Finanzierung/Investitionen, Ergebnisse

Solarhersteller Meyer Burger plant Schließung von Werk in Sachsen

23.02.2024 - 11:27:26 | dpa.de

ZunĂ€chst waren es Drohungen, jetzt ist es offiziell: Das Solarunternehmen Meyer Burger CH0027700852 will sein Werk im sĂ€chsischen Freiberg schließen.

Die Schließung solle schrittweise erfolgen, teilte das Schweizer Unternehmen am Freitag mit. ZunĂ€chst werde die Produktion in der ersten MĂ€rzhĂ€lfte eingestellt. Davon verspreche sich das Unternehmen erhebliche Einsparungen ab April. Die Schließung soll dann Ende April in Kraft treten.

Stattdessen will der Solarmodulhersteller nach eigenen Angaben die Produktion in den USA hochfahren. Auch diesen Schritt hatte Meyer Burger immer wieder in den Raum gestellt. Den Schritt begrĂŒndete die Gruppe damit, dass es "noch keine Entscheidung ĂŒber politische UnterstĂŒtzungsmaßnahmen zur Behebung der aktuellen Marktverzerrungen durch Überangebot und Dumpingpreise bei Solarmodulen gibt".

Meyer Burger besitzt mit der Fabrik in Freiberg nach eigenen Angaben den grĂ¶ĂŸten Betrieb fĂŒr die Solarmodulproduktion in Europa. 500 ArbeitskrĂ€fte sind an dem Standort beschĂ€ftigt. Auch andere Solarhersteller hatten mit Werksschließungen gedroht: China ĂŒberschwemme mit Preisdumping den Markt fĂŒr Solarmodule, und zum Erhalt der Branche in Deutschland sei eine finanzielle UnterstĂŒtzung des Staats nötig.

"Unhaltbare Verluste"

Anfang des Jahres hatte Meyer Burger einen Plan vorgestellt, um die "unhaltbaren Verluste" in Europa zu verringern und sich auf die USA zu konzentrieren. Nun könne das Unternehmen konkrete Fortschritte bekanntgeben, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Gunter Erfurt. Die geplante Kapitalerhöhung sei ein attraktiver Vorschlag fĂŒr Investoren, "da sie in das hochprofitable US-GeschĂ€ft investieren können, wo wir ein einzigartiges Angebot haben, das durch langfristige Abnahmeverpflichtungen und das Potenzial fĂŒr starkes Wachstum gestĂŒtzt wird". Zudem mache die stĂ€rkere Fokussierung auf das US-GeschĂ€ft das Unternehmen unabhĂ€ngig von politischen Entscheidungen in Europa.

Die geplante Kapitalerhöhung - wenn sie denn von der außerordentlichen Generalversammlung genehmigt werde - komme die AktionĂ€re teuer zu stehen, hieß es indes von der Bank Baader Helvea.

Die Analysten der ZKB gehen zudem davon aus, dass Meyer Burger die neuen Aktien zum Nominalwert emittieren mĂŒsse, was 4-5 Milliarden neue Aktien und damit eine VerwĂ€sserung von 110 bis 140 Prozent bedeuten wĂŒrde - sofern die Aktien platziert werden könnten. Es sei nicht garantiert, ob die geplanten Kapitalmaßnahmen alle erfolgreich umgesetzt werden könnten. Neben der Kapitalerhöhung strebt das Unternehmen noch ein Darlehen vom US-Energieministerium sowie ein Darlehen aus der erwarteten Steuerersparnis in den USA an.

Wegen der niedrigen Preise der Konkurrenz habe vor allem das vergangene Jahr völlig hinter den Erwartungen des Unternehmens gelegen, hieß es vom Unternehmen. Subventionen bei der Solarmodulherstellung in China hĂ€tten zu einer gravierenden Marktverzerrung gefĂŒhrt. Nun nĂ€hert sich Meyer Burger der Eröffnung einer Modulfabrik im US-Bundesstaat Colorado.

Der sĂ€chsische MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer sieht die Bundesregierung in der Pflicht. "Es ist unertrĂ€glich, dass trotz Solarboom die deutsche Industrie so in BedrĂ€ngnis gerĂ€t. Wir haben als deutsche MinisterprĂ€sidenten einen konkreten Vorschlag fĂŒr den Schutz der heimischen Wirtschaft unterbreitet", sagte der CDU-Politiker.

Die Bundesregierung mĂŒsse sich jetzt auf einen Bonus fĂŒr die Solarindustrie einigen, sagte Kretschmer. Es stĂŒnden viele ArbeitsplĂ€tze auf dem Spiel. Sowohl Niedrigpreise aus China als auch eine Handelsblockade der USA fĂŒr chinesische Solarpaneele seien die Ursache der Krise.

Der Aktienkurs von Meyer Burger fiel am Vormittag um fast vier Prozent auf 0,087 Franken. Die Aktie setzte damit die Talfahrt der Vormonate fort. Hatte sie im Sommer noch bei 0,60 Franken notiert.

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