Airbus Aktie: Abstimmung über Streik-Aussetzung
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 17:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Airbus in Spanien steht heute eine Abstimmung an, die den seit Wochen andauernden Arbeitskampf beenden könnte. Beschäftigte, organisiert in den Gewerkschaften CCOO, UGT und ÚTIL, entscheiden darüber, ob sie den unbefristeten Streik nach einem neuen Angebot des Unternehmens aussetzen.
Der Vorschlag sieht Lohnerhöhungen gekoppelt an die Verbraucherpreisentwicklung sowie die Rücknahme einer Berufung vor dem Obersten Gerichtshof zur Kontrolle von Fehlzeiten vor.
Die Personalie flankiert die Verhandlungen: Mit Soledad Muñoz übernahm bereits am 18. August eine neue Personalchefin für Spanien, die Antonio Lasada nach mehr als zehn Jahren im Amt ablöst. Der Wechsel fällt mitten in die laufenden Tarifgespräche.
Konzernweite Zugeständnisse bei der Präsenzpflicht
Der spanische Konflikt ist Teil eines breiteren Musters. Airbus hat vergangene Woche seine ursprünglich verschärfte Präsenzpflicht am Arbeitsplatz entschärft: Statt des zunächst geplanten einen Homeoffice-Tages dürfen Beschäftigte künftig im Schnitt zwei Tage pro Woche remote arbeiten.
Vorausgegangen waren Streiks und Proteste in Spanien, Frankreich und Großbritannien. Der Rückzieher zeigt, wie stark der Konzern den Widerstand der Belegschaft in mehreren Kernmärkten zugleich moderieren musste.
Operatives Geschäft läuft trotz Unruhen weiter
Während die Tarifgespräche die Schlagzeilen dominieren, hält der operative Betrieb sein Tempo. Bis Juli erreichte Airbus 418 ausgelieferte Flugzeuge im laufenden Jahr, allein im Juli kamen 67 Maschinen hinzu, begleitet von 204 Bruttobestellungen – darunter ein Großauftrag von SMBC Aviation Capital über 100 Jets der A320neo-Familie.
Auch die Bangladesh-Fluglinie Biman soll laut Medienberichten kurz vor dem Abschluss eines Auftrags über zehn Airbus-Maschinen stehen, vier A350-900 und sechs A321neo, ein möglicher Bruch mit der bisherigen reinen Boeing-Flotte.
Beim strategisch wichtigen A350F-Frachter zieht Airbus den Erstflug auf die dritte Augustwoche vor September vor, um den Zertifizierungs- und Auslieferungsplan für 2027 zu sichern. In Belfast läuft parallel der Ausbau der Flügelfertigung für das A220-Programm, mit dem Ziel, bis 2028 monatlich 13 Maschinen zu produzieren.
Kursreaktion bleibt verhalten
Am Devisen- und Aktienmarkt zeigt sich das Papier von den Personalkonflikten bislang unbeeindruckt. Die Aktie notiert aktuell bei 204,30 Euro, ein Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 203,50 Euro.
Auf Sicht von sieben Handelstagen steht dennoch ein Minus von 4,5 Prozent zu Buche, was den Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro auf 7,7 Prozent vergrößert hat.
Mitte August hatte Morgan Stanley sein Kursziel für Airbus von 227 auf 255 Euro angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt, mit Verweis auf verbesserte operative Ausführung und eine attraktive Bewertung. Dem stand eine Herabstufung durch das Analysehaus Sadif Investment Analytics auf „Hold“ gegenüber, verbunden mit einer Senkung des Kursziels.
Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Operativ liefert Airbus solide Zahlen und wichtige Programmfortschritte, während die Belegschaft in mehreren Ländern weiter um Arbeitsbedingungen ringt. Die heutige Abstimmung in Spanien dürfte zeigen, ob sich der Konflikt kurzfristig entschärfen lässt.
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