Arzneimittel, Möbel und Lastwagen
26.09.2025 - 06:35:18(Neu: Weitere Details)
WASHINGTON (dpa-AFX) - Arzneimittel, schwere Lastwagen und Möbel: US-PrÀsident Donald Trump hat auf eine Vielzahl von Importprodukten ab Oktober neue Zölle verhÀngt. Ob die neuen Regelungen auf bereits geltende Abgaben - etwa lÀnderspezifische SÀtze - draufgeschlagen werden, war zunÀchst unklar. Vor allem Pharmaprodukte gerieten ins Visier des PrÀsidenten.
Trump kĂŒndigte am spĂ€ten Donnerstagabend (Ortszeit) an, ab 1. Oktober Zölle in Höhe von 100 Prozent auf Arzneimittelimporte in die Vereinigten Staaten zu erheben. Sollten Pharmahersteller eine ProduktionsstĂ€tte in den USA bauen, könnten sie damit den Zoll umgehen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Unternehmen, die entweder bereits einen Baubeginn festgelegt oder mit dem Bau angefangen hĂ€tten, seien von den geplanten AufschlĂ€gen ausgenommen, hieĂ es weiter.
Deutsche Pharmaindustrie bangt
Gerade die deutsche Pharmaindustrie hatte Zölle gefĂŒrchtet: Die USA sind ihr wichtigster Exportmarkt, knapp ein Viertel der deutschen Pharma-Exporte geht dahin. Aber die Zölle sind auch fĂŒr Indien schmerzhaft: Das sĂŒdasiatische Land exportiert vor allem Arzneimittel in die USA.
Die deutsche Pharmabranche hat rund 130.000 BeschÀftigte. 2024 gingen dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 27 Milliarden Euro in die USA. Damit ist die deutsche Pharmabranche wesentlich stÀrker vom US-Markt abhÀngig als etwa der Maschinenbau und die Chemieindustrie. Besonders gefragt waren etwa Impfstoffe.
Die USA sind auch deshalb so wichtig fĂŒr die deutsche Pharmabranche, weil Amerika ein sehr lukrativer Absatzmarkt ist: Dort gibt es keine so strenge Preisbindung fĂŒr Medikamente wie in Deutschland, wo der Gesetzgeber in den Markt fĂŒr verschreibungspflichtige Medikamente eingreift.
In den USA sind die Arzneipreise in der Regel deutlich höher als in anderen IndustrielÀndern. Das kritisiert Trump und sieht ein Ungleichgewicht im internationalen Vergleich. Er ist der Ansicht, dass die Amerikaner mit den höheren Preisen die Forschung mitbezahlen, wovon dann auch andere LÀnder profitieren.
Auch auf andere Importe gibt es ab Oktober neue Zölle
Doch nicht nur Arzneimittelimporte sollen mit neuen Zöllen belegt werden: Ab Oktober will Trump auf Möbel wie KĂŒchenschrĂ€nke und Badezimmerausstattung einen Aufschlag von 50 Prozent erheben, wie er in einem weiteren Post bekannt gab.
Polstermöbel sollen zusĂ€tzlich mit einem Zoll von 30 Prozent belegt werden. Viele Möbel im niedrigeren Preissegment kommen aus SĂŒdostasien. Auf groĂe, schwere Lastwagen will Trump indes Zölle in Höhe von 25-Prozent verhĂ€ngen.
Der US-PrĂ€sident begrĂŒndet sein Vorgehen mit der "nationalen Sicherheit". Trump sieht die US-Wirtschaft in groĂer Gefahr, weil sie seiner Meinung nach von anderen LĂ€ndern ĂŒber Jahre hinweg betrogen wurde. Mit seinen Zöllen - so argumentiert er - werde die heimische Wirtschaft gestĂ€rkt: Denn wenn Importe aus dem Ausland teurer werden, könnte sich die Bevölkerung verstĂ€rkt fĂŒr US-Produkte entscheiden.
Auch mit der EU lag Trump im Clinch
Auch mit der EU hatte Trump einen Handelskonflikt. Nach einem monatelangen Streit gaben er und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen im Sommer dann einen Deal bekannt. FĂŒr EU-Exporte in die Vereinigten Staaten wurde ein Basiszollsatz von 15 Prozent festgelegt.
FĂŒr europĂ€ische Hersteller von Arzneimitteln, Halbleitern und Bauhölzern war nicht ganz klar, ob die Zollobergrenze von 15 Prozent auch fĂŒr sie gilt. Auch Autohersteller hatten bis zuletzt Unklarheit - erst am Donnerstag war deutlich geworden, dass fĂŒr aus der EU in die USA eingefĂŒhrte Autos rĂŒckwirkend zum 1. August die Zölle von 27,5 Prozent auf dann 15 Prozent gesenkt werden. Das ging aus einem entsprechenden Dokument im US-Handelsregister hervor.
In der Veröffentlichung des US-Handelsministeriums werden zudem zahlreiche Produkte aus der EU aufgelistet, die von den Zöllen befreit sind - darunter Flugzeuge und Flugzeugteile, chemische Vorprodukte sowie bestimmte Rohstoffe.
EU-Autobauer weiterhin kaum glĂŒcklich mit Situation
Trotz der Senkung des Zolls auf 15 Prozent haben die Autobauer kaum einen Grund zur Freude. Denn der neue Zollsatz ist weit gröĂer als die 2,5 Prozent, die noch vor dem zweiten Amtsantritt von US-PrĂ€sident Trump fĂ€llig wurden. Branchenexperten rechnen daher mittelfristig mit Produktionsverlagerungen von deutschen Autoherstellern in Richtung USA, um die Zölle zu umgehen - und damit denselben Ausweg wĂ€hlen, den Trump Pharmaunternehmen bei seiner ZollankĂŒndigung auf Arzneimittel aufgezeigt hatte.

