Verdi, Massenstreiks

Verdi und dbb legen mit Massenstreiks Deutschland lahm

12.02.2026 - 04:53:12

Koordinierten Warnstreiks im öffentlichen Dienst und bei Lufthansa legen Verkehr und Behörden lahm. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn vor entscheidenden Verhandlungen.

Deutschland erlebt eine massive Streikwelle. Während Verhandlungen für den öffentlichen Dienst starten, legen koordinierte Warnstreiks den Verkehr und Behörden lahm. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn.

Die Lage ist angespannt: Parallel zu den Flugausfällen bei Lufthansa durch einen Streik des Kabinenpersonals legen zehntausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Bundesländern die Arbeit nieder. Der massive Druck soll die dritte und möglicherweise letzte Verhandlungsrunde der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) mit den Gewerkschaften in Potsdam beeinflussen. Das Ergebnis betrifft fast eine Million Angestellte und könnte einen langen Arbeitskampf einläuten.

Öffentliches Leben kommt zum Erliegen

Die Warnstreiks von Verdi und dem Deutschen Beamtenbund (dbb) haben seit Dienstag das öffentliche Leben in mehreren Bundesländern massiv getroffen. In Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen blieben Verwaltungen, Kitas, Universitätskliniken und sogar Teile der Feuerwehr geschlossen oder stark unterbesetzt. In NRW streikten auch Mitarbeiter der Straßen- und Tunnelmeistereien.

Die Gewerkschaften setzen auf geballte Kraft: Großdemonstrationen wie in Düsseldorf begleiten die Arbeitsniederlegungen. Die Streiks erfassten auch Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg. Es ist eine bundesweite Machtdemonstration kurz vor den entscheidenden Gesprächen.

Sieben Prozent mehr Lohn – oder nichts?

Im Kern geht es um Geld und Zeit. Verdi, GEW, GdP und IG BAU fordern sieben Prozent mehr Gehalt für rund 925.000 Beschäftigte, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Auszubildende sollen 200 Euro mehr erhalten. Der neue Tarifvertrag soll nur zwölf Monate laufen.

Die Arbeitgeber der TdL halten dagegen. Ihr Angebot: Ein Lohnplus von gut fünf Prozent – gestreckt über 29 Monate mit mehreren Nullmonaten am Anfang. Für die Gewerkschaften ist das inakzeptabel. Sie verweisen auf die hohen Lebenshaltungs- und Energiekosten. Ein substanzielles Plus sei nötig, um Realeinkommen zu sichern und den öffentlichen Dienst attraktiv zu halten.

Arbeitgeber fordern neues Streikrecht

Die Eskalation ruft die Arbeitgeberverbände auf den Plan. Sie fordern gesetzliche Regeln für Streiks. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter verlangt „Fairness-Regeln“. Warnstreiks sollten kurz und außergewöhnlich bleiben. Das Vorgehen der Gewerkschaften, noch vor Verhandlungsbeginn zu streiken, untergrabe das Vertrauen in den Tarifprozess.

Diese Forderung nach gesetzlicher Intervention markiert eine neue Schärfe im Arbeitskampf. Die Arbeitgeber sehen die Belastung kritischer Infrastruktur – von Kliniken bis zum Nahverkehr – als unverhältnismäßig an. Die Gewerkschaften werden das Grundrecht auf Streik jedoch vehement verteidigen. Ein politischer Grundsatzstreit zeichnet sich ab.

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Hintergrund: Warum die Gewerkschaften jetzt zuschlagen

Die aktuelle Streikwelle ist kein Zufall. Sie spiegelt ein robustes Selbstbewusstsein der Gewerkschaften in Zeiten angespannter Arbeitsmärkte und hoher Inflation wider. Der parallele Ausstand bei Lufthansa CityLine zeigt: Der Unmut ist branchenübergreifend.

Der Warnstreik ist im deutschen Tarifsystem ein bewährtes Mittel. Er demonstriert Entschlossenheit, ohne sofort in den unbefristeten Streik zu treten. Das aktuelle Ausmaß deutet darauf hin, dass Verdi und dbb sich in einer starken Verhandlungsposition wähnen – und auf breite Unterstützung in der Belegschaft setzen.

Was kommt jetzt auf Deutschland zu?

Alles hängt nun von Potsdam ab. Die Verhandlungen am 12. Februar sind die letzte geplante Runde. Scheitern sie, könnten die Gewerkschaften Urabstimmungen über unbefristete Streiks einleiten. Die Folgen wären für die Bevölkerung noch spürbarer.

Der Ausgang betrifft weit mehr als die direkt Beschäftigten. Die Ergebnisse werden voraussichtlich auch für etwa 1,3 Millionen Landesbeamte und Versorgungsempfänger übernommen. Die finanziellen Folgen für die klammen Landeshaushalte wären enorm. Und auch bei Lufthansa deutet nichts auf eine schnelle Einigung hin – weitere Reisewochen mit Chaos drohen.

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