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VW setzt bei Elektro-Hochlauf auf 'Europe Speed'

29.05.2024 - 16:48:10 | dpa.de

Volkswagen DE0007664039 will trotz der aktuellen Flaute bei E-Autos das Tempo bei der E-MobilitÀt hoch halten.

"Wir sehen in der Elektro-MobilitĂ€t die Zukunft der Automobilindustrie", sagte Konzernchef Oliver Blume am Mittwoch bei der Online-Hauptversammlung in Wolfsburg. Bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge wolle man das Tempo sogar noch erhöhen. Innerhalb von drei Jahren will der Konzern ein neues Einsteiger-Elektromodell fĂŒr rund 20 000 Euro auf die Straße bringen. Damit werde man zeigen: "Volkswagen ist in der Lage, schnell zu entwickeln. Effizient und effektiv - mit Europe Speed." Bisher dauerte die Entwicklung neuer Modelle bei VW meist fĂŒnf Jahre.

Blumes Redewendung vom "Europe Speed" spielt an auf die in den vergangenen Monaten oft benutzte Wendung "China Speed". Diese wird vor allem im Zusammenhang mit den schnellen Entwicklungszyklen heimischer Autofirmen in China verwendet. EuropĂ€ische Autobauer haben oft Probleme, dem Tempo mit eigener Technik zu folgen und geraten besonders im schnell wachsenden Elektroautobereich in der Volksrepublik ins Hintertreffen. China ist der grĂ¶ĂŸte und wichtigste Automarkt weltweit, auch fĂŒr die deutschen Hersteller.

Das neue Tempo ist Teil von Blumes Plan, den Konzern fit fĂŒr die Zukunft zu machen und auf die Zeit nach dem Verbrennermotor vorzubereiten, mit denen die Wolfsburger bisher noch das meiste Geld verdienen. Von der Politik forderte Blume mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr den Elektro-Kurs. "Wichtig ist, dass der Hochlauf der E-MobilitĂ€t von allen Seiten unterstĂŒtzt wird. Auch seitens der Politik bedarf es einer klaren Haltung." Die Hersteller brĂ€uchten jetzt vor allem Planungssicherheit. In der EU wurden zuletzt Stimmen laut, die ein AbrĂŒcken von dem Ziel fordern, 2035 komplett auf E-Autos umzustellen.

Produktion in Deutschland zu teuer

"Der 20 000-Euro-VW wird bei attraktivem Preis MaßstĂ€be in Sachen Design, QualitĂ€t, Ausstattung und Technologie setzen", sagte Oliver Blume mit Blick auf das neue Modell mit dem Arbeitstitel ID.1, fĂŒr das der Vorstand am Vortag grĂŒnes Licht gegeben hatte. Und bauen werde VW es in Europa. Wo genau in Europa das Auto gebaut werden soll, ließ VW noch offen. Deutschland komme aber nicht Betracht, fĂŒgte Blume hinzu. Bereits den 2026 geplanten ID.2all fĂŒr 25 000 Euro hatte VW aus KostengrĂŒnden an die Konzerntochter Seat nach Spanien vergeben.

Protest im Saal wie vor einem Jahr in Berlin musste Blume dieses Mal nicht befĂŒrchten. Der Konzern hatte seine AktionĂ€re vorsorglich nur digital zur Online-Hauptversammlung eingeladen. Protest von Klimaaktivisten gab es in Wolfsburg dennoch - aber nur im kleinen Umfang: Einige Aktivisten besetzten ein Dach am Tor, hĂ€ngten Transparente auf und luden zu einer Kundgebung mit einigen wenigen Teilnehmern vor dem Werk. Im vergangenen Jahr hatten Klima- und Menschenrechtsaktivisten die PrĂ€senz-Versammlung im Berlin CityCube noch empfindlich gestört, VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche (80) wurde auf dem Podium nur knapp von einem Tortenwurf verfehlt.

AktionĂ€rsvertreter kritisieren die Entscheidung, jetzt wieder rein virtuell zu tagen. "In Berlin mussten Sie sich vor der auf Sie zufliegenden Torte wegducken, und heute - im virtuellen Raum - ducken Sie sich vor Ihren AktionĂ€ren weg", sagte Ingo Speich von der DekaBank. "Das ist sehr bedauerlich und schadet nicht nur der Unternehmens-, sondern insbesondere der AktionĂ€rskultur in Deutschland." Das wĂ€hrend der Corona-Pandemie eingefĂŒhrte Format dĂŒrfe nicht zum Regelfall werden, forderte auch Marc Liebscher von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Blume will Doppelrolle behalten

Grund zur Sorge ist fĂŒr AktionĂ€rsvertreter weiter auch die Doppelfunktion von Blume, der seit fast zwei Jahren sowohl bei Porsche als auch bei VW an der Spitze steht. "Auch fĂŒr einen Top-Manager hat der Tag nur 24 Stunden", sagte Janne Werning von Union Investment. "Ihr VorgĂ€nger war mit einem Konzern schon mehr als ausgelastet und konnte die enormen Herausforderungen nicht meistern", fĂŒgte Ingo Speich von der DekaBank mit Blick auf den frĂŒheren VW-Chef Herbert Diess hinzu. Blume wies die Kritik zurĂŒck: Er sei sich der Doppelbelastung bewusst, sei aber ĂŒberzeugt, dass sich die Funktionen ergĂ€nzten und beide Unternehmen davon profitieren. Er habe daher keine PlĂ€ne, dran etwas zu Ă€ndern.

Kritik gab es an der erneuten Kandidatur des Porsche-Enkels Hans-Michel PiĂ«ch fĂŒr den VW-Aufsichtsrat, der mit 82 Jahren die eigentlich geltende Regelaltersgrenze von 75 Jahren lĂ€ngst ĂŒberschritten hat. Seine Wiederwahl gilt dennoch als sicher. Die MehrheitsverhĂ€ltnisse bei Volkswagen sind klar verteilt: Die Stimmrechte liegen zu rund 90 Prozent bei den HauptaktionĂ€ren Porsche SE, Land Niedersachsen und dem Staatsfonds aus Katar. Die VorzugsaktionĂ€re - und damit der ĂŒberwiegende Teil der Kleinanleger - haben auf der Hauptversammlung zwar Frage- und Rederecht, aber keine Stimme.

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