Von der Leyen will Kanada als assoziiertes Mitglied der EU
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 16:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Wir sehen die Welt mit den gleichen Augen", sagte von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der EuropÀischen Union. Europa und Kanada glaubten gemeinsam an die Demokratie und nicht daran, dass die Macht den StÀrksten, Reichsten oder Lautesten gehöre.
Als konkrete Bereiche fĂŒr eine mögliche engere Zusammenarbeit nannte von der Leyen Technologiefragen, die RĂŒstungsgĂŒterproduktion sowie die KĂŒnstliche Intelligenz und die Arktispolitik. Wie die geplante assoziierte EU-Mitgliedschaft konkret gestaltet werden soll, erklĂ€rte sie allerdings zunĂ€chst nicht.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte einen Ă€hnlichen Vorschlag zuletzt bereits fĂŒr die Ukraine gemacht. Nach den Vorstellungen von Merz könnte eine assoziierte Mitgliedschaft die Teilnahme der Ukraine an EU-Gipfeln und MinisterrĂ€ten ermöglichen - allerdings ohne Stimmrecht. Als denkbar fĂŒr die Ukraine nannte er zudem eine Rolle als assoziiertes Mitglied der EU-Kommission ohne GeschĂ€ftsbereich und ohne Stimmrecht, assoziierte Abgeordnete im EuropĂ€ischen Parlament sowie einen assoziierten Richter am EuropĂ€ischen Gerichtshof.
Eine regulÀre EU-Mitgliedschaft Kanadas ist nach den geltenden VertrÀgen nicht möglich. Nach Artikel 49 des EU-Vertrags können nur europÀische Staaten der Union beitreten.
Kanadas Premierminister ist Ehrengast
Kanadas Premierminister Mark Carney war als Ehrengast bei der Rede von der Leyens im EuropĂ€ischen Parlament in StraĂburg mit dabei. Er will dort an diesem Donnerstag selbst eine Rede halten. Der liberale Politiker sagte zuletzt am Sonntag, Kanada strebe nicht danach, Mitglied der EuropĂ€ischen Union zu werden. Ziel ist nach seinen Worten aber eine "einzigartige Sicherheits- und Wirtschaftsallianz" mit der EU.
Hintergrund ist seine angestrebte wirtschaftspolitische Neuausrichtung angesichts des immer weiter eskalierenden Streits mit dem mĂ€chtigen Nachbarland USA. Die USA haben jĂŒngst Zölle von bis zu 50 Prozent auf eine lange Liste kanadischer Produkte verhĂ€ngt. Kanada hat darauf mit Gegenzöllen reagiert. Carney selbst hat fĂŒr seinen Kurs gegenĂŒber der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump in Kanada groĂen RĂŒckhalt erhalten - auch wenn der Streit die Wirtschaft auf die Probe stellt.
Die USA sind mit Abstand Kanadas wichtigster Handelspartner. Aus dieser AbhĂ€ngigkeit will sich Carney zumindest teilweise lösen und die Handelsbeziehungen seines Landes breiter aufstellen. Erste Verschiebungen sind bereits sichtbar: 2025 gingen Kanadas Exporte in die USA um 3,7 Prozent zurĂŒck, wĂ€hrend die Ausfuhren in andere LĂ€nder um 11,1 Prozent zunahmen. Der Anteil der Nicht-US-MĂ€rkte an den kanadischen Exporten stieg damit auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahrzehnten, wie das kanadische Statistikamt mitteilte.
Handelsabkommen noch immer nicht endgĂŒltig in Kraft
Mit der EU ist Kanada derzeit vor allem ĂŒber das Freihandelsabkommen Ceta eng verbunden. Dieses wird seit 2017 vorlĂ€ufig angewendet, ist aber noch immer nicht endgĂŒltig in Kraft, weil zehn Mitgliedstaaten wie Belgien, Frankreich und Irland es bis heute nicht ratifiziert haben. Auch deswegen gilt es als Ă€uĂerst ungewiss, ob die Idee fĂŒr eine assoziierte EU-Mitgliedschaft Kanadas umgesetzt werden kann.
