Wieland, Vorbild

Wieland: Vorbild für moderne Tarifbindung in der Metallindustrie

16.03.2026 - 01:51:21 | boerse-global.de

Die Wieland-Gruppe hat erfolgreich ein Entgeltrahmenabkommen eingeführt und ist in den Flächentarif zurückgekehrt. Dies schafft Transparenz, Flexibilität und dient als Blaupause für die Metallbranche.

Wieland: Vorbild für moderne Tarifbindung in der Metallindustrie - Foto: über boerse-global.de
Wieland: Vorbild für moderne Tarifbindung in der Metallindustrie - Foto: über boerse-global.de

Die Wieland-Gruppe hat mit der Einführung des Entgeltrahmenabkommens (ERA) Maßstäbe für moderne Arbeitsbeziehungen gesetzt. Die erfolgreiche Eingruppierung Tausender Mitarbeiter zeigt, wie komplexe Strukturreformen im Schulterschluss mit Betriebsrat und Gewerkschaft gelingen können – ein Modell mit Signalwirkung für die gesamte Branche.

Rückkehr zum Tarifvertrag als strategische Weichenstellung

Die Basis für das ERA-Projekt wurde Ende 2021 gelegt. Damals einigten sich Wieland-Werke AG und IG Metall auf die Wiedereinführung der Metall- und Elektro-Tarifverträge an den Standorten Ulm und Villingen. Ein bedeutender Schritt, denn seit den 1990er Jahren hatte das Unternehmen mit dem hauseigenen Modell „Vergütung mit Ergebnisbeteiligung“ (VME) außerhalb des Flächentarifs operiert. Im Juli 2023 trat Wieland offiziell wieder dem Arbeitgeberverband Südwestmetall bei. Das Ziel laut Unternehmensführung: die Rechtssicherheit des Tarifvertrags mit der Agilität eigener Erfolgsbeteiligungen zu verbinden. Diese Rückkehr machte die umfassende Neubewertung aller Arbeitsplätze nach ERA-Kriterien notwendig.

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Die Mammutaufgabe: Tausende Jobs neu bewerten

Herzstück des ERA-Systems ist die objektive Bewertung von Anforderungen, nicht der persönlichen Stellung. Es durchbricht die traditionelle Trennung zwischen Arbeitern und Angestellten und ordnet jede Position anhand von Wissen, Verantwortung und Belastung in ein einheitliches Raster ein. Bei Wieland bedeutete das die detaillierte Prüfung Tausender Stellenprofile durch Personalabteilung und Betriebsrat. Ein zentrales Versprechen: Kein Mitarbeiter sollte durch die Umstellung finanziell schlechter dastehen. Wo das alte Gehalt über der neuen ERA-Grundlage lag, wurden die Differenzen durch individuelle Zulagen gesichert. So wurde die Standardisierung ohne Gehaltseinbußen für die Belegschaft erreicht.

Mehr Transparenz und neue Flexibilität

Die Vorteile der gelungenen Eingruppierung zeigen sich laut dem Nachhaltigkeitsbericht 2023/24 deutlich. Der Tarifvertrag schafft eine transparente und diskriminierungsfreie Entlohnung. Löhne und Gehälter sind nun streng an die Anforderungen der Stelle und standardisierte Leistungskriterien gekoppelt – ein wirksames Mittel gegen willkürliche Gehaltsunterschiede.

Gleichzeitig brachte die ERA-Einführung wichtige Flexibilisierungen. Die Mitarbeiter profitieren von einer tariflichen 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Das Unternehmen sicherte sich im Gegenzug ein Instrument zur Krisenbewältigung: Ein Zusatztarifvertrag erlaubt es, die Arbeitszeit bei konjunkturellen Einbrüchen vorübergehend auf bis zu 80 Prozent zu reduzieren. Dieses Modell, aktiv vom Betriebsrat mitgetragen, schützt Arbeitsplätze in schwierigen Phasen und stabilisiert die Unternehmensfinanzen.

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Blaupause für die gesamte Metall- und Elektroindustrie

Der Wieland-Erfolg strahlt weit über Ulm hinaus. Gewerkschafter und Arbeitsmarktexperten werten ihn als Bestätigung des deutschen Mitbestimmungsmodells. Die IG Metall hat bereits angekündigt, die Rückkehr weiterer Unternehmen in die Tarifbindung nach dem „Wieland-Modell“ anzustreben.

In Zeiten des akuten Fachkräftemangels wird eine transparente, tarifgebundene Entlohnung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Sie signalisiert faire Arbeitsbedingungen und klare Karrierepfade. Unternehmen ohne Tarifbindung berichten häufig von höheren Fluktuationsraten und größeren Rekrutierungsproblemen. Wielands proaktiver Schritt minimiert diese Risiken und stärkt die Attractivität als Arbeitgeber.

Stabile Basis für digitale und ökologische Transformation

Die etablierte ERA-Struktur erweist sich nun als robustes Fundament für die Zukunft. Während die Produktion durch Digitalisierung und Automatisierung umgekrempelt wird, entstehen ständig neue Jobprofile. Das ERA-Raster ermöglicht es, Positionen wie Automatisierungsspezialisten oder Digitalprozess-Ingenieure nach objektiven Kriterien in das Entgeltsystem zu integrieren.

Stabile Arbeitsbeziehungen sind auch entscheidend für Wielands Großprojekte wie den massiven Ausbau des Kupfer-Recyclings oder das Netto-Null-Emissionsziel bis 2045. Nachdem die Grundfrage der Entlohnung geklärt ist, können sich Belegschaft und Management gemeinsam den technologischen und ökologischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte widmen. Das kooperative Modell von Wieland und IG Metall dürfte die Tarifpolitik in der Region auch 2026 noch prägen.

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