Internationales, Nawalny-Gedenken

Internationales Nawalny-Gedenken - Russland am Pranger

16.02.2026 - 05:59:26 | dpa.de

Zwei Jahre nach dem Tod des Kremlgegners Alexej Nawalny erinnern heute in Russland und anderen LĂ€ndern Menschen an den OppositionsfĂŒhrer.

Nach Angaben des im auslÀndischen Exil arbeitenden Nawalny-Teams sind Gedenkveranstaltungen in mehr als 20 Staaten geplant. Allein in Deutschland wird in einem Dutzend StÀdten, darunter in Berlin, Hamburg und Leipzig, an den am 16. Februar 2024 in einem Straflager in der Arktisregion zu Tode gequÀlten Gegner des russischen PrÀsidenten Wladimir Putin erinnert.

Am Borissowskoje-Friedhof in Moskau, wo Nawalnys Grab ist, können Menschen Blumen niederlegen. Kundgebungen in Russland sind verboten.

Julia Nawalnaja, die Witwe des Politikers, wirft Putin Mord vor. Nawalnaja, die die politische Arbeit ihres Mannes fortsetzt, geht davon aus, dass ihr Mann nach mehreren misslungenen AnschlĂ€gen mit einem Nervengift im Straflager getötet wurde. Schon 2020 hatte Nawalny knapp ein Attentat mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok ĂŒberlebt.

Minister Wadephuhl spricht von Vergiftung

Nawalnaja hatte am Samstag in MĂŒnchen Laborergebnisse bekanntgegeben, denen zufolge ihr Mann mit einem Nervengift getötet worden sein soll. Man habe nun den Beweis, dass Putin ein Mörder sei, sagte sie am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) zeigte sich schockiert, er sprach von Vergiftung. Nawalnaja will nach eigenen Angaben heute bei einer Kundgebung in Paris auftreten.

Die russischen Behörden behaupten, dass Nawalny eines natĂŒrlichen Todes gestorben sei. Sie hatten seine Leiche trotz Bitten von Nawalnys Mutter tagelang nicht herausgegeben. Deshalb wurde befĂŒrchtet, dass etwaige Giftspuren womöglich nicht mehr nachgewiesen werden können. Unklar ist, wie die Gewebeproben Nawalnys in den Westen gelangt sind.

Amnesty fordert AufklÀrung der TodesumstÀnde

Menschenrechtler kritisieren, dass es in Russland keine AufklĂ€rung gab. "Bis heute vertuschen die russischen Behörden die UmstĂ€nde seines Todes", erklĂ€rt Julia Duchrow, GeneralsekretĂ€rin von Amnesty International in Deutschland. Zugleich fĂŒhre der Machtapparat eine "gnadenlose Kampagne" gegen AnhĂ€nger Nawalnys. Seine AnwĂ€lte sind inhaftiert. "Diese systematische Repression zeigt, wie kompromisslos der russische Staat gegen jede Form friedlicher Kritik vorgeht", sagte sie. Jede Regierungskritik werde kriminalisiert. Duchrow appellierte an die russischen Behörden, die Inhaftierten freizulassen und "ungerechtfertigte Verurteilungen" aufzuheben. Zugleich forderte sie die Bundesregierung dazu auf, politisch verfolgten Menschen aus Russland etwa durch flexible Visa- und Aufenthaltsregelungen zu helfen.

Tausende politische Gefangene

Nawalny war einer von Tausenden politischen Gefangenen in Russland, von denen Putin bisher nur einige im Tausch mit im Westen inhaftierten Russen freigelassen hat. Menschenrechtler sehen viele Gefangene in Lebensgefahr in den russischen Straflagern - aufgrund von Folter oder anderer als menschenunwĂŒrdig kritisierten UmstĂ€nde.

Die Menschenrechtsorganisation Memorial geht davon aus, dass Russland mindestens 5.027 Menschen wegen politischer Motive in Gefangenschaft hĂ€lt. Memorial fĂŒhrt eine namentliche Liste. "Das ist eine minimale SchĂ€tzung. Wir gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit mindestens doppelt so viele Gefangene geben könnte", hieß es in einer Mitteilung.

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