Frankfurt-News, Wochenausblick

Börse Frankfurt-News: Wochenausblick: Finanzpaket versus US-Zölle

24.03.2025 - 12:16:48

Wochenlang hat der DAX von den kĂŒnftigen Mehrausgaben in Milliardenhöhe profitiert.

Jetzt rĂŒcken US-Zölle wieder mehr in den Blick. Allerdings spricht die SaisonalitĂ€t wohl gegen eine echte Trendwende.

24. MĂ€rz 2025. Der DAX hĂ€lt sich auf hohem Niveau, die Zeit der rasanten Kursanstiege scheint aber vorbei. "Dazu beigetragen haben womöglich kritische ?"ußerungen von EZB-Chefin Christine Lagarde zu einem möglichen Handelskrieg mit den USA", bemerkt Ulrich Wortberg von der Helaba. "Madame Lagarde zĂ€hmt den DAX", formuliert es Martin Siegert von der LBBW.

Am Montagmorgen sieht es nach einer kleinen Erholung aus: Der DAX steht bei 23.008 Punkten nach 22.892 ZÀhlern am Freitag zu Handelsschluss. Am Dienstag hatte der Index mit 23.476 Punkten noch ein neues Hoch erreicht. Die US-Börsen schlossen am Freitag leicht im Plus, liegen aber weiterhin deutlich unter den RekordstÀnden.

"Das geplante Schuldenpaket war von den Börsianern wochenlang bejubelt worden", erklĂ€rt Uwe Streich von der LBBW. Die erteilten Vorschusslorbeeren basierten auf der Erwartung, dass die zusĂ€tzlichen Investitionen das heimische BIP-Wachstum deutlich ankurbeln werden - wenngleich wohl erst 2026. "Dem steht jedoch gegenĂŒber, dass die höchst disruptive Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump das Zeug hat, den Welthandel zu lĂ€hmen."

Nebenwerte auf der Überholspur?

DWS-Fondsmanagerin Sabrina Reeh ist dennoch zuversichtlich fĂŒr deutsche Aktien - besonders fĂŒr Nebenwerte. "Die Chancen stehen gut, dass die mehr als drei Jahre andauernde schlechtere Wertentwicklung von Nebenwerten ein Ende finden könnte", meint Reeh. Nebenwerte erzielten im Durchschnitt 30 Prozent ihrer Gewinne im Inland, DAX-Unternehmen dagegen nur 20 Prozent. "Sollte es der neuen Bundesregierung gelingen, die strukturellen Probleme anzugehen und das Wachstum anzukurbeln, dĂŒrften die positiven Effekte bei Nebenwerten stĂ€rker ausfallen als bei den grĂ¶ĂŸtenteils global agierenden Standardwerten." Dazu komme, dass Nebenwerte derzeit sehr niedrig bewertet seien und nicht ganz so stark von US-Zöllen betroffen sein wĂŒrden. Doch auch fĂŒr den DAX ist die DWS optimistisch: Sie hat das Kursziel per MĂ€rz 2026 von 22.500 auf 24.000 Punkte erhöht.

"US-Werte nicht abschreiben"

Jens Herdack von der Weber Bank schaut auf die auseinanderlaufende Entwicklung in Europa und in den USA. "Hatten sich die Investoren zum Beginn der Amtszeit Trumps noch sehr zuversichtlich gezeigt, so reagieren sie inzwischen zunehmend verunsichert", bemerkt er. "Ein erratisches Androhen und ZurĂŒcknehmen von Zöllen, steigende Preise und rĂŒcklĂ€ufige Wachstumserwartungen sind nicht die Zutaten fĂŒr eine erfolgreiche Börsenperformance." Die Bank rĂ€t daher weiter zu einer höheren Quote von europĂ€ischen Aktien bei gleichzeitig leichter Reduzierung von US-Titeln im Portfolio. "Abschreiben wĂŒrden wir die US-Aktien aber nicht", betont Herdack. Denn das voraussichtliche Gewinnwachstum der US-Unternehmen liege vom absoluten Niveau immer noch ĂŒber dem der europĂ€ischen Wettbewerber.

"Kurzfristige Ausblick positiv"

Der technische Analyst Christoph Geyer weist darauf hin, dass große Verfallstermine von Optionen und Futures - wie am vergangenen Freitag - hĂ€ufig zum Generieren einer Trendwende genutzt wĂŒrden. "Allerdings spricht die Statistik der SaisonalitĂ€ten derzeit gegen eine solche Trendwende." Vielmehr stehe nun eine recht positive statistische Phase an. "Auch wenn der DAX frĂŒher oder spĂ€ter eine Korrekturbewegung vollziehen dĂŒrfte, ist der kurzfristige Ausblick durchaus positiv."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 24. MĂ€rz

Indexanpassungen DAX-Familie: Die Anfang MÀrz von Stoxx Ltd., der Indextochter der Deutsche Börse Group, bekannt gegebenen Indexanpassungen treten in Kraft: Renk, flatexDegiro und DWS Group steigen in den MDAX auf. Schott Pharma, Siltronic und Hypoport kommen in den SDAX.

10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex MÀrz.

Dienstag, 25. MĂ€rz

10.00 Uhr. Deutschland: ifo-GeschĂ€ftsklima MĂ€rz. Nach dem Beschluss zu den Sondervermögen Infrastruktur und Verteidigung schnellte der DekaBank zufolge schon die Stimmung der Finanzanalysten in die Höhe. FĂŒr die ifo-Umfrage unter Unternehmen erwartet sie nun ebenfalls einen außergewöhnlich starken Anstieg des GeschĂ€ftsklimas.

Freitag, 28. MĂ€rz

9.55 Uhr. Deutschland: Arbeitslosenzahlen MĂ€rz. WĂ€hrend die deutschen Unternehmen zuversichtlicher in die Zukunft schauten, bauten sie unverĂ€ndert ArbeitsplĂ€tze ab, bemerkt die DekaBank. Mit weniger RĂŒckenwind von der Witterung werde die Zunahme der Arbeitslosenanzahl sogar grĂ¶ĂŸer ausfallen als im Vormonat.

13.30 Uhr. USA: Preisindex Konsumausgaben ohne Nahrungsmittel und Energie Februar. FĂŒr das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß rechnet die Commerzbank mit einem deutlicheren Anstieg als bei den bislang veröffentlichten Verbraucher- und Produzentenpreisen fĂŒr den Februar. Sie prognostiziert fĂŒr die Kernrate ein Plus von 0,33 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat. Auf Jahresbasis hochgerechnet seien das 4 Prozent, also doppelt so viel wie das Inflationsziel der Fed von 2 Prozent.

Von Anna-Maria Borse, 24. MÀrz 2025, © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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