VW hĂ€lt an WerksschlieĂungen fest - Sparansage auch bei Bosch
24.11.2024 - 14:07:08"Wir mĂŒssen unsere KapazitĂ€ten verringern und an die neuen RealitĂ€ten anpassen", sagte VW DE0007664039-Markenchef Thomas SchĂ€fer der "Welt am Sonntag". Dazu gehörten neben den Fahrzeugwerken auch die Komponentenstandorte. Auf die Frage, ob VW auf eine WerkschlieĂung verzichten könne, sagte SchĂ€fer: "Wir sehen das aktuell nicht."
Auch KĂŒndigungen wollte SchĂ€fer weiter nicht ausschlieĂen. Der Stellenabbau "ĂŒber die demografische Kurve und mit den bisherigen Instrumenten wie Altersteilzeit und Aufhebungsangeboten wird nicht reichen", sagte er. Das wĂŒrde zu lange dauern. Bei der Neuaufstellung der Marke denke er an einen Zeitraum von drei oder vier Jahren. "Es bringt nichts, eine Restrukturierung bis 2035 zu ziehen. Dann hĂ€tte uns der Wettbewerb lĂ€ngst abgehĂ€ngt."
Ziel sei es, die Marke Volkswagen wieder an die Spitze im Volumensegment zu fĂŒhren. Dazu mĂŒsse das Unternehmen wirtschaftlich auf stabile FĂŒĂe gestellt werden. "Konkret: Unsere KapazitĂ€ten in Europa sind zu hoch. Sie wurden geplant fĂŒr einen Markt von rund 16 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, jetzt ist der Automarkt in Europa auf 14 Millionen geschrumpft", sagte der Manager. Gleichzeitig habe VW in Deutschland mit strukturellen Nachteilen zu kĂ€mpfen. Dazu gehörten auch die Arbeitskosten. Diese seien im Vergleich zum Wettbewerb und zu den eigenen Standorten in SĂŒd- und Osteuropa etwa doppelt so hoch.
Der Forderung der IG Metall nach GehaltskĂŒrzungen auch im Management stimmte SchĂ€fer zu. "Wenn es eine Vereinbarung in den Tarifverhandlungen gibt, dann gehört es fĂŒr mich dazu, dass Vorstand und Management einen Beitrag leisten", sagte er. Bereits seit Januar sei das Fixgehalt des Vorstands um fĂŒnf Prozent reduziert, das Management verzichte auĂerdem auf einen Inflationsausgleich von 1.000 Euro und 3,5 Prozent Gehaltserhöhung.
Bei VW kommt es Anfang Dezember zu Warnstreiks. Das hat die Tarifkommission der IG Metall einstimmig beschlossen, wie die Gewerkschaft am Freitag mitteilte. Nach der bislang ergebnislosen Tarifrunde wolle man den Druck erhöhen. StandortschlieĂungen und Massenentlassungen seien weiter nicht vom Tisch. Einzelheiten zu Terminen und betroffenen Standorten nannte die Gewerkschaft zunĂ€chst nicht. IG-Metall-VerhandlungsfĂŒhrer Thorsten Gröger hatte zuvor betont: "Wenn nötig, dann wird es ein Arbeitskampf werden, den die Bundesrepublik so seit Jahrzehnten nicht erlebt hat."
Auch beim Zulieferer Bosch rumort es. Neben dem Abbau Tausender Stellen setzt der Technologiekonzern zur Senkung der Kosten auch auf eine kĂŒrzere Wochenarbeitszeit fĂŒr einen Teil der BeschĂ€ftigten in Deutschland. Insgesamt sind rund 10.000 Mitarbeitende betroffen, unter anderem an den Standorten Abstatt, Holzkirchen, Stuttgart-Feuerbach, Schwieberdingen, Hildesheim, Leonberg, Renningen, SchwĂ€bisch GmĂŒnd und Gerlingen-Schillerhöhe, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Die meisten Betroffenen haben bisher VertrĂ€ge, die eine wöchentliche Arbeitszeit von 38 bis 40 Stunden vorsehen. Mit der VerkĂŒrzung der Arbeitszeit verringert sich auch das Gehalt entsprechend.
Kritik an dem Vorgehen kam vom Betriebsratschef der Zuliefersparte, Frank Sell, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratschef des Stiftungsunternehmens ist. Durch den Eingriff in das Entgelt der BeschĂ€ftigten sei ein neuer Tiefpunkt in der Zusammenarbeit mit der GeschĂ€ftsfĂŒhrung erreicht. Damit werde der soziale Frieden im Unternehmen aufs Spiel gesetzt. "Wir werden unseren Widerstand zu diesen PlĂ€nen nun auf allen Ebenen organisieren", teilte Sell mit.

