Europa ringt bei Cloud, KI und Co. um UnabhÀngigkeit
18.11.2025 - 06:35:04Wichtige Daten liegen in der Cloud bei Google US02079K1079, auf den Rechnern lĂ€uft Microsoft US5949181045 Office und auch die KI wird von US-Firmen dominiert - wie kann sich Europa unabhĂ€ngiger machen von den mĂ€chtigen Unternehmen? Auf höchster politischer Ebene beraten Frankreich und Deutschland heute (Dienstag) in Berlin mit den EU-Digitalministern und der EU-Kommission bei einem sogenannten Gipfel zur europĂ€ischen digitalen SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber dieses Thema.
Thema ist Chefsache
Geplant sind Reden von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron, Diskussionsrunden, VortrÀge und GesprÀche mit Chefs europÀischer Unternehmen. Firmen wie SAP DE0007164600, Telekom oder Siemens DE0007236101 sind vertreten. Erwartet werden nach Angaben des Bundesdigitalministeriums mehr als 1.000 hochrangige GÀste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der digitalen Community.
Das Thema habe wegen der Ă€uĂeren UmstĂ€nde eine ganz neue PrioritĂ€t, hieĂ es aus Regierungskreisen. Es gelte nicht nur, militĂ€risch souverĂ€n zu werden, sondern auch im digitalen Raum.
Investitionen und Kooperationen im Fokus
Im Zuge des Treffens werden zahlreiche AnkĂŒndigungen von Kooperationen und Investitionen deutscher und französischer Unternehmen in verschiedenen Bereichen erwartet. Dabei geht es etwa um Recheninfrastruktur, Quantentechnologie, Gesundheit, Verteidigung oder Drohnen.
"Von diesem Gipfel geht ein klares Signal aus: Wir EuropĂ€er können und wollen bei SchlĂŒsseltechnologien zu den Spitzenreitern gehören", sagte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) vorab. Deutschland und Frankreich wollten Motor fĂŒr mehr europĂ€ische digitale SouverĂ€nitĂ€t sein.
Die Cloud-Frage: UnabhÀngigkeit von US-Anbietern
Ein zentrales Thema ist der Aufbau einer europĂ€ischen Cloud-Infrastruktur fĂŒr sensible Behörden- und Unternehmensdaten. Entscheiden sich Unternehmen oder Organisationen dafĂŒr, Daten in der Cloud zu speichern, landen diese momentan in der Regel auf Servern von Amazon US0231351067 AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud - obwohl es auch Anbieter aus Deutschland wie die Schwarz-Gruppe oder Ionos DE000A3E00M1 gibt.
Laut einer im FrĂŒhsommer veröffentlichten Studie des Branchenverbands Bitkom, nutzen neun von zehn deutschen Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern Cloud-Dienste. 89 Prozent der Betriebe sehen einer weiteren Bitkom-Umfrage zufolge bei sich selbst eine AbhĂ€ngigkeit vom Ausland. Europa sei bei KĂŒnstlicher Intelligenz (KI), Mikroelektronik sowie bei Lösungen fĂŒr Cybersicherheit und die digitale Infrastruktur technologisch abhĂ€ngig, sagte IndustrieprĂ€sident Peter Leibinger vor dem Gipfel.
Nicht nur das Wo - auch das Wie ist entscheidend
Beim Thema digitale SouverÀnitÀt geht es den EuropÀern aber nicht nur um die Frage, von welchem Unternehmen in welchem Land die Daten gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. Wichtig ist auch die Frage, welche gesellschaftlichen Werte - aber auch wirtschaftlichen Interessen - in den cloudbasierten Systemen und den dort integrierten KI-Werkzeugen verankert sind. Das wirkt sich zum Beispiel bei Dokumentenzusammenfassungen, intelligenten Suchen in den Daten oder der automatischen Priorisierung wichtiger Dokumente aus.
Daten in der EU halten und Open Source stÀrken
Nach Angaben aus Regierungskreisen wollen Deutschland und Frankreich bei dem Gipfel die EU-Kommission gemeinsam dazu auffordern, darauf hinzuarbeiten, dass kritische Daten innerhalb der EU verbleiben mĂŒssen und DatenflĂŒsse in der EU fĂŒr die Wirtschaft vereinfacht werden.
AuĂerdem wollen beide Seiten sogenannte Open-Source-Tools fĂŒr die Verwaltung weiterentwickeln und verstĂ€rkt nutzen. Verwiesen wird hier auf Schleswig-Holstein, wo in der Verwaltung Microsoft-Programme wie Outlook, Excel oder Word durch andere Systeme ersetzt werden. Frankreich und Deutschland streben den Angaben zufolge auch eine beschleunigte Umsetzung der sogenannte EUDI-Wallet an, der EU-weiten digitalen Brieftasche, die Ende 2026, Anfang 2027 kommen soll. Eine gemeinsame deutsch-französische Taskforce soll die genannten AktivitĂ€ten koordinieren.

