Widerstand, Berlin

Widerstand aus Berlin: EU blÀst Verteidigungsinitiative ab

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 05:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat wegen des Widerstands von Regierungsvertretern kurzfristig die eigentlich fĂŒr heute geplante GrĂŒndung einer Expertengruppe zur StĂ€rkung der europĂ€ischen Verteidigungspolitik abgesagt.

"Einige Mitgliedstaaten waren der Auffassung, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht der richtige Weg wĂ€re", erklĂ€rte ein EU-Beamter in BrĂŒssel. Nach GesprĂ€chen mit Ministern habe man beschlossen, die Initiative nicht weiterzuverfolgen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatten sich zuvor unter anderem die deutsche und die italienische Regierung gegen die Expertengruppe positioniert. Diese sollte eigentlich unter der Schirmherrschaft von Kallas VorschlĂ€ge erarbeiten, wie LĂŒcken bei Europas konventionellen militĂ€rischen FĂ€higkeiten schneller und wirksamer geschlossen werden können, und dazu einen Bericht mit konkreten Empfehlungen vorlegen. Als Mitglieder waren fĂŒhrende politische und militĂ€rische Vertreter mehrerer EU-Staaten sowie Großbritanniens und der Ukraine vorgesehen. Sie sollten eigentlich an diesem Montagvormittag vorgestellt werden.

Zoff um ZustÀndigkeiten

Zu den genauen GrĂŒnden fĂŒr die deutsche Ablehnung der Expertengruppe gab es zunĂ€chst keine offiziellen Angaben. Als ein möglicher Grund gilt, dass die Bundesregierung Kallas zuletzt eher kritisch gegenĂŒberstand und bei verteidigungspolitischen Fragen auf die Planungsprozesse in der Nato setzen will. So wirbt Berlin derzeit auch dafĂŒr, große Teile des von Kallas gefĂŒhrten AuswĂ€rtigen Dienstes mit der EU-Kommission zu verschmelzen.

Aus dem AuswĂ€rtigen Dienst hieß es unterdessen, man wolle bei dem Thema Verteidigung nicht lockerlassen, und es sollten nun neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit EU-Staaten geprĂŒft werden. "An der Diagnose hat sich nichts geĂ€ndert: Europa muss bei der Verteidigung schneller vorankommen", sagte der Beamte. "Wir möchten nicht in einigen Jahren zurĂŒckblicken und feststellen, dass Europa so sehr darauf konzentriert war, wo es 2035 stehen muss, dass es versĂ€umt hat, das zu tun, was 2027 notwendig gewesen wĂ€re."

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