WDH: Feuchtwarmes Wetter macht Ăko-Winzern zu schaffen
05.08.2024 - 18:51:16Satz: "enormer" (statt: "enormen").)
MAINZ (dpa-AFX) - Die Wetterkapriolen des Sommers machen vor allem den Ăko-Winzern in Deutschland zu schaffen. "Es ist sehr schwer dieses Jahr", sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Ăkologischer Weinbau Ecovin, Georg Forster, mit Blick auf die sich ausbreitende Pilzkrankheit Falscher Mehltau. "Der klassische Gewitterregen in der Nacht bei 20 Grad ist der Super-GAU fĂŒr die Rebe."
Aus der feucht-warmen Witterung habe sich "ein enormer Pilzdruck im Weinberg" ergeben, sagt auch der GeneralsekretĂ€r des Deutschen Weinbauverbands, Christian Schwörer. "Insbesondere die Ăko-Winzer stehen dieses Jahr erneut unter erheblichen Herausforderungen."
"Die Pflanzengesundheit zu erhalten, war auch fĂŒr konventionelle Betriebe herausfordernd", berichtet Ernst BĂŒscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim. "Auch der Echte Mehltau war dieses Jahr ein Problem." Weil konventionelle Betriebe aber andere und lĂ€nger wirksame Mittel gegen die Pilze einsetzen dĂŒrften als Ăko-Winzer, hĂ€tten es die meisten gut in den Griff bekommen.
Das Wetter hat auch sein Gutes
"Die warmen Temperaturen in Verbindung mit der guten Wasserversorgung lieĂen die Reben in den letzten Wochen sehr gut wachsen, sodass die Winzerinnen und Winzer derzeit sehr intensiv mit Laubarbeiten beschĂ€ftigt sind", sagt BĂŒscher. Die allgemeine Reifeentwicklung der Trauben sei ebenfalls gut.
Die Schwierigkeit im ökologischen Weinbau liege in Jahren wie diesem darin, "dass die zugelassenen naturstofflichen Pflanzenschutzmittel prĂ€ventiv angewandt werden mĂŒssen, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten", erklĂ€rt der biodynamische Anbauverband Demeter. "Auch werden sie durch starke RegenfĂ€lle wieder abgewaschen." Besonders auffĂ€llig ist nach Darstellung von Demeter, dass Regionen und FlĂ€chen, die im FrĂŒhjahr von SpĂ€tfrösten stark geschĂ€digt wurden, jetzt auch eher anfĂ€llig fĂŒr Krankheiten seien.
Frost und Sonnenbrand kommen zu Falschem und Echtem Mehltau hinzu
Frost habe in manchen Weinregionen zu Mengenverlusten und mehr Arbeit gefĂŒhrt, sagt Schwörer. "Das ist eine bittere Pille." Die von Frost betroffenen Winzer und Winzerinnen mĂŒssten trotz ErnteausfĂ€llen ihre Weinberge mit Blick auf den nĂ€chsten Jahrgang normal bearbeiten.
In einigen Regionen drohe auch Sonnenbrand. Und solange noch Gefahr von Echtem Mehltau bestehe, seien kĂŒhle NĂ€chte mit nachfolgendem Morgentau kritisch, mahnt Schwörer.
Der Einsatz von Kupfer wirke bei den Wetterkapriolen bestenfalls noch in extremen Mengen, sei in Deutschland aber auf drei Kilogramm pro Jahr und Hektar begrenzt, schildert Forster die besonderen Probleme der Ăko-Winzer. Andere europĂ€ische LĂ€nder dĂŒrften in Extrem-Jahren wie diesem aber bis zu sechs Kilogramm Kupfer ausbringen. Daher laufe- wegen der Gleichbehandlung - auf EU-Ebene ein Antrag, ebenfallsmehr Kupfer verwenden zu dĂŒrfen.
Die im Bio-Weinbau erlaubte Kupfermenge reicht nicht
Dies könne aber bestenfalls ein Ansatz fĂŒr 2025 sein. "Die Trauben gehen ja schon in die Reife ĂŒber." Ziel sei es zudem, möglichst wenig Kupfer einzusetzen, obwohl dieses im lebendigen Boden seine ToxizitĂ€t verliere.
Die Ăko-Winzer machen sich zugleich fĂŒr die Wiederzulassung des seit 2013 verbotenen Kalium-Phosphonat (KP) stark. "Die Phosphor-Ionen wĂ€ren das Einzige, was noch helfen könnte", sagt Forster. Dabei stirbt der Pilz ab, und gleichzeitig werde eine Abwehrreaktion bewirkt, damit sich die Pflanze auf lĂ€ngere Zeit gegen den Befall wehren könne.
In ökologischen Betrieben werde dies - wenn es erlaubt ist - nur zweimal im Jahr gemacht und nur in die BlĂŒte gespritzt, sodass bei der Lese keine RĂŒckstĂ€nde in der Traube mehr zu finden seien, sagt Forster. KP werde zwar chemisch-synthetisch hergestellt, aber nur, weil es in der Natur - wo es auch vorkomme - nicht abgebaut werden könne.
"2021 war auch so ein schlimmes Jahr wie 2024", sagte Forster. Seither richteten die Ăko-Winzer von Ecovin den Blick noch stĂ€rker auf die GesundheitsstĂ€rkung der Reben. Denn: "Die SchĂ€dlinge gehen nur an die schwĂ€chsten Pflanzen." Dabei gehe es um NĂ€hrstoffe und Spurenelemente wie Bor. "Der Zustand des Bodens ist das allein Entscheidende. Er ist so wichtig wie der Darm fĂŒr das Immunsystem des Menschen."

