Frankfurt-News, Wochenausblick

Börse Frankfurt-News: Wochenausblick: Verschnaufpause auf hohem Niveau

02.06.2025 - 14:18:28

Zum juristischen Tauziehen um die RechtmĂ€ĂŸigkeit der US-Zölle kommen nun noch neue Abgaben auf US-Importe von Stahl.

Die MÀrkte zeigen sich aber gelassen. Allerdings belaste die Unsicherheit die InvestitionstÀtigkeit der Unternehmen.

2. Juni 2025. Das Zollchaos setzt sich fort, grĂ¶ĂŸere RĂŒcksetzer an den MĂ€rkten bleiben aber aus. "Das Hin und Her sowohl bei den US-Importzöllen fĂŒr die EU als auch bei den US-Gerichtsurteilen zu Trumps Importzöllen bestimmt weiterhin die AktienmĂ€rkte", stellt Thorsten Weinelt von der Commerzbank fest. Gleichzeitig verbessere sich das fundamentale Umfeld, mit Leitzinssenkungen durch die EZB und sich aufhellenden Konjunkturindikatoren. Mit großen SprĂŒngen nach oben rechnet er dennoch nicht: "Nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Wochen erwarten wir nun erst einmal eine Verschnaufpause an den AktienmĂ€rkten auf hohem Niveau."

Am Montagmorgen steht der DAX bei knapp 23.900 Punkten nach 23.997 am Freitag zu Handelsschluss - und 24.326 Punkten im Allzeithoch vergangene Woche. Die US-Börsen waren am Freitag kaum verÀndert ins Wochenende gegangen.

"Big beautiful bill" als nÀchste Baustelle

Auch nach EinschĂ€tzung von Claudia Windt von der Helaba zeigen sich die AktienmĂ€rkte erstaunlich stabil. "Die Anleger scheinen weiterhin auf ein Positivszenario bezĂŒglich der Zölle zu setzen", vermutet sie. Allerdings arbeite sich die bereits verursachte Unsicherheit schon durch die Wirtschaft und belaste die Investitionsentscheidungen der Unternehmen. Die SteuersenkungsplĂ€ne von Trumps "big beautiful bill" sieht sie als nĂ€chste Baustelle, die sich als Belastung fĂŒr die Staatsfinanzen und den Rentenmarkt erweisen könnten.

"Treten auf der Stelle, auf hohem Niveau"

"Börsen waren schon immer nachrichtengetrieben. Was sich derzeit allerdings ereignet, ist eher ungewöhnlich", kommentiert der technische Analyst Christoph Geyer mit Blick auf die US-Zollpolitik. Der DAX wirke inzwischen aber eher unbeeindruckt von diesem Hin und Her. Vergangene Woche habe der Index zwar auf der Stelle getreten, allerdings auf hohem Niveau. Die alte Widerstandszone diene nun als UnterstĂŒtzung. "Auch wenn die Indikatoren zum Teil mit Verkaufssignalen aufwarten, kommt der Index noch nicht unter Druck", bemerkt Geyer. Die vergleichsweise hohen UmsĂ€tze am Freitag deuteten aber auf eine gestiegene NervositĂ€t hin. "Die kurzfristige Tendenz dĂŒrfte auch vom Treffen von Bundeskanzler Merz mit US-PrĂ€sident Trump abhĂ€ngen."

Zinssenkung fest eingeplant

Neben dem Treffen von Merz und Trump gibt es diese Woche noch einen wichtigen politischen Termin: Am heutigen Montag kommt es in Istanbul zu einer zweiten Runde der direkten Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine ĂŒber ein Ende des Krieges.

Eher unspektakulĂ€r dĂŒrfte der Zinsentscheid der EuropĂ€ischen Zentralbank am Donnerstag sein. "Marktkonsens ist, dass die EZB die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte senkt", erklĂ€rt die Deutsche Bank. Trotz inzwischen bereits acht Zinssenkungen im aktuellen Lockerungszyklus sprĂ€chen die rĂŒcklĂ€ufige Inflation und das weiterhin schwache Wirtschaftswachstum dafĂŒr. "Die ZinsterminmĂ€rkte gehen zumindest von einem weiteren Zinsschritt bis zum Jahresende aus, wobei eine Zinspause im Juli erwartet wird."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 3. Juni

11.00 Uhr. Eurozone: Verbraucherpreise Mai. Die DekaBank rechnet mit einem weiteren RĂŒckgang der Inflation, und zwar von 2,2 Prozent im April auf 1,9 Prozent im Mai.

Mittwoch, 4. Juni

IndexĂŒberprĂŒfung. Die Deutsche Börse Group prĂŒft turnusgemĂ€ĂŸ die Zusammensetzung der DAX-Indizes. Das Ergebnis wird nach US-Börsenschluss bekannt gegeben.

Donnerstag, 5. Juni

8.00 Uhr. Deutschland: AuftragseingĂ€nge Industrie April. Die AuftragseingĂ€nge dĂŒrften merklich zurĂŒckgegangen sein, meint die Commerzbank. Allerdings werde der RĂŒckgang kleiner ausfallen als der krĂ€ftige Anstieg vom MĂ€rz. Insgesamt werde sich zeigen, dass die deutsche Industrie den konjunkturellen Tiefpunkt durchschritten habe.

14.15 Uhr. Eurozone: EZB-Zinsentscheid. Am Markt wird fest davon ausgegangen, dass die EZB die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte senken wird.

Freitag, 6. Juni

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion April. Zuletzt profitierte die deutsche Industrie der DekaBank zufolge von vorgezogenen KÀufen der US-Importeure. Da diese Sonderkonjunktur auslaufe, sei die Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe im April wohl gesunken.

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenzahlen Mai. Nach einem robusten Bericht fĂŒr den April deuten die Prognosen fĂŒr Mai laut Deutscher Bank auf eine moderate AbschwĂ€chung hin. Die US-Wirtschaft habe wohl lediglich 130.000 neue Stellen geschaffen gegenĂŒber 177.000 im Vormonat. Die Arbeitslosenquote werde wohl bei 4,2 Prozent verharren.

von: Anna-Maria Borse, 2. Juni 2025, © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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