WhatsApp, Italien

WhatsApp: Italien zwingt Meta zu KI-Ausnahme

26.01.2026 - 02:23:12

Italiens Wettbewerbsbehörde zwingt Meta, die Blockade von Drittanbieter-KI auf WhatsApp auszusetzen. Die Sonderregel für italienische Nutzer könnte zum EU-weiten Präzedenzfall werden.

Italien schreibt als einziges EU-Land eigene Regeln für Künstliche Intelligenz auf WhatsApp vor. Die nationale Wettbewerbsbehörde untersucht den Tech-Konzern wegen möglichen Machtmissbrauchs.

Die Anordnung der italienischen Antitrust-Behörde AGCM zwingt Meta zu einem Sonderweg. Während Nutzer weltweit seit Mitte Januar 2026 keine Konkurrenz-KI mehr über den WhatsApp Business-Dienst nutzen dürfen, bleibt Italien eine Ausnahmezone. Telefonnummern mit italienischer Ländervorwahl sind von der neuen Richtlinie ausgenommen. Diese blockiert ansonsten allgemeine KI-Chatbots von Drittanbietern, etwa von OpenAI.

Kontinentale Sperre stößt auf italienischen Widerstand

Metas Strategie war klar: Der Konzern wollte mit der Aktualisierung der Geschäftsbedingungen das Feld für seine eigene „Meta AI“ räumen. Diese sollte zum primären – wenn nicht einzigen – KI-Assistenten für die Milliarden Nutzer des Messengers werden.

Anzeige

Seit August 2024 gelten neue EU-Regeln für Künstliche Intelligenz – viele Unternehmen und Entwickler riskieren unwissentlich Bußgelder, weil sie Kennzeichnungspflichten und Risikoklassen nicht korrekt einordnen. Dieses kompakte E‑Book zur EU‑KI‑Verordnung erklärt verständlich, welche Pflichten für Anbieter, Plattformbetreiber und Entwickler jetzt gelten, welche Dokumentation nötig ist und welche Übergangsfristen greifen. Ideal, wenn Sie KI-Funktionen in Messaging‑Diensten wie WhatsApp integrieren oder anbieten. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen

Doch die europäischen Aufseher schritten ein. Die AGCM ordnete Ende 2025 an, die neue Richtlinie bis zum Abschluss einer vollständigen Untersuchung auszusetzen. Die Behörde fürchtet, Metas Vorgehen könnte den Wettbewerb ersticken und die Wahlfreiheit der Verbraucher im aufkeimenden KI-Markt beschneiden. Während die EU-Kommission ebenfalls ermittelt, hat sie noch keine bindende Anordnung erlassen. Italien bleibt vorerst allein mit seiner formellen Ausnahmeregelung.

Italiens offensive Rolle in der Tech-Regulierung

Der Schritt passt zu Italiens historisch proaktiver Haltung gegenüber Tech-Giganten. Sowohl die Wettbewerbs- als auch die Datenschutzbehörde des Landes haben in der Vergangenheit mehrfach strenge Auflagen erlassen.

Die aktuelle Untersuchung konzentriert sich auf einen zentralen Vorwurf: Nutzt Meta die Allgegenwart von WhatsApp, um Konkurrenten auszusperren und seiner eigenen KI einen unfairen Vorteil zu verschaffen? Indem die AGCM ein offenes Ökosystem in Italien erzwingt, setzt sie ein Zeichen für einen level playing field. Dominante Plattformen, so die Botschaft, sollten nicht einseitig entscheiden dürfen, welche Dienste ihre Nutzer erreichen.

Was die Ausnahme für Europas KI-Wettbewerb bedeutet

Die italienische Sonderlösung sendet ein starkes Signal in den gesamten europäischen Markt. Sie unterstreicht das zersplitterte und fordernde regulatorische Umfeld, in dem Tech-Konzerne agieren müssen. Sollte die EU-Kommission zu einem ähnlichen Urteil wie die AGCM kommen, könnte sich die italienische Interimslösung auf den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum ausweiten. Das wäre ein herber Rückschlag für Metas Plattform-Strategie.

Für KI-Entwickler ist Italien damit zu einem wichtigen Brückenkopf geworden. Sie können weiterhin Millionen WhatsApp-Nutzer im Land bedienen. In anderen Ländern hingegen herrscht Unsicherheit. Einige Anbieter mussten ihren Dienst für Nicht-Italiener auf der Plattform bereits einstellen.

Offene Fragen zur Zukunft der KI auf Messengern

Die laufenden Untersuchungen werden richtungsweisend für die Zukunft der KI auf Messaging-Plattformen sein. Sollten die Aufseher gegen Meta entscheiden, müsste der Konzern seine Sperrpolitik nicht nur in Italien, sondern EU-weit dauerhaft aufgeben. Ein solches Urteil würde einen wichtigen Präzedenzfall schaffen: Dominante Messaging-Dienste hätten dann eine Verpflichtung, Wettbewerbern fairen Zugang zu gewähren.

Vorläufig muss Meta eine Zwei-Klassen-Politik verwalten: Während der Bann in weiten Teilen der Welt gilt, bleibt die Plattform in Italien offen. Der Konzern bedauert regulatorische Hürden, die Innovation bremsen würden. Für Wettbewerber und Befürworter eines offenen Digitalmarktes ist Italiens entschlossene Haltung hingegen ein entscheidender Schritt. Er soll sicherstellen, dass sich die nächste Generation der KI-Technologie in einem wettbewerbsorientierten Umfeld entwickelt.

Anzeige

PS: Regulierung kann Anbieter wie Meta stark treffen – wenn Messaging‑Plattformen KI‑Funktionen unterschiedlich behandeln, drohen langfristige Marktverzerrungen. Unser praxisorientierter Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung fasst Kennzeichnungsanforderungen, Risikobewertung und notwendige Dokumentation kompakt zusammen und zeigt, welche Fristen jetzt relevant sind. Der kostenlose Download bietet konkrete Checklisten für Entwickler und Betreiber, damit Sie Ihre Produkte rechtssicher und fristgerecht anpassen können. Hier den KI-Umsetzungsleitfaden sichern

@ boerse-global.de