Frankfurt-News, KorrekturtrÀume

Börse Frankfurt-News: KorrekturtrÀume begraben (Marktstimmung)

11.01.2024 - 10:51:09

Viele professionelle BĂ€ren haben aufgegeben und sitzen jetzt auf der Long-Seite.

Anders bei den Privaten, die eher raus sind. Das nimmt unterm Strich Kraft aus dem Markt.

10. Januar 2024. Bislang ist er ausgeblieben, der große RĂŒcksetzer, auf den so viele Börsianer zu Jahresbeginn gesetzt hatten. Immerhin ergab sich zwischenzeitlich seit unserer vergangenen Stimmungserhebung eine kleine AbwĂ€rtskorrektur von knapp 1,8 Prozent, die der DAX allerdings zum heutigen Erhebungszeitpunkt fast wieder wettgemacht hat. Am Ende bleibt stichtagsbezogen ein Minus von 0,3 Prozent ĂŒbrig.

Nun mag es vielerorts gerade angesichts der eindrucksvollen DAX-Performance der letzten beiden Monate des vergangenen Jahres durchaus gute Argumente gegeben haben, auf eine ordentliche technische Korrektur im Januar zu setzen. Nicht nur weil möglicherweise historische Statistiken fĂŒr eine derartige Entwicklung sprechen, sondern weil unter anderem viele davon ausgehen, dass es die US-Notenbank mit Zinssenkungen lĂ€ngst nicht so eilig hat, wie es die dortigen AnleihemĂ€rkte zuletzt eingepreist haben. Auch die Meinungen zwischen Notenbankvertretern und dem Markt hinsichtlich der erwarteten Anzahl von Zinssenkungen gehen deutlich auseinander. Kurzum: Überhitzte Anleihe- und AktienmĂ€rkte mĂŒssten sich doch, so die landlĂ€ufige Meinung, deutlich abkĂŒhlen. Oder? Wenn man genauer hingehört hat, konnte man mit jedem Tag, an dem sich die erhoffte Aktienmarktkorrektur nicht einstellen wollte, auch neue Argumente fĂŒr abermals sinkende Anleiherenditen in den USA und damit einhergehend rekordverdĂ€chtig steigende Aktienkurse vernehmen.

Immerhin mit Gewinnen im RĂŒcken

Nun hat sich auch die Stimmung unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenĂŒber der ersten doch extrem negativ ausgefallenen Umfrage des neuen Jahres wieder deutlich verbessert. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index steigt um 24 Punkte auf einen neuen Stand von -11. Wie von uns vermutet, hatten die Investoren mehrheitlich wohl nicht auf eine Trendwende des DAX gesetzt, sondern waren lediglich auf einen schnellen Gewinn aus RĂŒcksetzern in den ersten Januartagen aus. DafĂŒr spricht, dass sich 12 Prozent aller Befragten direkt von der BĂ€ren- auf die Bullenseite begeben haben, mithin ihre Engagements um 180

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mit einem vermutlich ordentlichen Gewinn gedreht haben.

Bei den Privatanlegern ging es stimmungstechnisch in die entgegengesetzte Richtung. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Panel fĂ€llt gegenĂŒber der Vorwoche um 11 Punkte auf einen neuen Stand von -7. Dabei hat sich das Bullenlager um 10 Prozentpunkte reduziert, wobei fast alle ehemaligen Optimisten sich zu den neutral gestimmten Akteuren an die Seitenlinie begaben. Dies ist insofern bemerkenswert, weil es seit unserer vergangenen Erhebung kaum Gelegenheit gab, sich zu einem wesentlich höheren Niveau als dem Indexstand zu jenem Zeitpunkt von seinen AktienbestĂ€nden zu trennen.

Risikoavese Privatanleger

Mit der heutigen Erhebung ist die starke Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Marktteilnehmern wieder deutlich geschrumpft. Vor allem bei Letzteren ist vom starken Pessimismus der Vorwoche nicht mehr allzu viel ĂŒbrig geblieben. Auch ist fraglich, ob die verbliebenen Short-Positionen der heimischen Investoren groß genug sind, um im Falle einer erneuten DAX-SchwĂ€che auf niedrigerem Niveau fĂŒr genĂŒgend stĂŒtzende Nachfrage zu sorgen. Geschweige denn, eine deutliche Squeeze im Falle weiter steigender Kurse an der Oberseite auszulösen.

Auch wenn der DAX unter dem Strich mit der heutigen Erhebung etwas angeschlagen aussieht, dĂŒrften es in den nĂ€chsten Tagen wohl weniger die heimischen Positionierungen sein, die fĂŒr VolatilitĂ€t sorgen. Vielmehr ist das Börsenbarometer auf langfristige KapitalzuflĂŒsse (vornehmlich aus dem Ausland) angewiesen, um noch einmal nach oben Fahrt aufzunehmen.

Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen

DAX (VerÀnderung zu vergangener Erhebung): 16.700 (-50 zur Vorwoche)Börse Frankfurt Sentiment-Index institutionell Anlegende: -11 Punkte (+24 zur Vorwoche)

Sentiment-Index privater Anleger*innen

DAX (VerÀnderung zu vergangener Erhebung): 16.700 (-50 zur Vorwoche)Börse Frankfurt Sentiment-Index privat Anlegende: -7 Punkte (-11 Punkte zur Vorwoche)

10. Januar 2024, © Goldberg & Goldberg fĂŒr boerse-frankfurt.de

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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