Frankfurt-News, Ungebrochener

Börse Frankfurt-News: Ungebrochener Durchhaltewille (Marktstimmung)

05.09.2024 - 09:52:57

Vom kurzen Rekordflug sind deutsche Bluechips wieder etwas entfernt - hiesige Anlegerinnen und Anleger reagieren mit Positionierungen, vor allem auf der Short-Seite.

Goldberg wertet dies positiv im berĂŒchtigten Börsenmonat September.

5. September 2024. Drei neue Allzeithochs seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung - man könnte meinen, der DAX habe sich in einem steilen AufwĂ€rtstrends befunden. Allerdings liegen die neuen RekordstĂ€nde nur marginal voneinander entfernt, und gegenĂŒber dem Maximum vom Monat Mai betrug die Differenz am Ende nicht einmal 100 Punkte. Ganz davon zu schweigen, dass das nĂ€chste "runde" Niveau von 19.000 Punkten auf Schlusskursbasis nicht ĂŒberwunden werden konnte. Mit anderen Worten: Zu einer Kaufpanik am Allzeithoch ist es nicht gekommen.

Nun kann man natĂŒrlich der Ansicht sein, das trĂ€ge Handelsgeschehen sei dem US-Feiertag vom vergangenen Montag geschuldet. Zumindest ergab sich mit der vollstĂ€ndigen PrĂ€senz der US-MĂ€rkte nach dem verlĂ€ngerten Wochenende so etwas wie ein DĂ©jĂ -vu, das an den Beginn des Monats August erinnerte, als das Börsenbarometer hierzulande innerhalb von drei Handelstagen zeitweise 8 Prozent an Wert verlor. Denn auch zu Beginn des neuen Monats gab der DAX, vermutlich nicht ohne Einfluss der US-Aktienindizes, bis zum heutigen Erhebungszeitpunkt, also innerhalb von rund 24 Stunden, zeitweise um 2,4 Prozent nach.

Mit ruhiger Hand

Unterdessen scheinen die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont zumindest unter dem Strich im Wesentlichen ihre Grundposition der Vorwoche beibehalten zu haben. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegte sich lediglich um einen Punkt auf einen neuen Stand von -11. Allerdings ist die Polarisierung zwischen Bullen und BĂ€ren gewachsen. Dabei hat sich die Gruppe der neutral gestimmten Investoren um 7 Prozentpunkte reduziert - etwas mehr als die HĂ€lfte von ihnen ist zu den Bullen gewechselt. Damit ist deren Gruppe um 4 und diejenigen der BĂ€ren um 3 Prozentpunkte gestiegen. WĂ€hrend letztere weiterhin auf einen deutliche Korrektur des DAX setzen (mĂŒssen) und sich bereits seit einigen Wochen mit ihren Positionen unter Wasser befinden, haben die neuen Bullen vermutlich auf eine Fortsetzung des AufwĂ€rtstrends aus dem Vormonat gesetzt.

Bei den Privatanlegern hat sich die Stimmung im Gegensatz zu den institutionellen Pendants gegenĂŒber der Vorwoche leicht verschlechtert - unser Börse Frankfurt Sentiment Index fĂ€llt zum zweiten Mal hintereinander, aktuell um 5 Punkte auf einen neuen Stand von +4. Am Ende hat sich eine kleine Gruppe ehemaliger Optimisten (etwas mehr als 2 Prozent aller Befragten) von ihren Engagements getrennt und ist fast komplett direkt auf die BĂ€renseite gezogen. Auch wenn sich bei den ĂŒber Social Media befragten Privatanlegern die Stimmung etwas verschlechtert hat, bleiben diese gegenĂŒber den ĂŒbrigen Anlegenden deutlich zuversichtlicher; der Abstand zwischen diesen beiden Untergruppen hat sich kaum verĂ€ndert.

Die heimliche Hoffnung auf ein Déjà-vu

Per Saldo hat sich die Stimmungskluft zwischen privaten und institutionellen Investoren gegenĂŒber der Vorwoche etwas verringert. Was die institutionellen Investoren angeht, ist der Anteil der neutral gestimmten Akteure nunmehr beinahe wieder auf den Stand von vor zwei Wochen gefallen und liegt bei 25 Prozent aller Befragten. WĂ€hrend des gleichen Zeitraums hat es eine kleine Wanderung von den Bullen zu den BĂ€ren gegeben. Letztere sind in der Mehrheit und dĂŒrften auch fĂŒr das kommende Marktgeschehen den Ton angeben. Zum einen, weil der grĂ¶ĂŸte Teil von ihnen immer noch auf einen RĂŒcksetzer wartet, der etwa bis in den Bereich von 18.360/410 zurĂŒckgeht, wo wir erstmals nennenswerte Nachfrage vermuten. Dieses Niveau könnte fĂŒr den DAX allerdings nur eventuell eine gewisse StĂŒtze darstellen, denn im Falle langfristiger KapitalabflĂŒsse (vornehmlich aus dem Ausland) dĂŒrften diese wahrscheinlich stĂ€rker als die heimische Nachfrage ausfallen. Auf der anderen Seite wĂ€re oberhalb von 19.000 ZĂ€hlern bei einem Wiedererstarken des Börsenbarometers nur wenig Gegenwehr zu erwarten, zumal die BĂ€ren von heute mit möglichen Stopp-loss-KĂ€ufen fĂŒr zusĂ€tzliche Nachfrage sorgen wĂŒrden. Trotz des erneut schwachen Monatsbeginns des DAX ist lĂ€ngst noch nicht alles verloren - zumindest hat sich die Sentiment-technische Situation nicht verschlechtert.

Von Joachim Goldberg

5. September, 2024, © Goldberg & Goldberg fĂŒr boerse-frankfurt.de

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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