Softdrinks erhöhen Risiko fĂŒr Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten
07.01.2025 - 06:31:22Das berichtet zumindest eine internationale Forschungsgruppe im Fachblatt "Nature Medicine".
Nicht als Durstlöscher geeignet
Ein Glas Cola (250 ml) enthĂ€lt knapp 27 Gramm Zucker: Das entspricht fast neun StĂŒck WĂŒrfelzucker. Auch Energydrinks, FruchtgetrĂ€nke und andere Softdrinks können Zuckerbomben sein - dennoch greifen der Studie zufolge immer mehr Menschen zu solchen GetrĂ€nken, vor allem in Lateinamerika Afrika.
Dass mit Zucker gesĂŒĂte GetrĂ€nke nicht gut fĂŒr die Gesundheit sind, ist bekannt. So schreibt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung, diese seien nicht als Durstlöscher geeignet: "Sie enthalten viel Zucker (etwa 80 - 100 g pro Liter) und liefern damit viele Kalorien."
Die Forschungsgruppe um Laura Lara-Castor von der US-amerikanischen Tufts University berechnete nun die gesundheitlichen Folgen des Konsums zuckerhaltiger GetrÀnke mit Blick auf Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Viel Werbung in LĂ€ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen
DafĂŒr analysierte das Team Daten aus der Global Dietary Database: Diese Datenbank enthĂ€lt SchĂ€tzungen zum Konsum von zuckergesĂŒĂten GetrĂ€nken auf Grundlage von ErnĂ€hrungserhebungen sowie Daten ĂŒber Fettleibigkeit und Diabetesraten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zogen Zahlen aus den Jahren 1990 bis 2020 heran und kombinierten die DatensĂ€tze fĂŒr 184 LĂ€nder, um die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs zwischen beiden Faktoren zu berechnen.
Demnach gingen 2020 weltweit 2,2 Millionen neue FĂ€lle von Typ-2-Diabetes und 1,2 Millionen neue FĂ€lle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf zuckergesĂŒĂte GetrĂ€nke zurĂŒck. Das wĂ€ren einer von zehn neuen FĂ€llen von Typ-2-Diabetes und einer von dreiĂig neuen FĂ€llen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Den gröĂten Anteil machte die Studie in Afrika sĂŒdlich der Sahara, Lateinamerika und der Karibik aus. Auf einzelne Staaten bezogen seien Kolumbien, Mexiko und SĂŒdafrika besonders betroffen. Je weiter sich LĂ€nder entwickelten und Einkommen stiegen, umso zugĂ€nglicher und begehrter seien zuckerhaltige GetrĂ€nke, heiĂt es.
Mehr Durst nach sĂŒĂen GetrĂ€nken
FĂŒr Deutschland sieht die Studie zwischen 1990 und 2020 einen im Vergleich zu anderen LĂ€ndern nur leichten Anstieg der Diabetes-TodesfĂ€lle pro Million Einwohner, die auf den Konsum von zuckergesĂŒĂten GetrĂ€nken zurĂŒckzufĂŒhren seien. Bei den TodesfĂ€llen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird sogar ein RĂŒckgang festgestellt, ebenso in den USA und GroĂbritannien.
Den Daten der Forschenden zufolge wurden hierzulande 2020 wöchentlich knapp 650 Milliliter - oder zwei groĂe GlĂ€ser - solcher GetrĂ€nke konsumiert. Damit steht Deutschland in der Liste der 30 bevölkerungsreichsten unter den untersuchten LĂ€ndern ziemlich in der Mitte - allerdings legen Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie GetrĂ€nke (wafg) von 2023 nahe, dass der Konsum an ErfrischungsgetrĂ€nken hierzulande wieder gestiegen ist.
Forderung nach "Limo-Steuer"
Wie die Autorinnen und Autoren selbst schreiben, beruhen ihre SchĂ€tzungen zwar auf den besten verfĂŒgbaren Daten und begrĂŒndeten Annahmen, können aber keine Beweise fĂŒr Ursache und Wirkung liefern. Zudem sei die Datenlage fĂŒr manche LĂ€nder lĂŒckenhaft.
Das Forschungsteam betont auch, dass zuckerhaltige GetrĂ€nke schnell verdaut wĂŒrden und den Blutzuckerspiegel in die Höhe trieben, ohne einen NĂ€hrwert zu haben. RegelmĂ€Ăiger Konsum fĂŒhre zu Gewichtszunahme, Insulinresistenz und diversen Stoffwechselproblemen, die mit Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten, zwei der weltweit hĂ€ufigsten Todesursachen, in Zusammenhang stĂŒnden.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern unter anderem Gesundheitskampagnen, strengere Regeln fĂŒr die Bewerbung derartiger GetrĂ€nke und steuerliche MaĂnahmen. Eine "Limo-Steuer" gibt es bereits in vielen LĂ€ndern, darunter seit 2018 GroĂbritannien: Diese setzt bei der Schwelle von fĂŒnf Gramm Zucker pro 100 Milliliter an. Hersteller mĂŒssen dann 18 Pence (21 Cent) pro Liter zahlen, bei 8 Gramm Zucker oder mehr pro 100 Milliliter werden 24 Pence (28 Cent) pro Liter fĂ€llig.
Seither ist nicht nur der Konsum zurĂŒckgegangen - auch Hersteller haben den Zuckergehalt reduziert. Auch hierzulande fordern VerbraucherschĂŒtzer und Gesundheitsexperten regelmĂ€Ăig eine solche Abgabe - bislang erfolglos.

