Frankfurt-News, Test

Börse Frankfurt-News: Harter Test fĂŒr Zinssenkungsoptimisten (Anleihen)

15.03.2024 - 16:19:32

Wer auf baldige Leitzinssenkungen gesetzt hat, wurde diese Woche wieder einmal enttÀuscht.

Die Renditen zogen deutlich an. Im Handel mit Unternehmensanleihen sind große Namen wie Eon und Porsche beliebt. Intrum-Anleihen stĂŒrzten ab.

15. MĂ€rz 2024. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Kommt die erste Zinssenkung in den USA doch nicht so schnell wie erhofft? Die am gestrigen Donnerstag veröffentlichten US-Erzeugerpreise zeigen jedenfalls einen anhaltenden Inflationsdruck. "Die deutlich ĂŒber den Erwartungen liegenden Daten rissen die MĂ€rkte aus ihrer Lethargie", erklĂ€rt die Deutsche Bank. "Die Marktakteure, die sich auf zeitnahe Zinssenkungen der Fed gefreut haben, wurden einem harten Test unterzogen."

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Die Renditen stiegen spĂŒrbar an. Am Freitagmorgen rentieren zehnjĂ€hrige Bundesanleihen mit 2,44 Prozent, vor einer Woche waren es nur 2,27 Prozent. ZehnjĂ€hrige US-Treasuries werfen aktuell 4,28 Prozent ab nach 4,07 Prozent vergangenen Freitag.

US-Notenbanksitzung nÀchste Woche: "Keine Zinssenkung erwartet"

Jetzt heißt es: warten auf die US-Notenbanksitzung am kommenden Mittwoch. "Von der Fed wird zwar allgemein keine Zinssenkung erwartet, sodass hier auch kein EnttĂ€uschungspotenzial besteht", stellt Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank fest. Allerdings könnten die Notenbanker ihre Zinserwartungen in den neuen Zinsprognosen - den "Dot-Plots" - nach oben korrigieren. FĂŒr die US-Notenbank und die EZB wird derzeit zwar immer noch mit einer ersten Zinssenkung im Juni gerechnet, allerdings mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit als zuvor.

Kein großes Thema mehr sind die ZinsaufschlĂ€ge fĂŒr Europas Peripheriestaaten. Ulrich Wortberg von der Helaba verweist auf die fortgesetzte Einengung der Peripherie-Spreads, Folge der allgemein erhöhten Risikobereitschaft. WĂ€hrend die Renditen von Bundesanleihen zuletzt gestiegen seien, seien die italienischen Renditen eher gesunken. "Der Renditeabstand hat sich im zehnjĂ€hrigen Bereich auf zeitweise unter 120 Basispunkte reduziert, was zuletzt im November 2021 der Fall gewesen ist." Auch Anleihen anderer EWU-Staaten schnitten derzeit deutlich besser ab als Bundesanleihen.

In Zeiten höherer Zinsen sind neben klassischen Staatsanleihen auch Anleihen von BundeslĂ€ndern beliebt. Immer wieder KĂ€ufe sieht Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fĂŒr den vergangene Woche begebenen Floater von Rheinland-Pfalz. Der lĂ€uft bis 2026 und bietet einen Kupon von 3,928 Prozent (DE000RLP1460).

Eon und Porsche gesucht

Dass die Rating-Agentur Standard & Poor`s den Energiekonzern Eon auf BBB+ hochgestuft hat, fĂŒhrt Daniel zufolge zu weiteren KĂ€ufen der ohnehin beliebten, bis 2028 laufenden Eon-Anleihe mit 3,5 Prozent-Kupon (XS2574873266). Gut an kommt der Bond der Porsche Automobil Holding aus dem vergangenen Jahr mit 4,25 Prozent bis 2030 (XS2643320109), wie Agon Alihajdari von der Steubing AG berichtet. Auch der US-Dollar-Bond von John Deere mit 4,7 Prozent bis 2039 (US24422EWZ86) sei weiter gesucht.

FĂŒr die relativ neue Anleihe des westfĂ€lischen Anbieters von Gesundheits- und Schönheitsprodukten LR Health & Beauty mit 11,432 Prozent und Laufzeit bis 2028 (NO0013149658) meldet Daniel unterdessen KĂ€ufe und VerkĂ€ufe. "Offenbar ist so mancher enttĂ€uscht und steigt aus, andere nutzen die niedrigen Kurse fĂŒr einen Einstieg."

Intrum: Restrukturierung der Anleihen?

Schlechte Nachrichten gibt es aber auch: Anleihen des schwedischen Inkassounternehmens Intrum stĂŒrzten am gestrigen Donnerstag ab, wie Daniel feststellt. "Es gibt Spekulationen um eine Überschuldung." Intrum selbst hatte gemeldet, sich zur PrĂŒfung unterschiedlicher Optionen an ein Beratungsunternehmen gewendet zu haben. Auch eine Restrukturierung der Anleihen ist Thema. Betroffen vom KursrĂŒckgang ist etwa der bis 2027 laufende Bond mit 3 Prozent-Kupon (XS2052216111), der von 64 Prozent auf rund 52 Prozent fiel. Die drei weiteren Anleihen mit FĂ€lligkeiten 2025, 2026 und 2028 (XS2211136168>, XS2034925375, XS2566291865) verloren ebenfalls.

Weiter erholt haben sich unterdessen Papiere der Deutsche Pfandbriefbank (Depfa), wie Rainer Petz von Oddo BHF berichtet. Die Depfa hatte vergangene Woche mitgeteilt, zwar keine Dividende zu zahlen, die Hybridanleihe (XS1808862657) aber bedienen zu wollen. Auch die bei Oddo gehandelten Depfa-Anleihen (XS1637926137, DE000A2DASM5) profitieren.

Von Anna-Maria Borse, 15. MÀrz 2024 © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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