Werbe-IDs: Vom Marketing-Tool zur Massenüberwachung
27.01.2026 - 23:10:12Werbe-IDs auf Smartphones werden zur Goldgrube für Überwachungsfirmen. Ursprünglich für personalisierte Werbung entwickelt, ermöglichen die Kennungen heute die lückenlose Verfolgung von Millionen Menschen. Eine neue Branche namens ADINT verkauft diese Bewegungsprofile an staatliche Akteure – oft in einer rechtlichen Grauzone.
So funktioniert die Verfolgung
Jedes Smartphone besitzt eine einzigartige Werbe-ID: die Google Advertising ID (GAID) bei Android oder Apples Identifier for Advertisers (IDFA). Apps nutzen sie, um Nutzer über verschiedene Dienste hinweg zu tracken. So entstehen detaillierte Profile aus Interessen, Gewohnheiten und Standortdaten.
Apple‑Fachchinesisch wie „IDFA“, „App Tracking Transparency (ATT)“ oder „Apple‑ID“ wirkt oft verwirrend – dabei entscheidet genau dieses Vokabular, wie sichtbar Sie für Werbe- und Überwachungsfirmen sind. Das kostenlose iPhone‑Lexikon erklärt die 53 wichtigsten Begriffe klar und ohne Technik‑Kauderwelsch, inklusive Aussprachehilfen und praktischer Tipps, damit Sie iOS‑Einstellungen gezielt nutzen und Ihre Privatsphäre besser schützen können. Jetzt iPhone-Lexikon gratis anfordern
- Die Daten landen bei Datenbrokern, die sie weiterverkaufen.
- Ein einziger Datensatz kann Milliarden von Standortpunkten enthalten.
- Recherchen von Netzpolitik.org und dem BR werteten einen Satz mit 3,6 Milliarden Datenpunkten von bis zu 11 Millionen Geräten in Deutschland aus.
ADINT: Werbedaten für den Geheimdienst
Überwachungsfirmen haben ein neues Geschäftsfeld entdeckt: Advertising-based Intelligence (ADINT). Sie kaufen die kommerziellen Werbedaten auf, bereiten sie auf und bieten staatlichen Akteuren Echtzeit-Verfolgung von Smartphones an. Der Kauf gilt oft als weniger heikel, da die Daten als „allgemein zugänglich“ eingestuft werden.
Auch die deutsche Gesetzgebung scheint diese Möglichkeit anzuerkennen. Das überarbeitete BND-Gesetz erwähnt explizit den Ankauf von „umfänglichen Werbedatenbanken“. Die Grenze zwischen Werbung und staatlicher Überwachung verschwimmt.
Apple vs. Google: Zwei Wege zum Datenschutz
Die Tech-Giganten reagieren unterschiedlich auf den Druck:
- Apple führte mit iOS 14.5 die App Tracking Transparency (ATT) ein. Apps müssen nun explizit um Erlaubnis zum übergreifenden Tracking bitten. Die Zustimmungsraten sind niedrig – die Datengrundlage für Broker schrumpft.
- Google tauscht die Werbe-ID bei Android schrittweise durch die Privacy Sandbox aus. Das neues System soll datenschutzfreundlicher sein, aber personalisierte Werbung weiter ermöglichen. Kritiker vermuten: Googles Werbe-Geschäftsmodell verhindert radikale Schritte.
Die Risiken reichen bis zur nationalen Sicherheit
Die Gefahr geht weit über den Verlust der Privatsphäre hinaus. Bewegungsprofile können erstellt werden für:
* Soldaten oder Mitarbeiter sicherheitsrelevanter Bereiche.
* Journalisten, Aktivisten und Oppositionelle.
* Die einfache Verfügbarkeit der Daten bedroht deren Schutz.
Rechtlich agieren Datenbroker oft global in Grauzonen. Datenschützer wie Max Schrems haben bereits Beschwerden gegen Apple und Google eingereicht. Sie argumentieren, die Erstellung der IDs ohne ausdrückliche Zustimmung verstoße gegen die DSGVO.
Was Nutzer jetzt tun können
Bis Gesetzgeber den Handel mit Standortdaten strenger regulieren, liegt ein Teil der Verantwortung bei den Nutzern selbst:
* Werbe-ID zurücksetzen oder löschen in den Geräteeinstellungen.
* App-Tracking deaktivieren (insbesondere bei iOS).
* App-Berechtigungen kritisch prüfen, vor allem für Standortdaten. Zugriff nur gewähren, wenn er für die Funktion zwingend nötig ist.


