Wienerberger, Aktie

Wienerberger Aktie: 32,52 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 22:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wienerberger unterstützt die EU-Vorschläge zur ETS-Reform, die eine höhere kostenlose CO2-Zuteilung vorsehen. Die Aktie bleibt trotz Tagesgewinn nahe dem Jahrestief.

Wienerberger begrüßt EU-ETS-Reform: Hoffnung für die Aktie?
Abstrakte Darstellung einer modernen Baustelle bei Sonnenuntergang als Symbol für den Bausektor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wienerberger hat sich am Montag positiv zu den jüngsten Vorschlägen der EU-Kommission zur Weiterentwicklung des Emissionshandelssystems ETS geäußert. Vorstandschef Heimo Scheuch bezeichnete das Paket als wichtigen Schritt, der die Wettbewerbsfähigkeit der Branche stärke und zugleich die Dekarbonisierung voranbringe. Der österreichische Baustoffkonzern mit rund 20.000 Mitarbeitern an 200 Standorten reagiert damit auf ein Reformvorhaben, das die Rahmenbedingungen für energieintensive Industrien bis in die 2040er Jahre neu ordnen soll.

Was die EU-Kommission plant

Im Zentrum der Vorschläge steht eine Überarbeitung der Benchmark-Methodik für die Jahre 2026 bis 2030, die Tonziegel, Tonrohre und Keramikfliesen betrifft und nach Darstellung von Wienerberger zu einer höheren kostenlosen Zuteilung von CO2-Zertifikaten führen soll. Nach 2030 soll der Reduktionspfad schrittweiser verlaufen als bislang vorgesehen, ab 2031 sind zudem sektorspezifische Brennstoff-Benchmarks geplant. Ergänzt wird das Paket durch einen ETS-Investmentbooster für den Zeitraum 2027 bis 2030 sowie eine Industrial Decarbonization Bank, die ab 2031 bis 2040 laufen soll. Ab 2036 sollen Unternehmen zusätzlich internationale CO2-Zertifikate nutzen dürfen. Die Hälfte der Einnahmen aus dem Emissionshandel soll in erneuerbare Energien fließen, flankiert von einem Elektrifizierungsaktionsplan.

Wienerberger sieht in dem Paket grundsätzlich positive Signale für die Keramikindustrie, mahnt aber noch offene Fragen an. Unklar bleibt aus Sicht des Unternehmens insbesondere, wie die Bedingungen für die kostenlose Zuteilung konkret ausgestaltet werden und wie die Verknüpfung mit Dekarbonisierungsinvestitionen im Detail funktionieren soll. Für einen Konzern, der 2025 einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro und ein EBITDA von 754 Millionen Euro erwirtschaftete, hängt an der endgültigen Ausgestaltung der Regeln viel: Die Produktion von Ziegeln und Keramikprodukten ist energieintensiv, entsprechend sensibel reagiert die Kostenstruktur auf Änderungen bei CO2-Zertifikaten.

Aktie bleibt unter Druck

Die grundsätzlich unterstützende Haltung zur ETS-Reform ändert wenig an der schwierigen Lage der Aktie. Das Papier notiert am Montag bei 20,58 Euro und legt damit im Tagesverlauf um 1,78 Prozent zu, bewegt sich damit aber weiterhin nur knapp über dem erst am Freitag markierten 52-Wochen-Tief von 19,92 Euro. Seit Jahresbeginn steht für Wienerberger ein Kursverlust von 32,52 Prozent zu Buche – ein Einbruch, der die Aktie deutlich unter ihre gleitenden Durchschnitte der vergangenen 50, 100 und 200 Tage gedrückt hat.

Der jüngste Kursrutsch reiht sich damit in eine Serie negativer Nachrichten der vergangenen Monate ein, in der bereits mehrfach Gewinnwarnungen und gesenkte EBITDA-Ziele im Mittelpunkt standen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Zustimmung zu den EU-Plänen wie ein Silberstreif, der operative Erleichterung bei den CO2-Kosten verspricht – vorausgesetzt, die noch offenen Details der Zuteilungsregeln fallen im weiteren Gesetzgebungsprozess zugunsten der Branche aus. Bis zur endgültigen Verabschiedung der Reform dürfte es allerdings noch dauern, sodass kurzfristige Entlastung für die Bilanz nicht zu erwarten ist.

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