WDH / ROUNDUP / EU-Kommission: Medikamentenproduktion in Europa soll steigen
12.03.2025 - 11:49:55Im letzten Absatz wurde Gabriele Overwiening als ABDA-PrÀsidentin bezeichnet, sie ist jedoch PrÀsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Die Position der Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbÀnde (ABDA) wurde ergÀnzt.)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Damit die Menschen in Europa zuverlĂ€ssig mit teils lebenswichtigen Medikamenten versorgt werden können, sollen in der EU mehr Medikamente hergestellt werden. Die Produktion von Arzneimitteln soll kĂŒnftig von schnelleren Genehmigungsverfahren profitieren und einfacher mit öffentlichen Geldern unterstĂŒtzt werden können, wie die Behörde mitteilte. Bevor die Regeln in Kraft treten können, mĂŒssen das Europaparlament und die EU-Staaten dem Vorschlag der EU-Kommission zustimmen.
"In den vergangenen Jahren waren die Mitgliedstaaten mit einem ernsten Mangel an Medikamenten konfrontiert", so die EU-Kommission. Betroffen waren etwa Schmerzmittel, Antibiotika oder FiebersĂ€fte fĂŒr Kinder.
Nach Kommissionsangaben gibt es viele GrĂŒnde, warum es in der EU in den vergangenen Jahren Versorgungsprobleme gab. Darunter seien etwa EngpĂ€sse bei Wirkstoffen. Aber auch, dass sich die Produktion in einigen wenigen LĂ€ndern konzentriere, trage zu den Problemen bei.
Ulrike Holzgrabe, Pharmazie-Professorin an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg, sagte, es gebe eine "sehr rigide Umweltgesetzgebung", die die Herstellung in Europa erschwere. So habe etwa die Chemieindustrie in Deutschland wichtige Herstellungszweige aus UmweltgrĂŒnden stillgelegt.
80 bis 90 Prozent der Medikamente aus Asien
Derzeit stammen nach Angaben von EU-Gesundheitsministern 80 bis 90 Prozent der Medikamente in Europa aus Asien, vor allem aus China. Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und zehn seiner Kollegen aus anderen EU-Staaten hatten jĂŒngst vor gefĂ€hrlichen Auswirkungen auf Routineeingriffe und eigentlich leicht behandelbare Infektionen gewarnt, sollten im Konfliktfall Lieferketten unterbrochen werden. Sie fordern, Teile der milliardenschweren AufrĂŒstungsplĂ€ne fĂŒr Medikamentensicherheit auszugeben.
Entlastung fĂŒr das Gesundheitswesen
Auch medizinisches Personal soll durch das Gesetz entlastet werden können. "Da gibt es Leute, die haben fĂŒnfzig Prozent ihrer Arbeitszeit nur noch damit zu tun, zu gucken: Wo kriege ich irgendwas her, wo kriege ich ein Medikament, das vielleicht einsetzbar ist als Alternative?", sagte der EU-Abgeordnete Peter Liese (CDU). Wenn man die komplette Produktion eines Medikaments nach Europa verlagerte, wĂŒrde das zwar Geld kosten, so Liese, "aber ich bin ĂŒberzeugt, dass das Gesundheitssystem unterm Strich Kosten einsparen wird."
Apotheker wollen Alternativen selbst vorschlagen dĂŒrfen
Die PrĂ€sidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele Overwiening, sprach sich dafĂŒr aus, dass Apotheker kĂŒnftig selbst Alternativen fĂŒr vergriffene Arzneimittel vorschlagen dĂŒrfen. Bislang ist dafĂŒr ein Rezept vom Arzt nötig. Patienten mĂŒssten mitunter mehrmals zu Arzt und Apotheke, ehe sie ein geeignetes Medikament erhielten. Die Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde (ABDA) vertritt die gleiche Linie und fordert mehr Entscheidungskompetenz und Handlungsspielraum fĂŒr Apotheken.

