Modi empfÀngt Merz in Gandhi-GedenkstÀtte
12.01.2026 - 06:35:00In der Millionenmetropole Ahmedabad besuchten die beiden zuerst eine frĂŒhe WirkungsstĂ€tte des Nationalhelden Mahatma Gandhi.
Dessen "unerschĂŒtterlicher Glaube an die Kraft der Freiheit und die WĂŒrde jedes Menschen inspiriert uns bis heute", schrieb der Kanzler in das GĂ€stebuch des Ashrams, einer MeditationsstĂ€tte, in der Gandhi von 1918 bis 1930 lebte. "Dieses Menschheitserbe verbindet Inder und Deutsche als Freunde in einer Welt, die Gandhis Lehre heute wohl nötiger hat denn je." Der Pazifist Gandhi hat Indien durch gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft zur UnabhĂ€ngigkeit gefĂŒhrt.
Modi und Merz fuhren anschlieĂend im selben Wagen zum traditionellen Drachenfestival, das den Ăbergang vom Winter- zum Sommerhalbjahr markiert und bei dem Tausende Papierdrachen in die Luft steigen. Erst danach beginnen die politischen GesprĂ€che.
Vor Merz waren schon Trump, Xi und Netanjahu in Ahmedabad
Die StraĂen der Stadt mit ihren acht Millionen Einwohnern sind gesĂ€umt von groĂformatigen PlakatwĂ€nden mit den Bildern von Merz und Modi als WillkommensgruĂ an den Kanzler. Dass Modi den Kanzler in seiner Heimat empfĂ€ngt, wird als Zeichen der besonderen WertschĂ€tzung gesehen. Merz ist aber nicht der erste hochrangige Gast dort. Seit seinem Amtsantritt 2014 hat Modi in der fĂŒr ihn so besonderen Stadt US-PrĂ€sident Donald Trump, den chinesischen PrĂ€sidenten Xi Jinping, Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und den frĂŒheren japanischen Regierungschef Shinzo Abe empfangen.
Bei den GesprĂ€chen zwischen Merz und Modi wird es um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen und die RĂŒstungskooperation gehen. Das vielleicht schwierigste Thema wird aber Russland sein.
Modis besonderer Draht zu Putin
Indien pflegt enge Beziehungen sowohl zu westlichen Partnern als auch zu Russland. Erst im Dezember war der russische PrĂ€sident Wladimir Putin in Neu-Delhi und wurde dort von Modi schon am Flughafen mit einer innigen Umarmung begrĂŒĂt. Das Land bezieht einen GroĂteil seines Ăls aus Russland, das wiederum die Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt.
Die russische Invasion hat Indien anders als die meisten anderen LĂ€nder in der UN-Vollversammlung nicht verurteilt. Andererseits könnte Modi mit seinem Draht zu Putin an den diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs mitwirken. Merz dĂŒrfte ĂŒber all das mit Modi sprechen.
China und Japan sind erst spÀter dran
Dass er Indien noch vor Japan und China besucht hat mit der neuen Weltunordnung zu tun, in der bisherige Allianzen wie die zwischen Europa und den USA auf der Kippe stehen. Deutschland will sich in diesen Zeiten mit seinen strategischen Partnerschaften breiter aufstellen.
Dazu gehört auch die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Indien. Es geht vor allem um drei Bereiche:
RĂŒstung: U-Boot-GeschĂ€ft kurz vor dem Abschluss
Die beiden LĂ€nder wollen vor allem im RĂŒstungsbereich enger kooperieren. Ein Prestigeprojekt dĂŒrfte der Bau von sechs U-Booten durch Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) auf einer Werft im indischen Mumbai werden. Das GeschĂ€ft ĂŒber acht Milliarden Euro steht kurz vor dem Abschluss. Im Windschatten könnten weitere RĂŒstungsdeals folgen. Deutschland will so auch die AbhĂ€ngigkeit Indiens von russischen RĂŒstungslieferungen lösen.
Wirtschaft: Warten auf das Freihandelsabkommen
An dieser Stelle ist noch Luft nach oben. Indien ist unter den deutschen Handelspartnern nur auf Platz 23. Einen Schub nach vorn könnte der Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien bringen. Die Verhandlungen darĂŒber begannen vor 18 Jahren und wurden zwischendurch fĂŒr mehrere Jahre unterbrochen. Ein Abschluss bis zu dem fĂŒr Ende Januar geplanten EU-Indien-Gipfel in Neu-Delhi ist bisher noch fraglich.
FachkrÀfte: Schon 170.000 indische ArbeitskrÀfte angeworben
Daneben wird es auch wieder um die Anwerbung von FachkrĂ€ften aus Indien gehen, fĂŒr die schon die Ampel-Regierung im Oktober 2024 eigens eine Strategie beschlossen hat. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschĂ€ftigten Inder in Deutschland ist zwischen 2015 und 2025 nach Angaben der Bundesanstalt fĂŒr Arbeit von knapp 25.000 auf knapp 170.000 gestiegen. Und mit knapp 60.000 kommt die gröĂte Gruppe auslĂ€ndischer Studentinnen und Studenten aus Indien.

