Was geht noch ohne die USA?
Veröffentlicht am: 20.11.2025 um 14:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie USA haben vor, das Treffen der fĂŒhrenden Industrie- und SchwellenlĂ€nder am Samstag und Sonntag komplett zu boykottieren - ein Novum in der Geschichte der G20-Gipfel, die 2008 mit dem ersten Treffen in Washington begann.
"Ich bedauere, dass die Amerikaner nicht dabei sind. Das ist eine Entscheidung, die die Amerikaner getroffen haben", sagte Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil bei einem Besuch in Singapur. Beim Treffen der G20-Finanzminister vor einigen Monaten in Durban seien die USA "wenigstens noch auf der Ebene der Beamten" vertreten gewesen. "Anscheinend ist das jetzt gar nicht der Fall".
Neben Trump fehlen auch Xi und Putin
Mit dem chinesischen PrĂ€sidenten Xi Jinping und dem russischen Staatschef Wladimir Putin haben zwei weitere HochkarĂ€ter angekĂŒndigt, dem Treffen fernbleiben zu wollen. Sie schicken aber immerhin Vertreter. FĂŒr Xi kommt die Nummer zwei im Staat, MinisterprĂ€sident Li Qiang.
Putin stuft die russische PrĂ€senz noch deutlich weiter herunter und lĂ€sst sich vom stellvertretenden Leiter der PrĂ€sidialverwaltung, Maxim Oreschkin, vertreten. In den vergangenen Jahren war immerhin noch AuĂenminister Sergej Lawrow dabei.
Trump hatte zunĂ€chst geplant, VizeprĂ€sident JD Vance zu schicken. Dann drohte er aber mit einem Total-Boykott des Gipfels. Der Grund sind die VorwĂŒrfe Trumps gegen die sĂŒdafrikanische Regierung, dass weiĂe Farmer verfolgt und getötet wĂŒrden sowie ihr Land beschlagnahmt werde. Ohne Belege zu nennen, schrieb er vor zwei Wochen auf der Plattform Truth Social: "Solange diese Menschenrechtsverletzungen andauern, wird kein Vertreter der US-Regierung teilnehmen." Trump bezeichnete es als Schande, dass der G20-Gipfel in SĂŒdafrika stattfindet.
Was wird aus den Themen Ukraine, Nahost, Zölle?
Die Frage ist, was bei dem Gipfel inhaltlich ĂŒberhaupt noch zu erreichen ist.
* Beispiel Ukraine-Krieg: Die USA gelten weiterhin als einziger wirklicher Vermittler in dem Konflikt. Ohne Trump, Putin und dessen wichtigstem VerbĂŒndeten Xi kommt man bei dem Thema nicht weiter.
* Beispiel Nahost: Der Friedensprozess basiert auf einem unter US-Vermittlung ausgehandelten Plan. Auch hier geht ohne die USA nichts.
* Beispiel Zölle: Bei den von den USA ausgelösten weltweiten Handelskonflikten ist die Suche nach Lösungen ohne den Verursacher kaum zielfĂŒhrend.
LĂ€ngste Dienstreise des Kanzlers Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) macht sich trotzdem auf den langen Weg nach SĂŒdafrika. Es wird seine bisher lĂ€ngste Dienstreise als Kanzler: Vier NĂ€chte, zwei davon im Flugzeug, und drei Tage wird er unterwegs sein. Nach dem G20-Gipfel macht er noch einen Abstecher nach Angola, wo der EU-Afrika-Gipfel stattfindet.
Er wolle die Reise ungeachtet der Absagen vor allem nutzen, um mit den afrikanischen Staaten einen "vertieften Dialog" zu fĂŒhren. "Die afrikanischen Staaten suchen nach Partnerschaften. Und deswegen werde ich, ganz unabhĂ€ngig davon, wie viele Absagen es gibt, in jedem Falle nach Johannesburg reisen."
Die Afrikaner sind es aber auch, die sich durch den wahrscheinlichen Boykott der USA besonders vor den Kopf gestoĂen fĂŒhlen. Die Afrikanische Union (AU) war erst beim Gipfel 2023 in Neu-Delhi als G20-Mitglied aufgenommen worden. Damit ist die Gruppe, der davor schon 19 fĂŒhrende Industrie- und SchwellenlĂ€nder sowie die EuropĂ€ische Union angehörten, nun faktisch eine G21. Es ist auch das erste Mal, dass ein G20-Gipfel auf dem afrikanischen Kontinent ausgerichtet wird.
NĂ€chster Gipfel quasi bei Trump zu Hause
Völlig offen ist, ob es am Ende eine AbschlusserklÀrung geben wird und wenn ja in welcher Form. Sicher ist dagegen, dass die USA nÀchstes Jahr wieder dabei sind. Dann ist Trump nÀmlich der Gastgeber. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Heimspiel aus seinem Vorsitz machen. Als Gipfelort hat er sich eines seiner Luxus-Golfressorts ausgesucht, das "Doral" bei Miami in Florida.
