch am Donnerstag in einer gemeinsamen Resolution aufgefordert, seine AbhÀngigkeit von russischer Energie zu reduzieren und sich an den EU-Plan zu halten, bis Ende 2027 ganz auf russische Importe zu verzichten.
Ungarn bezieht den GroĂteil seines Ăls ĂŒber die "Druschba"-Pipeline, die durch die Ukraine verlĂ€uft. Zwar existiert eine zweite Leitung ĂŒber Kroatien, doch Orban argumentiert, diese sei derzeit nur als ErgĂ€nzung nutzbar. Er bezeichnete die Versorgungssicherheit als "ĂŒberlebenswichtig" und warnte vor Folgen fĂŒr Wirtschaft und Haushalte, sollte russisches Ăl kurzfristig wegfallen.
Trump sieht vor allem andere EU-Staaten in der Pflicht
WĂ€hrend Trump andere nicht genau benannte europĂ€ische Staaten dafĂŒr kritisierte, weiterhin in groĂem Umfang russische Energie zu kaufen, stellte er Ungarn als Sonderfall dar. Der Binnenstaat habe schwierige Bedingungen ohne Zugang zu HĂ€fen, ĂŒber die Schiffe Ăl aus anderen Regionen liefern könnten, und sei deshalb "in einer anderen Position".
Selenskyj will Ende des Ălhandels erreichen
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj verlangt einen Komplettstopp jeglicher Energieimporte in die EU - und zeigte sich auf Telegram zuversichtlich, dieses Ziel auch zu erreichen. Die Ukraine werde nicht zulassen, dass die Russen Ăl an EU-Staaten verkaufen könnten. Das VerhĂ€ltnis zwischen Kiew und Budapest ist wegen des Energiehandels der Ungarn mit Moskau gespannt. Schon mehrfach hat die Ukraine die "Druschba"-Pipeline auf russischem Gebiet angegriffen.
EU-Partner kritisieren Ungarn
Orban war zu dem Treffen im WeiĂen Haus mit einer groĂen Delegation aus Ministern, Unternehmern und politischen VerbĂŒndeten angereist. Viele EU-Partner werfen seiner Regierung vor, die gemeinsame Front gegen Moskau zu schwĂ€chen und sich kaum um Ăl-Alternativen bemĂŒht zu haben. FĂŒr den rechtskonservativen MinisterprĂ€sidenten ihn ist die UnterstĂŒtzung Trumps auch deshalb wichtig. Zudem erhofft er sich RĂŒckenwind fĂŒr die ungarischen Parlamentswahlen, die in wenigen Monaten anstehen.
Trump bringt erneut Budapest fĂŒr Treffen mit Putin ins Spiel
Trump Ă€uĂerte sich bei dem Treffen auch zum nĂ€chsten persönlichen GesprĂ€ch mit Kremlchef Wladimir Putin ĂŒber ein Ende des Ukraine-Kriegs, das weiter auf sich warten lĂ€sst. Der US-PrĂ€sident hĂ€lt an der ungarischen Hauptstadt als möglichem Begegnungsort fest. "Wenn es (das Treffen) stattfindet, wĂŒrde ich es gerne in Budapest abhalten", entgegnete Trump auf eine Frage von Journalisten. Er nannte keinen speziellen Grund, warum die Wahl gerade auf diese Stadt fiel.
Ob es zu einem Treffen kommen wird, ist völlig unklar. Trump hatte Mitte Oktober von einer Zusammenkunft in Budapest binnen zwei Wochen gesprochen. Allerdings kamen die Amerikaner bei nachfolgenden GesprĂ€chen mit Vertretern Moskaus wohl zu dem Schluss, dass die Russen nicht von ihren Maximalforderungen gegen die Ukraine abzurĂŒcken gedenken. Trump verschob das Treffen schlieĂlich auf unbestimmte Zeit. Vor mehreren Tagen rĂŒckte dann auch Russland öffentlich von einem raschen Treffen mit dem US-PrĂ€sidenten ab.
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