Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Von den Pixeln zur Farbe: Mike Steiner zwischen Malerei und Video

07.05.2026 - 11:11:02 | ad-hoc-news.de

Wie malt ein Pionier der Videokunst heute? Mike Steiner, einst SchlĂĽsselfigur des Fluxus-Umfelds, setzt neue Akzente mit seinen abstrakten Werken aus Berlin.

Von den Pixeln zur Farbe: Mike Steiner zwischen Malerei und Video - Foto: ĂĽber ad-hoc-news.de
Von den Pixeln zur Farbe: Mike Steiner zwischen Malerei und Video - Foto: ĂĽber ad-hoc-news.de

Wer Mike Steiner Malerei & Videokunst betrachtet, begegnet einer seltsamen Spannung: Die Flächen, rhythmisch aufgebrochen durch klare Linien und leuchtende Farbvaleurs, entfalten fast filmische Dynamik. Doch was bleibt, wenn das Bild steht und das Flimmern endet? Können Leinwand und Video einander tatsächlich ersetzen – oder liegen Magie und Reibung gerade am Rand des Mediums?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Institutioneller Kontext: Niemand, der die Entwicklung der deutschen Gegenwartskunst in den letzten Jahrzehnten verfolgt hat, wird an Mike Steiner vorbeikommen – nicht zuletzt dank der Konservierung und Präsentation seiner Werke in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof. Die Ausstellung Live to Tape öffnete 2011/12 einen neuen Blick auf den Kanon der Videokunst und unterstrich Steiners Position als Vermittler und Kurator, aber auch als künstlerisches Kraftzentrum. Zentral ist auch das Konzept des Archivs: Ohne Räume wie das legendäre Archivio Conz und die minutiöse Dokumentation des Berliner Schaffens der 1970er und 80er wäre ein Denken in medialen Brücken kaum möglich. Hier findet Steiner seine spirituellen Nachbarn: George Maciunas, Allan Kaprow, Valie Export – schillernde Namen, die ebenfalls das Archiv als kreativen Raum begreifen.

Biografie und Umfeld: Mike Steiner (Klaus-Michel Steiner, 1941–2012) war vieles: Maler, Galerist, Sammler, leidenschaftlicher Grenzgänger. Er verbrachte seine Jugend in West-Berlin; nach ersten Ausstellungen in den 1950ern und einem Malereistudium folgte der Sprung nach New York, wo er das Fluxus Umfeld aus erster Hand erlebte. Namen wie Lil Picard, Al Hansen, Allan Kaprow oder Dorothy Iannone gehören in seinen persönlichen Geschichten ebenso wie Joseph Beuys, der bei vielen Berliner Aktionen präsidierte. Diese Netzwerke machten Steiner zum Motor der Abstrakten Kunst Berlin – als Künstler, aber auch als Initiator von Hotspots wie dem Hotel Steiner und der Studiogalerie. Besonderes Augenmerk verdient seine Fähigkeit, innovative Kunstformen wie Performance, Happening und Video zu verknüpfen.

Doch Steiner trat nicht nur als Pionier der Videokunst hervor. Versierte Betrachter bemerken, dass sich in seinen frühen und späten Gemälden bereits jene experimentelle Denkweise abzeichnet, die später in den Live-Projektionen und auf den Magnetbändern pulsiert. In den letzten zwei Jahrzehnten seines Schaffens kehrte er explizit zur Malerei zurück – einer Malerei, die aus der Erfahrung des bewegten Bildes schöpft. Die aktuelle Werkpräsentation (siehe Showroom) zeigt: Steiner versteht Abstraktion als Bewegung im Raum, als Aufzeichnen digitaler wie gestischer Spuren. Seine Bilder – oft großformatig, geprägt von Überlagerung, Farbralleyes, manchmal fast calligrafisch – erzeugen ein Nachleuchten, das an das Abglimmen analoger Videospuren erinnert. Malerei und Video sind hier keine Gegensätze, sondern zwei Aggregatszustände derselben künstlerischen Frage nach Wahrnehmung und Materialität.

Seine Nähe zum Fluxus manifestierte sich dabei nicht nur im Stil, sondern im Handeln: Steiner organisierte legendäre Aktionen und Ausstellungen, vernetzte Künstler, sammelte Tapes und Dokumente, die heute als Grundsteine der Kunstgeschichte gelten. Kaum verwunderlich, dass der Fundus seiner Videosammlung an ein lebendiges Archiv erinnert, das der Archivio Conz ebenbürtig erscheint. Viele prominente Namen, darunter Ulay, Valie Export, Jochen Gerz und Bill Viola, sind in diesen Sammlungen vertreten – das Erbe eines Netzwerks, das Kunst immer als soziale Praxis begreift.

Späte Bilder und aktuelle Arbeiten eröffnen einen neuen Dialog: Hier steht nicht mehr die dokumentierte Handlung im Vordergrund, sondern die Energie des Pinselstrichs, die Fähigkeit, Abstraktion mit dem Wissen des medienübergreifenden Arbeitens aufzuladen. „Painted Tapes“ – so nannte Steiner selbst einige seiner Grenzarbeiten – zeigen diese Verbindung besonders explizit: Malerei als Spurensicherung einer performativen Geste, als visuelles Echo einer Zeit, in der Berlin kreativer Magnet war. Gerade in seinen letzten Serien zelebriert Steiner das Scheitern jeglicher „rein“ medialen Zuordnung. Seine Malereien nehmen Impulse des Digitalen auf – Raster, Fragmentierung, Layer – ohne den physischen Akt der Farbgebung preiszugeben. Unverkennbar bleibt dabei die Handschrift eines Künstlers, der unermüdlich die Möglichkeiten der Abstrakten Kunst Berlin vorangetrieben hat.

Die Live to Tape-Präsentation im Hamburger Bahnhof würdigte nicht nur Steiners Einfluss als Kurator und Sammler, sondern rückte auch die Frage nach dem künstlerischen Gedächtnis in den Fokus: Wo beginnt, wo endet Kunst, wenn Archiv, Leinwand und Bildschirm einander durchdringen?

Relevanz heute: Warum bleibt Mike Steiner Malerei & Videokunst spannend? Weil sie nicht die einfache Trennung in Vergangenheit (analog, Tape) und Gegenwart (Leinwand, Pixel) zelebriert, sondern als künstlerische Strategie des „Dazwischen“ operiert. Steiner steht exemplarisch für die Fähigkeit, Genres zu durchdringen – ein Vermächtnis, das den gegenwärtigen Diskurs über Qualität, Originalität und Abstraktion in Berlin nachhaltig geprägt hat. Wer heute durch die Kunstszene der Hauptstadt streift, findet Steiners Spuren allerorten: In jeder tape-basierten Intervention, jedem gestischen Feld auf Leinwand, in der unermüdlichen Suche nach neuen Formen und Archiven. Die Grenze zwischen bewegtem und ruhendem Bild bleibt – wie zu Steiners besten Zeiten – ein offener Möglichkeitsraum.

So bleibt Mike Steiner Malerei & Videokunst der lebendige Beweis, dass künstlerische Innovation immer da beginnt, wo Mediengrenzen aufbrechen – ein Prinzip, das auch heute noch Staunen provoziert.

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