Zoll, Handel

Zoll und Handel: Neue Regeln treffen Unternehmen ab sofort

01.03.2026 - 08:22:07 | boerse-global.de

Ab heute gelten zentralisierte Luftverkehrsteuer, verschĂ€rfte Meldeverfahren fĂŒr GeldwĂ€sche und digitale Pflichten im Zollportal. Internationale Handelskonflikte und das Ende der 150-Euro-Freigrenze fordern Unternehmen heraus.

Zoll und Handel: Neue Regeln treffen Unternehmen ab sofort - Foto: ĂŒber boerse-global.de
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Ab heute gelten verschĂ€rfte Meldeverfahren, zentralisierte Steuerverwaltung und digitale Pflichten fĂŒr den grenzĂŒberschreitenden Warenverkehr. Gleichzeitig zwingen US-Zölle und die Abschaffung der Freigrenze fĂŒr Online-KĂ€ufe die europĂ€ische Wirtschaft zum Umdenken.

Luftverkehrsteuer jetzt nur noch aus Frankfurt

Eine zentrale Neuerung betrifft die Luftfahrt: Seit dem 1. MĂ€rz 2026 ist das Hauptzollamt Frankfurt am Main allein zustĂ€ndig fĂŒr die Verwaltung der deutschen Luftverkehrsteuer. Alle anderen ZollĂ€mter haben ihre Kompetenzen abgegeben. Das bedeutet fĂŒr Fluggesellschaften und ihre Steuerberater: AntrĂ€ge, ErklĂ€rungen und Zahlungen mĂŒssen ab sofort ausschließlich an die Frankfurter Behörde gerichtet werden.

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Bereits seit dem 28. Februar blockiert das Zoll-Portal automatisch alle digitalen Übermittlungen an die alten, lokalen Stellen. Unternehmen mĂŒssen zudem neue SEPA-Lastschriftmandate speziell fĂŒr das Frankfurter Amt einrichten, um ZahlungsausfĂ€lle zu vermeiden. Ziel der Zentralisierung ist es, Expertise am grĂ¶ĂŸten deutschen Luftfahrt-Drehkreuz zu bĂŒndeln und Prozesse zu straffen. Die Umstellungsphase erfordert jedoch höchste Sorgfalt.

Neue GeldwÀsche-Meldeverordnung in Kraft

Parallel tritt heute die neue GeldwĂ€schemeldeverordnung (GwGMeldV) in Kraft. Sie standardisiert die Meldung verdĂ€chtiger Transaktionen im Außenhandel und bei hochwertigen GĂŒtern. Kern der Reform: Alle Meldungen mĂŒssen nun ĂŒber das goAML-Portal der Financial Intelligence Unit (FIU) in einem strukturierten XML-Format erfolgen.

Rechtsexperten sehen darin einen Schritt zur effizienteren BekĂ€mpfung von GeldwĂ€sche. FĂŒr meldepflichtige Unternehmen steigt jedoch der Aufwand. Die FIU kann unvollstĂ€ndige Meldungen nicht mehr einfach zurĂŒckweisen – die Verantwortung fĂŒr korrekte und vollstĂ€ndige Angaben liegt nun vollstĂ€ndig bei den Unternehmen. VerstĂ¶ĂŸe können zu harten Sanktionen nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG) fĂŒhren. Handelsunternehmen sind aufgefordert, ihre Risikomanagement-Systeme dringend an die neuen Standards anzupassen.

Digitale Pflichten: ATLAS-Update und IAA-Plus-Umzug

Die technische Modernisierung des Zolls schreitet voran. Seit dem 28. Februar ist das Update ATLAS 10.2 live, das unter anderem das zentralisierte Zollabfertigungsverfahren fĂŒr die Einfuhr (CCI) einfĂŒhrt. Ein weiterer Stichtag folgt am 17. MĂ€rz: Dann wird der Dienst IAA-Plus fĂŒr Ausfuhranmeldungen endgĂŒltig vom alten Webauftritt ins zentrale Zoll-Portal migriert. Die alte Website wird abgeschaltet.

Unternehmen mĂŒssen daher umgehend einen verifizierten GeschĂ€ftsaccount im Portal einrichten. Die Authentifizierung erfolgt ĂŒber ELSTER oder ein eIDAS-Zertifikat – die Daten mĂŒssen exakt mit der registrierten EORI-Nummer ĂŒbereinstimmen. Firmen, die das System bereits nutzen, erhielten vereinfachte Registrierungslinks. Wer die Migration verpasst, riskiert ab Mitte MĂ€rz massive Behinderungen im ExportgeschĂ€ft, warnt die Branche.

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Internationale Handelsspannungen und Ende der 150-Euro-Freigrenze

WĂ€hrend Deutschland die Verwaltung digitalisiert, spitzen sich die internationalen Handelskonflikte zu. Nach einem Urteil des US Supreme Courts Ende Februar erließ die US-Regierung am 24. Februar neue Zölle von 15 Prozent auf Basis des Handelsgesetzes von 1974. Die EU reagierte prompt und setzte Verhandlungen ĂŒber Industrieabkommen aus – ein neues Kapitel transatlantischer Handelsreibung.

Gleichzeitig schafft die EuropĂ€ische Union einen lange kritisierten Schlupfloch ab: Ab Juli 2026 entfĂ€llt die zollfreie Einfuhrgrenze von 150 Euro fĂŒr Pakete aus DrittlĂ€ndern. Bisher ermöglichte diese Regelung Missbrauch durch kĂŒnstliche Unterbewertung und Aufsplittung von Sendungen. Als Übergangslösung bis zum Start des EU-Zolldatenhubs wird ein pauschaler Zoll von 3 Euro pro Artikel unter 150 Euro Wert erhoben.

Online-HĂ€ndler und Logistiker stehen vor der Aufgabe, ihre Preismodelle und Lieferketten an die Pauschale und die erweiterte Rolle des Import-One-Stop-Shop (IOSS) fĂŒr die Mehrwertsteuer anzupassen. Die Ära des komplett zollfreien Kleinstpakets aus Übersee geht zu Ende.

AgilitÀt wird zur neuen HandelswÀhrung

Die Regulierungswelle rollt weiter. FĂŒr MĂ€rz 2026 sind Triloge ĂŒber die Einrichtung einer zentralen EU-Zollbehörde geplant, die den langfristigen Rahmen fĂŒr Grenzkontrollen setzen wird. Handelskompliance entwickelt sich vom Verwaltungsakt zur strategischen Kernaufgabe.

Unternehmen, die die XML-Meldestandards proaktiv integrieren, ihren digitalen Zugang zum Zoll-Portal sichern und die finanziellen Auswirkungen der neuen E-Commerce-Abgabe modellieren, werden im komplexen Geflecht des globalen Handels am besten bestehen.

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