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Weniger Steuereinnahmen fĂŒr den Staat als erwartet

Veröffentlicht am: 07.05.2026 um 15:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kann angesichts schwÀcherer Konjunkturaussichten wegen des Iran-Kriegs in den nÀchsten Jahren mit weniger Steuereinnahmen rechnen als noch im Herbst angenommen - wie der gesamte Staat auch mit LÀndern und Kommunen.

FĂŒr 2027 ergibt die aktuelle SteuerschĂ€tzung allein fĂŒr den Bund 10,1 Milliarden Euro weniger als bisher erwartet, wie das Finanzministerium mitteilte. Auch in den folgenden Jahren bis 2030 dĂŒrfte weniger Steuergeld hereinkommen als bisher erwartet.

Die Ergebnisse bilden jetzt eine wichtige Grundlage fĂŒr die nĂ€chsten Schritte fĂŒr den Bundeshaushalt 2027. Klingbeil sagte, die neue SchĂ€tzung zeige, "wie sehr uns der Iran-Krieg wirtschaftlich schadet". US-PrĂ€sident Donald Trumps "verantwortungsloser Krieg" und der daraus resultierende Energiepreis-Schock bremsten die positive Wirtschaftsdynamik vorerst aus. Die Lage bleibe von großen Unsicherheiten geprĂ€gt und erfordere permanentes Krisenmanagement.

Klingbeil verwies auf bereits greifende Entlastungsmaßnahmen wie den Tankrabatt. "Wir nehmen die Entwicklungen ernst und bereiten uns darauf vor, jederzeit zu handeln, wenn die Krise sich weiter zuspitzt." Die Zahlen zeigten aber auch: "Wir mĂŒssen weiter hart daran arbeiten, dass wir krisenfester und unabhĂ€ngiger werden. Wir setzen deshalb auf Investitionen und Reformen, um Deutschland stĂ€rker zu machen." Oberstes Ziel bleibe, ArbeitsplĂ€tze zu sichern, neue Jobs zu schaffen und fĂŒr Wirtschaftswachstum zu sorgen.

Prognose bis 2030

Konkret sagen die SchĂ€tzer nun fĂŒr 2027 beim Bund Steuereinnahmen von 394,6 Milliarden Euro voraus. FĂŒr den gesamten Staat - also auch mit LĂ€ndern und Kommunen - ist mit einer Billion Euro zu rechnen. Es wĂ€ren aber 17,7 Milliarden Euro weniger als noch in der SchĂ€tzung von Oktober 2025 erwartet. Auch fĂŒr die Folge-Jahre bis 2030 ergibt die Prognose nun jeweils rund 17 Milliarden Euro weniger an Steuereinnahmen als noch im Herbst angenommen.

Dem Arbeitskreis fĂŒr die SteuerschĂ€tzungen gehören Experten der Bundesregierung, der fĂŒhrenden Wirtschaftsforschungsinstitute, des Statistischen Bundesamts, der Bundesbank, des SachverstĂ€ndigenrats fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung sowie von LĂ€ndern und Kommunen an. Das Gremium kommt zweimal im Jahr, im FrĂŒhjahr und im Herbst, zusammen.

FĂŒr den Bundesetat 2027 hatte das schwarz-rote Kabinett Ende April bereits Eckwerte beschlossen. Seinen Regierungsentwurf will Klingbeil Anfang Juli ins Kabinett bringen. An mehrere Ministerkollegen hat er dafĂŒr auch schon in der Koalition verabredete AuftrĂ€ge vergeben, um verbliebene LĂŒcken zu schließen - von KĂŒrzungen bei BundeszuschĂŒssen fĂŒr Sozialversicherungen ĂŒber Reformen bei Elterngeld und Wohngeld bis zu neuen Abgaben auf Plastik und gezuckerte GetrĂ€nke. Abgabetermin fĂŒr EntwĂŒrfe: spĂ€testens Mittwoch, der 20. Mai. Im Blick stehen soll auch ein Abbau von Finanzhilfen und Subventionen.

GetrĂŒbte Konjunkturaussichten

Die Vorzeichen fĂŒr krĂ€ftig sprudelnde Staatseinnahmen haben sich angesichts schwerer wirtschaftlicher Folgen des Iran-Kriegs verschlechtert. Grundlage der SteuerschĂ€tzung ist jeweils auch die jĂŒngste Wirtschaftsentwicklung. Und ihre Konjunkturprognose hatte die Bundesregierung erst im April halbiert und erwartet in diesem Jahr fĂŒr Deutschland nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. FĂŒr 2027 werden 0,9 Prozent Wachstum veranschlagt. Allerdings hĂ€nge die Entwicklung wesentlich vom Fortgang des Konfliktes im Nahen Osten ab und sei mit "erheblichen Ungewissheiten" verbunden, hieß es dazu.

Die Vorbereitungen fĂŒr den Bundesetat 2027 erleichtert das nicht, auch wenn das Ministerium fĂŒr die Eckwerte schon eine erste "interne Aktualisierung" der SteuerschĂ€tzung von Oktober vorgenommen hatte. Schon berĂŒcksichtigt wurde auch eine Palette an teuren Vorhaben der Koalition, die 2027 zu Buche schlagen - etwa die Mehrwertsteuersenkung fĂŒr Speisen in der Gastronomie, eine höhere Pendlerpauschale oder wieder volle AgrardieselvergĂŒnstigungen fĂŒr die Bauern.

"Momentaufnahme in hoher Unsicherheit"

Unions-ChefhaushĂ€lter Christian Haase mahnte direkt zur Vorsicht und nannte auch die frische SteuerschĂ€tzung nur eine "Momentaufnahme in Zeiten hoher Unsicherheit". Durch den Iran-Krieg hĂ€tten sich Energie und Rohstoffe noch einmal drastisch verteuert, mit negativen Folgen auch fĂŒr die Steuereinnahmen. Der CDU-Politiker forderte: "Statt neuer kostenwirksamer Ausgabenprogramme oder etwaiger Umverteilungsphantasien gilt es, eine Dynamik zu entfachen fĂŒr wirtschaftliches Wachstum." Es brauche eine kluge, aktivierende Steuerpolitik flankiert von Strukturreformen, um wirtschaftliche Impulse zu setzen.

FĂŒr den Etat 2027 veranschlagt Klingbeil laut den Eckwerten bisher Ausgaben von 543,3 Milliarden Euro - nach 524,5 Milliarden Euro in diesem Jahr. Der Bund plant im Kernhaushalt mit neuen Schulden von 110,8 Milliarden Euro. Dazu kommen schuldenfinanzierte Ausgaben im Sondervermögen zur Modernisierung der Infrastruktur sowie fĂŒr Verteidigung. Der Bundestag soll den Haushalt voraussichtlich Ende November beschließen.

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