Xiaomi Aktie: Speicherpreise auf das Fünffache
28.06.2026 - 23:56:59 | boerse-global.de
Starke Nachfrage, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Smartphone-Hersteller kämpft mit einem externen Schock, der seine Kostenstruktur fundamental verändert hat. Und ein Ende ist nicht absehbar.
Speicherpreise auf dem Fünffachen
Xiaomi-Präsident Lu Weibing hat das Ausmaß der Kostenexplosion konkret beziffert. Speicherpreise sind seit dem dritten Quartal 2025 auf das Fünffache gestiegen. Bei TV-Display-Speicher sogar auf das Zehnfache.
Der Grund: Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Kapazitäten auf High-Bandwidth-Memory und KI-Chips verlagert. Standard-DRAM wird dadurch knapp. Diese drei Unternehmen kontrollieren mehr als 90 Prozent der weltweiten DRAM-Versorgung — ihr strategischer Schwenk trifft Xiaomi direkt.
Im ersten Quartal 2026 brach der bereinigte Nettogewinn um 43,1 Prozent auf 6,07 Milliarden Yuan ein. Das verfehlte die Analystenerwartung von rund 6,4 Milliarden Yuan deutlich. Der Umsatz sank um 10,9 Prozent auf 99,1 Milliarden Yuan — der erste Jahresvergleichsrückgang seit fast drei Jahren.
Warum Xiaomi besonders hart trifft
Apple und Samsung können Preiserhöhungen an ihre Premiumkunden weitergeben. Xiaomi fehlt dieser Puffer. Das Unternehmen lebt vom Mittelklassesegment — genau dort, wo Margen dünn sind und Kostendruck sofort durchschlägt.
Die Smartphone-Bruttomarge fiel von 12,4 auf 10,1 Prozent. Der Smartphone-Umsatz sank um 12,5 Prozent auf 44,3 Milliarden Yuan. Xiaomi hat darauf reagiert: Günstige Niedrigmargen-Modelle werden gestrichen, Premiumgeräte in den Vordergrund gerückt. Der durchschnittliche Verkaufspreis kletterte auf einen Rekordwert von 1.310 Yuan. Drei aktuelle Modelle erhalten außerdem eine Preiserhöhung von rund 200 Yuan — Oppo, OnePlus und Honor hatten diesen Schritt bereits im März vollzogen.
Analysten uneins, Ausblick trüb
Die Einschätzungen der Banken gehen weit auseinander. Goldman Sachs erwartet für das zweite Quartal einen bereinigten Nettogewinn von 5,4 Milliarden Yuan — etwa halb so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Jahresgewinnschätzung wurde um 12 Prozent auf 32,8 Milliarden Yuan gesenkt. Das Kaufvotum mit einem Kursziel von 40 Hongkong-Dollar bleibt dennoch bestehen. Jefferies sieht das anders: Die Bank stufte die Aktie auf Underperform zurück und nennt ein Ziel von 25,49 Hongkong-Dollar.
Counterpoint Research erwartet, dass die Speicherknappheit bis Ende 2027 anhält. Xiaomis eigenes Management rechnet mit Kostendruck bis 2027 oder 2028. IDC prognostiziert für dieses Jahr einen weltweiten Smartphone-Absatzrückgang von 12,9 Prozent.
Kein Wunder, dass die Aktie unter Druck steht. Der Kurs liegt bei 2,46 Euro — rund 63 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 6,69 Euro. Der RSI notiert bei 19,8 und signalisiert eine stark überverkaufte Lage.
Als Gegengewicht investiert Xiaomi massiv in Forschung. Die F&E-Ausgaben stiegen im ersten Quartal um 33,4 Prozent auf 9,0 Milliarden Yuan. In den nächsten drei Jahren plant das Unternehmen, 60 Milliarden Renminbi in Künstliche Intelligenz zu stecken — allein 2026 rund 16 Milliarden Renminbi.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht für das zweite Quartal, den Xiaomi voraussichtlich am 26. August 2026 vorlegt. Goldman Sachs erwartet dann einen Nettogewinn von 5,4 Milliarden Yuan — ob die Portfoliobereinigung und die Preiserhöhungen die Marge bis dahin stabilisiert haben, wird sich an dieser Zahl ablesen lassen.
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