Wohnungsmarkt, Deutschland

Wohnungsmarkt bricht ein: Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen

28.03.2026 - 00:00:35 | boerse-global.de

Experten warnen vor einer historischen Wohnungskrise mit einem Rekorddefizit von 1,4 Millionen Einheiten. Die Neubauzahlen drohen erstmals unter 200.000 zu fallen, während hohe Kosten bezahlbares Bauen verhindern.

Wohnungsmarkt bricht ein: Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen - Foto: über boerse-global.de
Wohnungsmarkt bricht ein: Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen - Foto: über boerse-global.de

Experten warnen auf dem Wohnungsbau-Tag in Berlin vor einer historischen Krise. Das Defizit an Wohnungen erreicht mit 1,4 Millionen Einheiten einen neuen Rekord. Gleichzeitig droht die Zahl der Neubauten in diesem Jahr erstmals unter 200.000 zu fallen – nicht einmal die Hälfte des notwendigen Bedarfs. Die Stimmung auf dem Branchengipfel war von Alarmismus geprägt.

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Neubau bricht ein: Die „rote Linie“ ist gerissen

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen steuert 2026 auf einen neuen Tiefpunkt zu. „Die rote Linie ist gerissen“, sagte IG BAU-Chef Robert Feiger. Die aktuellen Zahlen blieben weit hinter den politischen Zielen zurück. Grund sind eingebrochene Baugenehmigungen und eine Stornierungswelle bei geplanten Projekten.

Fast die Hälfte der Bauunternehmen meldet aktuell einen akuten Auftragsmangel. Hohe Zinsen, explodierende Materialkosten und Investoren-Unsicherheit frieren den Markt ein. Wer heute umziehen muss, hat oft verloren: Das Angebot in Ballungsräumen ist nahezu zum Erliegen gekommen.

Warum bezahlbares Bauen unmöglich wird

Eine neue Studie beziffert die Baukosten in Großstädten auf über 4.630 Euro pro Quadratmeter. Mit Grundstück liegen die Investitionskosten bei rund 5.400 Euro. Das hat direkte Folgen für die Mieten.

„Unter diesen Bedingungen sind mindestens 18 Euro Kaltmiete nötig, damit sich ein Neubau noch rechnet“, erklärt Studienleiter Prof. Dietmar Walberg. Für Durchschnittsverdiener ist dieser Preis unbezahlbar. Ein Paradoxon entsteht: Trotz des gewaltigen Mangels wird nicht gebaut, weil die Mieter die Kosten nicht tragen können.

Überbelegung wird zum Massenphänomen

Die soziale Sprengkraft des Mangels wächst. Rund 9,9 Millionen Menschen leben in überbelegten Wohnungen – 1,4 Millionen mehr als zu Beginn des Jahrzehnts. Fast jedes fünfte Kind wächst in einer zu kleinen Wohnung auf.

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„Überbelegung ist längst kein Randphänomen mehr. Jeder sechste Stadtbewohner lebt auf zu engem Raum“, warnt Arnt von Bodelschwingh vom Forschungsinstitut RegioKontext. Der Mangel wird zur Wirtschaftsbremse, weil Fachkräfte keine Wohnungen finden. Ohne Lösung der Wohnungsfrage werde Deutschland seine Wachstumsschwäche nicht überwinden, so die Experten.

Politik sucht nach Notlösungen

Unter Druck kündigte Bauministerin Verena Hubertz (SPD) an, den „Gebäude-Typ E“ voranzutreiben. Durch vereinfachte Standards sollen die Baukosten unter 3.500 Euro pro Quadratmeter gedrückt werden.

Verbände fordern einen „Sozialen Bund-Länder-Pakt“ für 100.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr. SPD-Chef Lars Klingbeil schlägt sogar eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft vor. Diskutiert wird auch ein Zinsförderprogramm, das Bauzinsen auf ein Prozent senken soll.

Doch eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Da heute die Genehmigungen fehlen, werden die Fertigstellungszahlen auch 2027 und 2028 niedrig bleiben. Der Wohnungsmangel droht sich bis zum Ende des Jahrzehnts zu verfestigen. Der Traum von angemessenem Wohnraum bleibt für Millionen Menschen vorerst unerreichbar.

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