ROUNDUP, MilitÀreinsatz

MilitÀreinsatz wie im Krieg? Trump provoziert Chicago

07.09.2025 - 10:05:03

US-PrĂ€sident Donald Trump hat mit einer Anspielung auf einen möglichen MilitĂ€reinsatz in Chicago den BĂŒrgermeister und den Gouverneur des umliegenden Bundesstaats Illinois gegen sich aufgebracht.

Er verbreitete eine mit KĂŒnstlicher Intelligenz erstellte Grafik, die die Skyline der demokratisch regierten Millionenstadt zeigt und in Gestaltung und Wortwahl an den Kriegsfilm "Apocalypse Now" erinnert. Dort steht zu lesen: Chicago sei davor herauszufinden, warum das US-Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenannt wurde.

Trumps martialischer Post auf der Plattform Truth Social war mit den Worten "Ich liebe den Geruch von Abschiebungen am Morgen" versehen - eine Anspielung auf das bekannte Film-Zitat "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen." Wie so oft bei Trump blieb zunÀchst unklar, ob der Inhalt der Grafik wirklich als ernsthafte Drohung oder eher als PR-Aktion zu verstehen ist.

Der PrĂ€sident hatte zuvor angekĂŒndigt, gegen angeblich ausufernde KriminalitĂ€t in Chicago massiv einzuschreiten. In der Hauptstadt Washington, von ihm als "Rattenloch" bezeichnet, hatte er vor Wochen mit der gleichen BegrĂŒndung die Nationalgarde aktiviert und die örtliche Polizei unter Bundeskontrolle gestellt. Trump sagte nicht, was genau er in Chicago plant, wie weit diese PlĂ€ne gediehen sind, ob er erneut die Nationalgarde mobilisieren will oder wann ein solcher Einsatz beginnen könnte.

Gouverneur nennt Trump "Möchtegern-Diktator"

Politiker in Illinois nahmen Trumps Anspielung ernst. Illinois' demokratischer Gouverneur JB Pritzker schrieb auf X: "Der PrÀsident der Vereinigten Staaten droht damit, einer amerikanischen Stadt den Krieg zu erklÀren.

Das ist kein Witz. Das ist nicht normal." Und weiter:

"Donald Trump ist kein starker Mann, er ist verĂ€ngstigt. Illinois lĂ€sst sich von einem Möchtegern-Diktator nicht einschĂŒchtern."

BĂŒrgermeister: MĂŒssen uns vor Autoritarismus schĂŒtzen

Chicagos BĂŒrgermeister Brandon Johnson, ebenfalls ein Demokrat, nannte die Drohungen des Republikaners unwĂŒrdig fĂŒr einen PrĂ€sidenten. "Die RealitĂ€t ist, dass er unsere Stadt besetzen und unsere Verfassung brechen will", schrieb Johnson auf X. "Wir mĂŒssen unsere Demokratie vor diesem Autoritarismus verteidigen, indem wir uns gegenseitig schĂŒtzen und Chicago vor Donald Trump schĂŒtzen."

Razzien gegen Migranten - Proteste gegen Trump

In der WestkĂŒstenmetropole Los Angeles begrĂŒndete Trumps Regierung ihr Eingreifen und die Mobilisierung der Nationalgarde im Juni unter anderem mit angeblichem Chaos und Widerstand gegen Beamte der Einwanderungsbehörde ICE. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem kĂŒndigte unlĂ€ngst weitere EinsĂ€tze der Behörde an, die fĂŒr Razzien mit teils vermummten Beamten bekannt ist. In Chicago, Illinois und anderen Bundesstaaten habe es schon ICE-EinsĂ€tze gegeben - nun plane man zusĂ€tzliche Ressourcen dafĂŒr ein. Die Razzien fĂŒhren immer wieder zu Protesten gegen Trumps aggressive Migrationspolitik.

Chicago wĂ€re nach Los Angeles und Washington die dritte demokratisch regierte Stadt, in der der PrĂ€sident eingreift. In Washington wurde am Wochenende erneut gegen die MilitĂ€reinsĂ€tze Trumps demonstriert. Derweil brachte der PrĂ€sident weitere GroßstĂ€dte wie Baltimore als SchauplĂ€tze einer Machtdemonstration seiner Regierung ins Spiel. Auch ĂŒber MilitĂ€reinsĂ€tze in New York und New Orleans dachte er schon öffentlich nach.

@ dpa.de