Airbus Aktie: Guillaume Faury kippt PrÀsenzplan
Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 17:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Airbus-Chef Guillaume Faury hat seinen Plan für eine Verschärfung der Präsenzpflicht am Freitag gekippt. Statt der ursprünglich für September vorgesehenen Beschränkung auf einen Homeoffice-Tag pro Woche dürfen Beschäftigte weiterhin zwei Tage im Jahr im Homeoffice arbeiten. Reuters berichtete über den Rückzieher, der auf Streiks von Belegschaftsteilen zurückgeht.
Druck aus Spanien als Auslöser
Der Konflikt hatte sich bereits im Juli zugespitzt: Rund 3.000 Beschäftigte am Standort Getafe bei Madrid traten in einen bis Ende Juli angesetzten Streik, organisiert von der Gewerkschaft SIPA. Neben Gehaltserhöhungen ging es um genau jene Kürzungen bei Homeoffice-Regelungen sowie um Urlaubsvorgaben.
Die Gewerkschaft CCOO stellte sogar unbefristete Arbeitskampfmaßnahmen für die Zeit nach dem 7. September in Aussicht. Mit der jetzigen Kehrtwende entschärft Airbus diesen Konflikt, bevor er sich im Herbst weiter zuspitzen konnte.
Für Anleger ist die Personalfrage kein Randthema. Airbus befindet sich mitten in einer Hochlaufphase der Produktion, und Streiks an Schlüsselstandorten wie Getafe könnten Lieferketten und Zeitpläne empfindlich stören – gerade jetzt, wo der Konzern mit dem neuen Frachtflugzeug A350F ein wichtiges Programm vorantreibt.
Operatives Geschäft läuft rund
Während die Personalfrage für Schlagzeilen sorgte, entwickelt sich das operative Geschäft solide. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 33,2 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT kletterte um 23 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.
Rekordauslieferungen von 237 Flugzeugen im zweiten Quartal trugen dazu maßgeblich bei. Der Konzern bestätigte seine Jahresziele: rund 870 ausgelieferte Flugzeuge, ein bereinigtes EBIT von 7,5 Milliarden Euro und ein freier Cashflow vor Kundenfinanzierung von 4,5 Milliarden Euro.
Bis Ende Juli hatte Airbus 418 der angepeilten 870 Maschinen ausgeliefert und lag damit 51 Flugzeuge vor Boeing. Ende Juli rundete der Konzern das positive Bild mit einer mittelfristigen Zielmarke ab: Bis 2029 soll das bereinigte EBIT auf 12 bis 13 Milliarden Euro steigen. Der Vorstand billigte zudem ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Euro, das über drei Jahre laufen soll.
A350F rückt näher an den Erstflug
Parallel zu den operativen Fortschritten nimmt das Frachtflugzeug-Programm A350F Gestalt an. Am Toulouse-Standort wurde vor wenigen Tagen das erste Testflugzeug mit der Kennung F-WXLD in einer speziellen Lackierung präsentiert.
Der Erstflug soll bereits im September stattfinden, mit dem 24. September als bevorzugtem Termin, sofern technische Probleme oder Wetter nicht dazwischenkommen. Der Markteintritt ist Ende 2027 geplant. Bis Juli hatte Airbus für das neue Modell 107 feste Bestellungen gesammelt.
Aktie unter Druck trotz guter Zahlen
An der Börse spiegelt sich die operative Stärke derzeit nicht wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 203,50 Euro, ein Minus von 0,7 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,7 Prozent zu Buche, damit hat sich der Kurs vom 52-Wochen-Hoch bei 221,25 Euro im Januar mittlerweile um 8,0 Prozent entfernt.
Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch mit 3,0 Prozent im Plus. Die jüngste Schwäche dürfte auch die Verunsicherung rund um die Streikdrohungen und den Führungskonflikt widerspiegeln – ein Thema, das mit der Kehrtwende bei der Präsenzpflicht nun zumindest vorerst entschärft ist.
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