Adidas Aktie: Charttechnik schlägt Zahlen
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 19:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Rekordumsatz, eine angehobene Jahresprognose – und trotzdem geht es an der Börse abwärts. Die Adidas-Aktie zählt am Donnerstag erneut zu den schwächsten Werten im DAX und verliert zeitweise fast drei Prozent auf rund 143 Euro. Konkrete Neuigkeiten, die den überdurchschnittlichen Rückgang erklären, gibt es nicht – im Gegenteil: Erst am Mittwoch hatte RBC Capital Markets seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 200 Euro bestätigt.
Gute Zahlen, schwache Reaktion
Im Quartalsbericht Ende Juli hatte Adidas einen Rekordumsatz von 6,74 Milliarden Euro gemeldet, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Betriebsergebnis kletterte um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro. Die operative Marge rutschte jedoch von 9,2 auf 8,5 Prozent ab, belastet von Marketingausgaben rund um die Fußball-Weltmeisterschaft.
Der Konzern hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf ein Plus von 9 bis 10 Prozent an, ließ das Ziel beim Betriebsergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro aber unverändert. Genau diese Kombination – solide Erlöse, verwundbare Marge – prägt seither die Debatte um die Aktie. UBS stufte das Papier bereits Anfang August von "Kaufen" auf "Hold" zurück und senkte das Kursziel von 219 auf 173 Euro.
Verschärft wurde die Stimmung durch einen Kurseinbruch bei Lululemon in der vergangenen Woche. Die US-Aktie brach um knapp 18 Prozent ein, nachdem das Geschäft in den USA um 8 Prozent geschrumpft war und auch China enttäuschte. Die Furcht vor einer branchenweiten Nachfrageschwäche schwappte auf die gesamte Sportartikelbranche über.
Der Chart sendet Warnsignale
Gegenüber dem Jahresauftakt notiert die Aktie mit einem Minus von fast 16 Prozent, gegenüber dem Stand vor einem Jahr sind es über 20 Prozent. Seit den Allzeithochs von 2021 verläuft die Aktie in einem übergeordneten Abwärtstrend, der zwischenzeitlich von einer Erholung auf über 250 Euro unterbrochen wurde. Seit dem Jahreswechsel 2024/25 hat sich dieser Abwärtstrend jedoch wieder durchgesetzt.
Im Bereich von 180 Euro bildete sich zuletzt ein Rounding-Top, nachdem der Relative-Stärke-Index zuvor überkauft war und bearishe Divergenzen lieferte. Die gleitenden Durchschnittslinien, die im Juni noch ein Kaufsignal geliefert hatten, wurden inzwischen wieder unterschritten. Mit den jüngsten Verlusten setzt die Aktie nun auf der Unterstützung zwischen 140 und 142,50 Euro auf.
Fällt diese Marke, drohen die bisherigen Jahrestiefs bei 130 Euro erneut angelaufen zu werden. Darunter fehlen belastbare Unterstützungen bis in den Bereich von 100 Euro. Neue Kaufsignale zur Oberseite würden erst oberhalb der 50-Tage-Linie bei rund 165 Euro entstehen.
Günstige Bewertung schützt nicht vor dem Trend
Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,5 für 2026 und 12,5 für 2027 ist Adidas im Branchenvergleich günstig bewertet. Das allein reicht aber nicht, um den Abwärtstrend zu brechen, solange das Branchenumfeld schwierig bleibt. Hohe Lebenshaltungskosten, ein nachlassender Athleisure-Trend und wachsender Wettbewerb durch neue Marken setzen die Margen der gesamten Sportartikelbranche unter Druck.
Ob sich die von RBC beschriebene Stabilisierung in China tatsächlich in den Zahlen niederschlägt, dürfte sich erst mit dem nächsten Quartalsbericht zeigen. Bis dahin bleibt die 140-Euro-Marke die Linie, an der sich entscheidet, ob der aktuelle Rückgang eine Verschnaufpause bleibt oder sich zu einem erneuten Test der Jahrestiefs ausweitet.
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